Sieg bei "Bauernolympiade" trotz Sturzes

Westbevern behält die Nerven


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Münster - Die Wanderstandarte der Stadt Münster geht zum 30. Mal an den RV Gustav Rau Westbevern. Im abschließenden Springen verteidigte das Team von Reitlehrerin Elke Stegemann am Samstag den nach Einzeldressur und Mannschaftskür herausgerittenen Vorsprung.

Mit der Wertnote 96,47 lagen Tanja Alfers mit Windhoek, Nicole Dieckhoff mit Bijou, Linda Nienaber mit Continus le Grande, Christian Schulze Topphoff mit Campus, Laura Sieveneck mit Poldi und Nina Stegemann mit Rocky Balboa am Ende hauchdünn vor dem RV Greven (95,78). Platz drei belegte der und RV Roxel (94,47), Vierter wurde der RV Nienberge (93,69), Fünfter der Titelverteidiger aus Albachten (89,65).


Die nackten Tatsachen verraten allerdings nur wenig über die Dramatik, die am frühen Samstagmorgen in der Halle Münsterland herrschte. Vor rund 2500 Zuschauern wurde das Zwischenklassement noch einmal kräftig durcheinander gewirbelt. Leidtragender war vor allem der RV St. Georg Saerbeck, der als Zweiter in das Finale gegangen war, im Springen dann aber auf Rang sechs zurück fiel. „Irgendwie war bei uns heute der Wurm drin“, kommentierte Reitlehrerin Melanie Ottmann den Auftritt ihrer Schützlinge.

Jubel herrschte dagegen beim RV Roxel, der sich durch vier fehlerfreie Runden vom fünften auf den dritten Platz vorarbeitete. „Damit haben wir nicht einmal im Traum gerechnet“, meinte Vorsitzender Christian Gäher und Reitlehrerin Karin Richter, die schon am Donnerstagabend nach der Kür Tränen der Erleichterung vergossen hatte, strahlte: „Toll haben das unsere Jungs und Mädels gemacht.“


Glückstrahlendes Siegerteam: Laura Sieveneck, Nina Stegemann, Elke Stegemanbn, Christian Schulze Topphoff, Linda Nienaber, Petra Weiligmann, Nicole Dieckhoff und Tanja Alfers (von links) sorgten für den 30. Sieg des RV Gustav Rau Westbevern im Wettkampf um die Wanderstandarte der Stadt Münster.Foto:
Glückstrahlendes Siegerteam: Laura Sieveneck, Nina Stegemann, Elke Stegemanbn, Christian Schulze Topphoff, Linda Nienaber, Petra Weiligmann, Nicole Dieckhoff und Tanja Alfers (von links) sorgten für den 30. Sieg des RV Gustav Rau Westbevern im Wettkampf um die Wanderstandarte der Stadt Münster.Foto:
(Jürgen Peperhowe)


Ähnlich zufrieden präsentierte man sich im Lager des RV Greven. Auch hier durfte sich Reitlehrerin Andrea Waltermann über eine grandiose Springleistung mit vier fehlerfreien Runden freuen. Damit wurde souverän Platz zwei verteidigt.

Am Größten freilich war der Jubel beim RV Gustav Rau Westbevern. „Wir haben vorher keine großen Töne gespuckt, dafür im Wettkampf Leistung sprechen lassen“, strahlte Reitlehrerin Elke Stegemann, wollte sich den Sieg aber nicht an ihr Revers haften. „In erster Linie sind dafür unsere Reiter verantwortlich. Und dann gibt es eine ganz große Mannschaft, die sich in der Vorbereitung mit Rat und Tat eingebracht hat. Alleine kann man so etwas gar nicht bewerkstelligen.“

Bevor der Erfolg endgültig unter Dach und Fach gebracht war, musste jedoch kräftig gezittert werden. Als dritte Starterin - zuvor hatte Tanja Alfers den Parcours mit einem Abwurf absolviert, Linda Nienaber war fehlerfrei geblieben - nämlich stürzte Laura Sieveneck beim Aussprung aus der zweifachen Kombination und blieb benommen am Boden liegen. „Das war natürlich ein riesiger Schock. Ich habe nur gedacht: Hoffentlich ist dem Mädchen nichts passiert“, kommentierte Stegemann die Schrecksekunde, in der der Mannschaft für einen Augenblick der Sieg noch aus den Händen zu gleiten drohte.

Anschließend aber hielten Christian Schulze Topphoff (Stegemann: „Unser ländlicher Ludger Beerbaum.“) und die erst 18-jährige Nina Stegemann ihre Nerven im Zaun und brachten den 30. Erfolg in der „Bauern-Olympiade“ nach Hause. Und als dann auch noch Laura Sieveneck Entwarnung gab („Mir brummt ein wenig der Kopf, aber sonst geht es mir gut.“), kannte der Jubel endgültig keine Grenzen mehr.

Apropos Jubel: Den gab es am Ende schließlich auch beim Titelverteidiger aus Albachten, der sich für seinen unglücklichen Auftritt in der Kür mit einer starken Leistung im abschließenden Springen rehabilitierte. Und als dann auch noch Johanna Klippert mit Piko´s Son als Siegerin der Einzelwertung bekannt gegeben wurde - die nächsten Plätze belegten hier Sabrina Geßmann vom RV Nienberge mit Darc Piccolo sowie Christian Schulze Topphoff mit Campus - war die Welt endgültig wieder in Ordnung.

Die 28-Jährige selbst konnte ihr Glück auch Stunden nach dem Wettkampf noch gar nicht richtig fassen: „Ich habe zum ersten Mal an diesem Wettkampf teilgenommen. Dass ich ihn dann gleich als Sieger beende, ist eigentlich unfassbar. Wahrscheinlich brauche ich Tage, um das zu realisieren.“

VON UWE PEPPENHORST, MÜNSTER


15 · 01 · 12



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