92-Jähriger noch als Übungsleiter aktiv

Im sportlichen Unruhestand


Auch die Musikauswahl ist wichtig, damit die Stimmung in der Gruppe stimmt. Und die versteht der agile Rentner hochzuhalten. Fotos (2):
Auch die Musikauswahl ist wichtig, damit die Stimmung in der Gruppe stimmt. Und die versteht der agile Rentner hochzuhalten. Fotos (2):
(Peter Schniederjürgen)


Ahlen - „Links, links, Wechselschritt“, schallt es mit kräftiger Stimme durch die Turnhalle der Gesamtschule. Rhythmisch legt Eugen Peter Schrittkombinationen aufs Parkett, wippt locker-flockig mit dem Fuß und geht geschmeidig in die Knie, während die Tanzkurs-Teilnehmer es ihrem Übungsleiter mit geradezu jugendlicher Leichtigkeit gleichtun. Dabei sind sie alle keine Teenies mehr, sondern durchweg reifere Herrschaften, die hier das Tanzbein schwingen. Und ausgerechnet Vortänzer Egon Peter ist mit stolzen 92 Jahren der absolute Senior unter den Senioren und noch regelmäßig im Einsatz.

„Eigentlich war ich immer nur ein recht mittelmäßiger Sportler“, schmunzelt Eugen Peter. Doch nichtsdestotrotz hat der Sport das Leben dieses Mannes so nachhaltig geprägt wie kaum etwas anderes. Schon früh entdeckte der gebürtige Breslauer seine Leidenschaft für Turnen und Leichtathletik. Mit elf Jahren trat er dem Turnverein in der Nähe des elterlichen Hauses bei. „Der war nur fünf Minuten von uns entfernt, das bot sich einfach an“, erinnert er sich.


Dem Schulbesuch folgte die Ausbildung zum Fleischer. „Der Beruf lag mir eigentlich nie so richtig, aber es war damals Vaters Wunsch, und ich sollte ja auch seinen Betrieb übernehmen“, erzählt Peter, der nach Krieg und Gefangenschaft aber nicht mehr als Metzger arbeitete. In Ahlen, der Geburtsstadt seiner Mutter, fand der Heimkehrer 1948 bald einen Job auf der Zeche Westfalen in der Kokerei. Die Leidenschaft für den Sport blieb erhalten, und 1969 wurde er Mitglied bei der TuS Ahlen.

Dort war er als Vorturner für Jugendliche und Kampfrichter bei vielen Gelegenheiten auf der Glück-auf-Kampfbahn im Einsatz. Bis er offiziell den Übungsleiterschein erwarb, dauerte es aber noch. „Auf der Zeche hatten ich Wechselschichten, darum konnte ich erst im Ruhestand den erforderlichen Kurs absolvieren“, bedauert er. Kaum führte der Weg am Morgen nicht mehr in die Kokerei, da stürzte er sich in die Übungsleiterausbildung.

„Schon altersbedingt lag mir mittlerweile natürlich der Seniorensport besonders am Herzen“, erinnert sich Eugen Peter. 150 Stunden investierte er, um die Qualifikation dafür zu erwerben. Mehrere Seniorensportgruppen unter der Leitung des rüstigen Rentners wurden im Laufe der Zeit gegründet. „Wir waren in Spitzenzeiten mit 40 Leuten in der Halle, und es war eine super Stimmung“, schwärmt Eugen Peter, der zudem an vielen Wochenenden als Kampfrichter aktiv war. „Darüber hinaus war ich an der Sportabzeichenabnahme beteiligt“, erzählt der Ahlener.

Doch irgendwann musste auch Eugen Peter seinem Alter Tribut zollen. „Es wurde einfach zu viel. Ich habe nach und nach Gruppen in jünger Hände übergeben und mich stattdessen verstärkt der Organisation von Festen des Vereins gewidmet und sommerliche Radtouren geplant“, erzählt er.

Doch ganz ohne Sport geht es nicht: Zumindest eine Tanzgruppe für Senioren leitet Eugen Peter trotz seiner 92 Jahre immer noch - mehr hat ihm der Arzt verboten. Seinem bewährten Erfolgsrezept mit lockeren Späßchen und viel Lachen ist der Übungsleiter bis heute treu geblieben. Es lautet: „Mache den Kurs so, wie du ihn selber gern hättest.“



01 · 02 · 12





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