Münster - Es gibt Kopien, von denen wird behauptet, die seien besser als das Original. Für den Wettkampf um die Wanderstandarte der Stadt Münster gilt das garantiert nicht. In verschiedenen deutschen Städten hat man in der Vergangenheit versucht, diesen Wettkampf zu kopieren, herausgekommen ist in der Regel nur ein müder Abklatsch.
Was zwangsläufig die Frage aufwirft, warum die „Bauern-Olympiade“ in Münster eigentlich ein solcher Renner ist. Logisch erklären kann das niemand. Fest steht trotzdem eines: Ohne den Standarten-Wettkampf wäre das traditionelle Januar-Turnier des Reiterverbandes Münster nicht nur um eine Attraktion ärmer, ohne ihn wäre es schlicht und einfach nicht vorstellbar.
Herzstück des Wettkampfes ist seit eh und je die Mannschaftskür. Wer als Zuschauer bei dieser zweiten Teilprüfung dabei sein will, der muss entweder über ausgesprochen gute Kontakte verfügen oder Mitglied eines der heimischen Reitervereine sein. Auch das freilich bedeutet nicht automatisch, dass man eine Karte erhält. Oft nämlich ist in den Vereinen der Kreis der Interessenten weitaus größer, als das zur Verfügung stehende Kartenkontingent.
Auch heute Abend wird die Halle Münsterland wieder bis auf den letzten Platz besetzt sein, wird die Begeisterung auf den Rängen überschwappen. Und natürlich wird es am Ende auch wieder Sieger und Verlierer geben. Bei allem Ehrgeiz, mit dem die beteiligten Reiter an die Sache herangehen, ist der Erfolg aber nicht das Wichtigste. Im Vordergrund steht das Erlebnis. Und das wird auch in diesem Jahr garantiert wieder großartig.
Natürlich gibt es im Vorfeld Vereine, die, wenn es um die Frage des möglichen Siegers geht, hoch gehandelt werden. Ganz oben auf der Liste haben viele den Titelverteidiger aus Albachten. Nicht nur, weil er über viele erstklassige Reiter verfügt, sondern auch, weil der Verein es in den letzten Jahren verstanden hat, diese guten Reiter mit entsprechend guten Pferden zu „versorgen“.
Freilich: Einen Freifahrtschein zum Sieg hat Albachten garantiert nicht. Das weiß auch Reitlehrer Josef Geßmann. „Die Konkurrenz ist nicht nur groß, sie ist auch stark“, sagt er aus langjähriger Erfahrung. Namen kommen ihm in diesem Zusammenhang nicht über die Zunge. Das ist aber auch nicht notwendig, schließlich sind es in erster Linie die „üblichen Verdächtigen“, von denen man erwartet, dass sie am ehesten in der Lage sind, dem Team aus Albachten Paroli zu bieten. Beispielsweise der RV Greven, der den Wettkampf vor zwei Jahren gewann und im vergangenen Jahr Rang zwei belegte. Oder der RV Gustav Rau Westbevern. Mit 29 Siegen führt er überlegen die „ewige Bestenliste“ dieses Wettkampfs an. Der letzte Sieg liegt allerdings inzwischen vier Jahre zurück, im Vorjahr gab es Rang drei. Man darf gespannt sein, was Reitlehrerin Elke Stegemann dieses Mal aus dem Hut zaubert. Dass die Saat nicht nur gelegt, sondern auch aufgegangen ist, zeigte der Sieg beim letztjährigen Jugendturnier.
Und sonst? Nicht vergessen sollte man sicherlich den RV Appelhülsen. Und erst recht nicht den RV St. Georg Saerbeck. Viele fette Jahre hatte der Verein in der langen Geschichte des Wettkampfes, zuletzt gab es allerdings einige etwas magere. Das wird „Meistermacher“ Franz-Josef Ottmann garantiert nicht ruhen lassen. Zwar stellt er selbst die Mannschaft nicht mehr vor (das macht Tochter Melanie), im Hintergrund aber zieht er nach wie vor die Fäden.
Was die vorgenannten Prognosen wert sind, wird sich im Wettkampf zeigen. „Entscheidend ist im Viereck“, könnte man in Abwandlung eines beliebten Spruchs aus dem Fußball sagen. Und dort steht heute ab 13 Uhr (Messehalle) zunächst die Einzeldressur auf dem Programm. Am Abend (19 Uhr, Haupthalle) folgt dann die Mannschaftskür. Danach wird man sicherlich schon deutlich klarer sehen. Die endgültige Entscheidung freilich fällt erst am Samstagmorgen (8.30 bis 11.30 Uhr) beim abschließenden Springen, bei dem die Teams in umgekehrter Folge des Zwischenklassements an den Start gehen. Und das sicherlich noch einmal für Spannung bei Reitern und Zuschauern sorgen wird.