Zwei alte Linden sollen weichen


Baumexperte Andreas Lambert vor der alten Linde, die aufgrund von Wurzelschäden im kommenden Monat gefällt werden soll.
Baumexperte Andreas Lambert vor der alten Linde, die aufgrund von Wurzelschäden im kommenden Monat gefällt werden soll.
(Foto: sch)


Münster-Roxel - Als die Nachricht der Stadt Münster über geplante Baumfällungsaktionen in Roxel - wie berichtet - unlängst publik wurde, meldete sich prompt eine besorgte Bürgerin per E-Mail in der WN-Redaktion zu Wort. Zumal das Amt für Grünflächen und Umweltschutz auch am malerischen Pantaleonplatz im Herzen Roxels aktiv werden will.

„Eine Baumfällung greift massiv in das Ortsbild ein“, empört sich die Roxelerin. Sie zweifelt an, ob am Pantaleonplatz überhaupt ein Baum zwingend gefällt werden muss: „Oder ist das wieder so eine versteckte Sparmaßnahme, da alte Bäume regelmäßig gepflegt werden müssen, was Kosten verursacht?“


Die WN fragten Andreas Lambert vom Amt für Grünflächen und Naturschutz. Nach Auskunft des städtischen Baumexperten stehen zwei alte Linden auf dem Pantaleonplatz zur Disposition. Eine davon steht vor der denkmalgeschützten Villa Höping und ist etwa 80 Jahre alt. „Der Baum ist abgängig und trocknet ein“, erläutert Lambert. Zudem gebe es im Stamm der Linde einen Hohlklang.

Auffällig sei, dass der Baum eine „deutliche Einschränkung der Kronenstruktur“ aufweise und im Sommer nur „schütter belaubt“ sei. Wurzelschäden, deren Auswirkungen sich mitunter erst nach Jahrzehnten zeigten, haben der betagten Linde nach Auskunft des Fachmanns offenbar arg zugesetzt. Schon vor zwei Jahren sei sie bei der zweimal jährlich stattfindenden Kontrolle für die Fällaktion vorgemerkt worden. Bedingt durch die Schäden könne es sein, dass Äste abbrächen und auf Passanten herabfielen. Auch ein Durchbrechen des in seiner Standfestigkeit gefährdeten Baumes, so Lambert weiter, sei möglich.

Gefällt werden soll die marode Linde im kommenden Monat. Anschließend werde sie durch einen neuen Baum von etwa vier Metern Höhe ersetzt, verspricht der städtische Experte.

Damit die Nachfolger-Linde gut angehen kann, muss sie im Frühling und Sommer regelmäßig gewässert werden. Diese Aufgabe werden Schüler der Augustin-Wibbelt-Förderschule im Rahmen des „Schulpaten-Projekts“ übernehmen. Eine entsprechende Zusage hat Andreas Lambert bereits von Projekt-Initiator Dr. Paul Ottmann erhalten.

Schlecht bestellt ist es zudem um die zwischen 80 und 100 Jahre alte Linde, die sich im Bereich der Pantaleonstraße vor dem Haupteingang der katholischen Pfarrkirche befindet. „Um diesen Baum tut es mir in der Seele weh“, sagt Lambert. Das Naturdenkmal sei stark vom Brandkrustenpilz, der Moderfäule in Wurzeln und bodennahen Stammregionen hervorrufe, befallen und nicht mehr allzu lange lebensfähig. Da der Stamm ohnehin schon in Teilen ausgehöhlt sei, drohe auch diese Linde eines Tages umzufallen.

Möglicherweise lasse sich das Naturdenkmal durch einen Kronenrückschnitt noch bis zu fünf Jahre lang erhalten, so der Baumfachmann. Ob dies der Fall sein könne, oder ob die Linde schon jetzt der Säge weichen müsse, werde sich bei einem Ortstermin mit verschiedenen Experten in den kommenden Tagen zeigen.

Dass Bürger sich um vermeintlich gesunde Bäume Sorgen machen, die aus ihrer Sicht unnötig gefällt werden sollen, kann Andreas Lambert nachvollziehen: Das passiere häufiger, da Baumschäden für den Laien oftmals nur schwer zu erkennen seien.

» Wer Fragen zu den geplanten Baumfällungen hat, kann Andreas Lambert unter ' 49 267 36 erreichen.

VON THOMAS SCHUBERT, MÜNSTER


30 · 01 · 12




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