Wow: Vuvuzela zur WM

Von wegen „Bad Girls“ (schlechte Mädchen) - gute Girls im Hause Göbel mit Auswahlspielerin Aileen und Mutter Heike: „Ich bin der Fan meiner Kinder.“
(Fotos: Andresen)
Von Horst Andresen
Groß Reken. Die halbstündige Fahrt mit dem Bus zum Stadion war schon ein besonderes Erlebnis: Die deutschen Mädels wurden von 15 Polizeiwagen eskortiert. Im WM-Stadion von Nelspruit, etwa vier Autostunden von Johannesburg entfernt, musste erst noch der Rasen verlegt werden. Aber auch im Rugbystadion „mit etwas langem Rasen“ gab es einen 10:1-Sieg gegen die ältere U 17-Auswahl von Swasiland - und jede Menge Eindrücke und Erlebnisse. Für Aileen Göbel (14) aus Groß Reken hat sich schon der Traum erfüllt, von dem andere vor allem im kommenden Sommer schwärmen dürften: Sie lernte das Weltmeisterschaftsland Südafrika mit der Fußball-Westfalenauswahl eine Woche lang kennen.

Im südafrikanischen Nationalmannschaftstrikot in die Tröte Vuvuzela blasen: Aileen Göbel hat in Südafrika schöne Erinnerungen gesammelt.
(Fotos: Andresen)
„Die sind in Südafrika echt locker.“
Aileen Göbel, Westfalenauswahlspielerin, Groß Reken
Im Spiel gegen Swasiland machte die Stürmerin, die bis zum Sommer für Westfalia Reken spielte und seitdem für den FC Rhade auf Torjagd geht, zwei Tore. Wichtiger als der fußballerische Vergleich war aber, Land und Leute kennen zu lernen, auch den weltberühmten Krüger-Nationalpark: „Die Leute in Südafrika sind voll locker.“ Das Thema Sicherheit habe keine überragende Rolle gespielt: „Da war alles so wie hier auch.“
Beim Auftritt im Rugby-Stadion ging jede Jugendliche mit einem Kind an der Hand aufs Spielfeld, und auch die Nationalhymnen wurden gespielt.
Bei einem gemütlichen Abend mit einer Delegation und Spielerinnen des südafrikanischen Fußballverbandes lernten die Spielerinnen aus Westfalen Tänze der Einheimischen kennen und es wurden Freundschaften geschlossen. Schnell hatte sich die anfängliche Aufregung über so viel Neues gelegt: „Wir haben uns auf Englisch verständigt, und das ging besser als anfangs gedacht“, erzählt Aileen. Geschenke gabs vom Gastgeberland auch: Vuvuzelas. Die nervtötenden Tröten sollen den Europäern im nächsten Jahr das Siegen schwer machenb. „Gar nicht so leicht, einen Ton herauszubekommen“, warnt Aileen - und bläst mit voller Kraft ins grüne Plastikhorn, dass die Wassergläser scheinbar wackeln.
Ein geplantes zweites Testspiel kam nicht zustanden: Stattdessen besuchte die U 15- und U 17-Westfalenauswahl in einem Armenviertel einen Kindergarten. Und die Kids waren über das gemeinsame Ballspielen begeistert. Anschließend demonstrierten die beiden Auswahlteams aus Deutschland - immerhin im Ausland hochangesehener Welt- und Europameister im Frauenfußball - ein Trainingsspiel.
Die 14-jährige Aileen, die am 13. März 15 Jahre wird, mit der Westfalenauswahl in eine für Europäer andere Welt: Da bleibt es nicht aus, dass im Hause Göbel Fußball die erste Geige spielt. Der eineinhalb Jahre jüngere Bruder Dominik (13) ist seit dieser Saison in Schalkes C-Jugend aktiv und trainiert dort mit hohem Zeitaufwand, wird aber abgeholt. „Viermal die Woche steht der Kleinbus vor Tür“, atmet Mutter Heike Göbel (40) auf.
„Dann spielen wir Taxifahrer.“
Heike Göbel,
Mutter
Dennoch bleiben für sie, ihren Ehemann Andreas (40) oder Opa Günter Lensing (66) häufig Fahrten zum Auswahltraining nach Kamen-Kaiserau, zu Spielen oder Turnieren wie vorigen Sonntag nach Mettingen bei Osnabrück. Heike lacht: „Dann spielen wir Taxifahrer.“ Tausende von Kilometern kommen im Jahr zusammen.
Mit vier Jahren jagte Töchterchen Aileen schon dem Ball hinterher, sozusagen eine echte Straßenfußballerin. Da war der Weg zur Westfalia nicht weit, in der sich die ganze Familie echt wohl fühlt. Aileens Onkel Thomas Lensing trainiert die E-Jugend.
Klar, dass der Abschied im Sommer zum FC Rhade Aileen, die die Realschule in Bahnhof Reken besucht, nicht leicht fiel: „Ich wollte sportlich weiterkommen“, sagt sie ehrgeizig. In der nächsten Saison spielt sie in der U 17 und mit Rhade, wenn alles klappt, vermutlich in der Westfalenliga - sonnige sportliche Perspektiven inklusive Ausflug nach Südafrika.
Der soll nicht der letzte Volltreffer der Torjägerin gewesen sein, die sich mit Teamkollegin Dörthe Hoppius vom FC Rhade in Südafrika das Zimmer teilte.
Selbstbewusst schaut Aileen, die kürzlich der Essener Bundesligist SG Schönebeck verpflichtet wollte, nach vorne: „Ich will mal Nationalspielerin werden.“ Wow!