Sieht brutaler aus, als es in Wirklichkeit ist: das Training mit den American Footballern von den Münster Mammuts.Foto: (Claus Röttig)
Münster - Sie sind die Stars einer jeden amerikanischen Highschool und werden von den Cheerleadern umschwärmt: Die Mitglieder des Footballteams. Muskelbepackt und immer gut aussehend stehlen sie den anderen die Show - trainieren hart und werden aufgrund ihrer sportlichen Leistungen sogar von Eliteuniversitäten umworben.
Auch in Münster gibt es ein American-Football-Team, die Münster Mammuts. WN-Mitarbeiter Claus Röttig hat sich auf den Kunstrasenplatz in Hiltrup gewagt, um sich mit den respekteinflößenden Muskelpaketen, die in Wirklichkeit alle nett sind, zu messen.
Das erste Problem taucht vor dem Training auf: Welche Ausrüstung sollte man mitnehmen? Sportschuhe und -kleidung reichen aus - den Rest stellt am Anfang der Verein. Headcoach Ronny Lemuth und Trainer Jens Brunholz nehmen die letzten Einstellungen am Brust- und Schulterpanzer vor, und auch der Helm mit dem Beiß-Schutz muss sitzen. „Der Beiß-Schutz ist weniger dazu da, um die Zähne zu schützen, denn so viel passiert beim Football nicht“, beruhigt der Trainer. Vielmehr gehe es darum, dass man sich nicht auf die Zunge beißt. „Es ist aber schon ein Schutzaspekt.“
Dann geht es mit den anderen Spielern auf den Rundkurs um den Sportplatz zum Aufwärmen - noch alles sehr friedlich und nicht einmal besonders anstrengend. Doch das ändert sich schlagartig, als sich Trainer Lemuth einmischt: Die ersten Schritte bei einem Angriff sollen geübt werden. Also ab in die Hocke, mit der rechten Hand abstützen. „Mit dem rechten Fuß den ersten Schritt und dann von unten hoch“, lautet die strenge Anweisung. Am nächsten Morgen rächen sich die Bewegungen: Muskelkater ist programmiert und will auch die nächsten zwei Tage nicht wieder gehen.
Auch die Haut kommt nicht ungeschoren davon: Denn der Kunstrasenplatz ist alles andere als geeignet für das Training. Durch den Sand im Kunstrasen werden nicht nur Kleidungsstücke beim Training schnell verschlissen, auch Schürfwunden sind vorprogrammiert, ebenso wie zahlreiche Mückenstiche.
Denn ist es endlich so weit: Es soll ins Training Mann-gegen-Mann gehen. Doch das ist leichter gesagt als getan: Der Gegner, fast ein halber Kopf größer, schwerer und überhaupt massiger - trotz der eigenen rund 1,90 Meter Größe und 100 Kilo Gewicht. „Er muss mit kleinen Schritten weggeschoben werden“, erklärt Lemuth. Aber mehr als ein Anrennen gegen den Berg kommt nicht heraus. Doch am Ende muss der Gegner doch weichen, auch wenn es ein großer Kraftaufwand war.
Immer wieder heißt es: „In die Knie und gegeneinander anrennen. Denn die Defense, die Verteidigung, muss im Spiel die Angreifer aufhalten und, wenn es passt, auch zu Boden bringen. „Das hört sich brutaler an als es ist“, weiß Brunholz. Und auch die Zahlen der Statistik geben ihm recht: Denn es gibt unter Fußballern weitaus mehr Verletzte als beim American Football. „Wir hatten sogar schon einmal eine Frauengruppe“, erinnert sich Brunholz. Es sei wirklich ein Sport für jedermann - egal ob klein oder groß, ob schwer oder dünn.
Am Ende wird man dann noch Zeuge des unglaublichen Zusammengehörigkeitsgefühls, das unter den Spieler herrscht: In der Mitte eines Huddles, eines Spielerhaufens, werden die Neuen für ihren Einsatz gelobt und willkommen geheißen. Überhaupt kann man sich auch während des Spiels als Neuling nicht der Gemeinschaft entziehen: Erst wenn alle einmal abgeklatscht haben und alles im Huddle besprochen wurde, geht es weiter.