Münster - Sättel weg, Trensen weg, Titel auch weg? Für das Team aus Albachten kam es am Donnerstagabend knüppeldick. Denn nach der gewonnenen Einzeldressur gab es eine vergeigte Mannschaftskür, die für gehörige Unruhe in der ausverkauften Halle sorgte. Langfinger hatten sich beim Team Albachten bedient, die Sättel und Trensen mitgenommen und ein restlos verunsichertes Damenquartett zurückgelassen.
Zu allem Überfluss wurde diesem in der Galopptour der Kür dann noch die falsche Musik eingespielt, so dass es nicht mehr verwundern konnte, dass sich eine junge Dame für ihre eigene Kür entschied. Leider passte diese nur bedingt zu den trainierten Darbietungen der übrigen drei, so dass eine gewisse Disharmonie nicht zu leugnen war.
Die Damen in den (Ersatz-)sätteln machten das Beste daraus, Reitlehrerin Henrike Sommer machte gute Miene zum bösen Spiel, Chefausbilder Josef Geßmann verwies darauf, dass seine Schützlinge eben auch nur Menschen seien und Carmen Ohmen orderte noch hoch zu Ross eine Runde an der Theke. „Darauf müssen wir einen trinken.“ Der Titelverteidiger nahm es mit Humor, dass der Titel wohl futsch ist.
Denn die Konkurrenz schlief nicht. Allen voran die Teams aus Westbevern und Saerbeck, die sich gestern von ihrer allerbesten Seite zeigten und den alten Konkurrenzkampf früherer Jahre wieder aufleben lassen. Beide liegen nun vorne und haben Nienberge im Nacken. Ein Trio mit hoher Qualität, das da auf den Titelgewinn zusteuert.
Einen Favoriten gibt es nicht, nur zufriedene Reitlehrer. Elke Stegemann attestierte ihren jungen Damen aus Westbevern „eine ganz tolle Leistung“. Für Melanie Ottmann aus Saerbeck kam alles fast unerwartet gut, so dass ihr eine optimale Nachtruhe beschieden war. Und für Josef Geßmann war der Ärger mit Albachten verraucht, als er seine drei Enkeltöchter im Team Nienberge glänzen sah. Nur die nicht gerade optimale Bewertung, die verstand er nicht ganz.
Angreifen müssen alle noch im Springen am Samstag. Mit Titelchancen werden das die drei Erstplatzierten angehen. Albachten als Sechster ist nur Außenseiter. Henrike Sommer: „Bei uns war plötzlich der Wurm in der Kür und wollte einfach nicht wieder weg.“
Es war wieder das Hochfest der ländlichen Reiterei, das für reichlich Emotionen, einige Enttäuschungen, jede Menge Enthusiasmus und sehenswerte Eleganz sorgte. Mannschaftskür im Rahmen der Bauernolympiade, hohe Kunst zwischen sympathischem Einstieg und lustigem Finale. Gedehnte Pferde, die sicher an der Hand und taktsicher an den treibenden Hilfen gehen. Die mal kopflastig agieren und nicht ganz so durchlässig sind. Die gern das große Viereck erkunden, dann schön durchschwingen und zu dezenter Musik die Gangarten präsentieren.
Es ist Tradition, dass die Bauernolympiade ausverkauft ist. Das war schon fast immer so. Und es macht immer mehr Sinn. Weil die Leistungen Jahr für Jahr besser werden. Von den Reitern und den Pferden. Ob mit oder ohne Sattel.