Mit dem Rucksack um den Globus


Birgit Jung mit ihrem „Survival Kit“: Mit dem Rucksack will die Roxelerin in wenigen Wochen zu einer einjährigen Weltreise aufbrechen.Foto:
Birgit Jung mit ihrem „Survival Kit“: Mit dem Rucksack will die Roxelerin in wenigen Wochen zu einer einjährigen Weltreise aufbrechen.Foto:
(sch)


Münster-Roxel - „Ich wollte immer schon mal einen kompletten Neuanfang machen - aber ich habe mich nie getraut . . .“, sagt Birgit Jung. Doch in den vergangenen Jahren hat die Roxelerin Mut gefasst, nach eigenen Bekunden „Frieden und Freude in mir“ gefunden, sodass sie vor einem radikalen Neustart nicht länger zurückschreckt: Am 3. August will die 44-jährige Körperbehinderte zu einer einjährigen Weltreise aufbrechen. Dafür bricht sie hierzulande alle Zelte ab.

Ende vergangenen Monats hat Birgit Jung den Kollegen an ihrer Arbeitsstelle, der Westfalen AG, zum Ausstand ein üppiges Frühstück spendiert. Nach 21 Jahren hat sie ihren festen Job an den Nagel gehängt. Die Kollegen haben ihr ein „Survival Kit“, einen Karton mit Feldflasche, Moskito-Spray, Camping-Besteck, Tropenhut und Erste-Hilfe-Material, mit auf die Reise gegeben. Derzeit bereitet die Roxelerin die Auflösung ihres Hausstands vor. Auch das Auto soll verkauft werden. Dafür hofft Birgit Jung auf Firmen und Privatleute, die ihr Hab und Gut erwerben und es als Spende an Bedürftige weitergeben (bi.jung@gmx.net, ' 77 30).


Erstes Ziel der Rucksackreisenden soll Anfang August die indonesische Trauminsel Bali sein. Dort will die 44-Jährige ein zweiwöchiges Seminar des niederländischen Künstlers, Autors und Musikers Lex van Someren besuchen und anschließend weitere zwei Wochen in Ubud, im Inneren der Insel, bei einer Familie wohnen „und Kontakt zur Bevölkerung haben“.

Fünf Monaten in Australien mit einer Reiseroute, die sich unter anderem von Sydney entlang der Ostküste bis Queensland, dem Nordterritorium und Ayers Rock bis nach Perth erstreckt, sollen weitere drei Monate in Neuseeland folgen. Von Auckland im Norden will Birgit Jung über Wellington nach Christchurch reisen. Für zwei Monate steht schließlich noch Hawaii und für vier Wochen ein abschließender Aufenthalt in San Francisco auf dem Programm der „Backpackerin“.

Parallel zu ihrem Job als Telekommunikations- und IT-Expertin absolvierte die Roxelerin eine Ausbildung zur Begleitenden Kinesiologin und zum Coach der Tipping-Methode für Vergebung. Beides gab ihr Kraft für ihren Globaltrip: „Mit diesem Wissen gehe auf die Reise, um an ausgesuchten Punkten der Erde mit Menschen in Kontakt zu kommen und ihnen Mut zu machen, ihre Träume zu leben und nicht ihr Leben zu träumen.“ Aufgrund persönlicher Kontakte will Birgit Jung sich in den Ländern ihrer Wahl auf vielfältige Weise aktiv für humanitäre Hilfsprojekte engagieren.

Mit sich und ihrer Situation als zu 80 Prozent Schwerbehinderte, die mit einer X-chromosomalen Störung, einer Gehbehinderung, Ichthyose und einem blinden Auge zur Welt kam, hat Birgit Jung Frieden geschlossen. Lange Zeit habe sie ihre Behinderung nicht akzeptieren wollen. Die nebenberuflichen Ausbildungen halfen ihr, dies zu tun: „Ich habe mich lange intensiv mit meinem Körper und meinen Herausforderungen auseinandergesetzt und bin nun zu meiner Lebensfreude und zum Vertrauen zu mir selbst zurückgekehrt.“

Nach der Heimkehr in einem Jahr will die Roxelerin ein Buch über ihre Weltreise schreiben, Vorträge halten und möglicherweise schon bald für weitere drei Monate nach Indien reisen. Doch es könnte alles auch ganz anders kommen: „Es kann auch sein, dass ich dauerhaft im Ausland bleibe.“

VON THOMAS SCHUBERT, MÜNSTER


10 · 05 · 11





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