Im Kenia-Pulk will Stefan Koch die Marathon-Bestzeit attackieren


Stefan Koch (2.v.r.) lässt nicht locker, will nach Jahren der Stagnation endlich seine Bestzeit über die Marathonstrecke verbessern.
Stefan Koch (2.v.r.) lässt nicht locker, will nach Jahren der Stagnation endlich seine Bestzeit über die Marathonstrecke verbessern.


Rheine. Es geht nicht nach Essen, sondern nach Frankfurt. In „Mainhattan“, dem deutschen Bankenzentrum, will der 27-jährige Langstreckler Stefan Koch aus Rheine am kommenden Sonntag endlich aus der Krise herauslaufen und seine am 28. September 2008 in Berlin erzielte Bestzeit von 2:15:38 Stunden verbessern. Es ist auch ein Rennen gegen die eigene Sinnkrise. „Seit drei Jahren geht es nicht vorwärts“, meint der vielfache Deutsche Meister nachdenklich. Es muss endlich etwas passieren.

Eigentlich sollte der Ort des Geschehens Essen sein, beim Traditionsrennen über die klassische Laufdistanz von 42,915 Kilometer rund um den Baldeneysee wollte er sich und den übrigen Spitzenläufer aus Deutschland beweisen: Hey, ich bin noch da, und wenn es um Titel und Medaillen geht, dann müsst ihr unbedingt mit mir rechnen.



Stefan Koch ist eine Kämpfernatur.
Stefan Koch ist eine Kämpfernatur.


Bekannt ist der 1,68 Meter große und 58 Kilogramm leichte Athlet bereits für seinen Titelhunger. Am 22. Mai gewann er im Rahmen des Hamburg-Marathons den Deutschen Meistertitel, jedoch reichte es bei dieser „Hitzeschlacht“ nur zu einer Zeit von 2:20:39 Stunden. Doch selbst damit nimmt er aktuell in der deutschen Marathon-Jahresbestenliste Platz fünf ein.

Doch er will ganz nach oben, und das kann der kleine drahtige Rheinenser mit dem großen Kämpferherz auch schaffen. Noch führt Markus Weiß-Latzko von der LG Neckar/Enz die Bestenliste des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit 2:19:03 Stunden an, mit drei Sekunden Rückstand folgt Sven Weyer (SG Spergau). Das sind Zeiten, die Koch locker unterbieten kann, wenn er nur einigermaßen ordentlich in Form ist und vor allem wenn er gesund ist. Denn vor allem gesundheitliche Rückschläge machten ihm in den vergangenen Jahren mächtig zu schaffen.

In Essen wäre Koch der Sieg gewiss nicht zu nehmen gewesen, doch ganz sicher hätte der Druck der Konkurrenz gefehlt. So riet ihm der leitende Bundestrainer Lauf, Tono Kirschbaum, lieber drei Wochen später in Frankfurt zu starten. Denn in „Mainhattan“ ist Koch nur einer unter sehr vielen Spitzenläufern, und vielleicht treibt ihn die Konkurrenz am Sonntag zu der erhofften neuen Bestzeit an. Vor einem Jahr gewann der Kenianer Wilson Kipsang in 2:04:57 Stunden, vor dem Äthiopier Tadese Tola in 2:06:31 Stunden. Mit seiner Bestzeit von 2:15:38 Stunden hätte Koch in diesem von Läufern aus Ostafrika dominierten Rennen gerade mal Platz 25 belegt.

Für seinen neuerlichen Angriff auf seine Bestzeit hat der 27-Jährige hart trainiert. „Mein Wochenpensum geht in Richtung 200 Kilometer“, berichtet Koch, „darunter auch einzelne Läufe bis zu 40 Kilometern.“ In der Woche vor dem Wettkampf schraubt er das Pensum deutlich zurück. Was besonders wichtig ist: Der Rheinenser läuft im Training nicht mehr so schnell wie früher und hat deshalb aktuell keine muskulären Probleme.

Bereits im dritten Jahr läuft Stefan Koch im Trikot der LG Braunschweig. „Es wird mein letztes Jahr sein“, bestätigt er. Noch will er nicht verraten, wohin die läuferische Reise geht. Klar ist auf jeden Fall: Er braucht einen sehr qualifizierten Trainer, um endlich die jahrelange Phase der Stagnation zu überwinden. So spricht viel für eine Rückkehr in die westdeutsche Leichtathletik-Hochburg Wattenscheid, doch dazu will Koch noch nichts sagen.

VON WERNER ZERETZKE


25 · 10 · 11





TOP ARTIKEL
Topartikel Icon
SPORTMELDUNGEN


© Ahlener Zeitung - Alle Rechte vorbehalten 2012

Impressum | Datenschutz | AGB | Sitemap
Media-Daten | Netiquette