Arbeitslose mit Handicap

Fit machen für den deutschen Arbeitsmarkt in Schottland


Sie stehen hinter „move and work“: die Projektteilnehmer und ihre deutschen und schottischen Betreuer trafen sich gestern in der „Waschküche“.Foto:
Sie stehen hinter „move and work“: die Projektteilnehmer und ihre deutschen und schottischen Betreuer trafen sich gestern in der „Waschküche“.Foto:
(mzb)


Münster - Irgendwie ist es für Henrik Wellmann dumm gelaufen. 2000, nach dem Abi, bewarb er sich um einen Ausbildungsplatz als Mediengestalter. Vergeblich. Er begann ein Biologiestudium, merkte aber, dass das nicht das Richtige für ihn ist. Jobs folgten. Ein Jahrespraktikum. Zuletzt eine Umschulung.

Immerhin, seine Ausbildung zum Mediengestalter hat der heute 31-Jährige seit Kurzem in der Tasche. Doch eine feste Stelle, davon träumt er bislang vergeblich. Jetzt setzt Henrik Wellmann seine Hoffnung auf Schottland, auf das Projekt „move and work“.


Zusammen mit elf weiteren Münsteranern geht er Mitte März für neun Wochen in den britischen Norden. Alle Teilnehmer sind in irgendeiner Form gehandicapt. Eine Rollstuhlfahrerin ist beispielsweise dabei, Arbeitslose mit psychischen Erkrankungen. Henrik Wallmann hat Diabetes Typ 1 und ist auf einem Ohr taub. Für den Arbeitsmarkt eingeschränkt sieht er sich dadurch nicht; sein Manko, meint er, sei eher das „mangelhafte Verkaufstalent“ bei Bewerbungsschreiben und -gesprächen.

Selbstvertrauen, sagen Marion Berger-Kießling vom Jobcenter Münster und Dr. Katy Teubener von der Gesellschaft für Berufsförderung und Ausbildung (Geba), sei eines der zentralen Themen bei „move and work“. Der Jobcenter hat Teilnehmer an das von EU und Bund finanzierte Projekt vermittelt, die Geba ist in Münster verantwortlich für die Umsetzung. 40 Bewerber habe es gegeben, über Wochen würden die Ausgewählten nun vorbereitet.

In Schottland besteht das Programm aus einem 14-tägigen Sprachkursus und einem siebenwöchigen Praktikum in einem Betrieb in der Region Cupar nördlich von Edinburgh. Betreut werden die Deutschen am integrativen Elmwood College. „Außerdem ist einer unserer Mitarbeiter immer dort“, sagt Dr. Katy Teubener.

Sie nennt keine Zahlen, bezeichnet das Programm aber als teuer und exklusiv. „Daher stehen wir stark unter Beobachtung und unter einem hohen Erfolgsdruck.“ Ziel sei es, 50 Prozent der Teilnehmer in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Und sie betont, dass der Aufenthalt in Schottland für die Arbeitslosen „kein Spaziergang wird. Sie werden an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen müssen.“

Die Verbesserung von Englischkenntnissen und beruflichen Fähigkeiten - die meisten haben eine abgeschlossene Ausbildung oder sogar studiert - stehe dabei nicht im Fokus. Vielmehr, erklärt Dr. Katy Teubener, gehe es um die „Auseinandersetzung mit dem ,Fremden und somit um die Verbesserung persönlicher und sozialer Fähigkeiten“.

Teubener und Marion Berger-Kießling begründen den ungewöhnlichen Weg, der mit „move and work“ beschritten wird, auch mit den Gegebenheiten des deutschen Arbeitsmarktes. Trotz steigender Beschäftigungszahlen dank guter Wirtschaftslage habe es ihre Klientel unvermindert schwer, eine Stelle zu finden. „Wer Brüche im Lebenslauf hat, steht gleich unter Generalverdacht gestellt, nicht leistungsfähig zu sein.“

Henrik Wallmann lässt keinen Zweifel daran, dass er leistungsfähig ist - wenn ihm denn ein Arbeitgeber die Chance gibt, es zu zeigen.



25 · 01 · 12





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