Lernen im Schulzoo: Bundestreffen der Vivariumschulen

Keine Angst vor Schlangen hat Katja Herbrich. Die Schülerin kümmert sich an der Realschule Wolbeck um die Strumpfbandnattern im Vivarium.Fotos:
Keine Angst vor Schlangen hat Katja Herbrich. Die Schülerin kümmert sich an der Realschule Wolbeck um die Strumpfbandnattern im Vivarium.Fotos:
(beg)


Münster-Wolbeck - Molly, die Strumpfbandnatter, macht das Blitzlichtgewitter offenbar nichts aus. Geduldig lässt sie den Fototermin auf Katja Herbrichs Händen über sich ergehen. Ohnehin tummeln sich seit gestern viele Menschen vor der Scheibe ihres Terrariums. Der Grund: Seit gestern findet das bundesweite Treffen des Rings der Vivarium-Schulen in der Realschule Wolbeck statt.

Seit dem Jahr 2000 hat die gastgebende Schule in Wolbeck ein Vivarium, also eine Art kleinen Schulzoo. Konrektor André Weinert baute die Sammlung mit über 20 verschiedenen Arten aus allen Kontinenten auf. „Spielerisch lernen die Schüler die Tiere und ihre Lebensräume kennen“, meint Weinert. In einer AG kümmert sich gut ein Dutzend Schülerinnen und Schüler um die Tiere. „Und das auch in den Ferien“, unterstreicht Weinert.


Somit geht es beim Vivarium nicht nur um einen buchstäblich lebendigen Biologieunterricht, sondern auch um Verantwortung, die die Schüler übernehmen. Die Aquarien und Terrarien müssen gesäubert, die Tiere versorgt und gefüttert werden. Sogar für den Futternachschub müssen die Kinder und Jugendlichen sorgen, indem sie Futtertiere wie Grillen und Fliegen züchten.

Warum der ganze Aufwand? „Lebende Tiere bereichern den Biologieunterricht. Sie wecken mehr Interesse und bringen höhere Motivation und Lernleistung“, meint Julian Bette, der seit drei Jahren als studentische Hilfskraft das Vivarium an der Realschule Wolbeck mitbetreut. „Eigentlich ist die Biologie ja die Lehre des Lebens. Genau dieser Aspekt kommt oft zu kurz.“

Und die Schüler? Seit Katja Herbrich im Vivarium mitarbeitet hält sie selber Schlangen und Mäuse zu Hause. „Es ist faszinierend, die Tiere zu beobachten, zum Beispiel wenn die Strumpfbandnatter ihren Kiefer aushakt, um einen Fisch oder eine Maus zu fressen.“ Auch ihr Freund Lukas Afhüppe hat keine Berührungsängste mit Leopardgeckos und Schlangen, seit er den fachmännischen Umgang mit den Tieren gelernt hat.

Die Schulen mit ihren Mini-Zoos versuchen „den Spagat, die biologische Vielfalt auf engstem Raum“ darzustellen. Die Auswahl der Reptilien, Spinnen, Lurche, Frösche und Säugetiere fällt da oft unter pragmatischen Gesichtspunkten. Weinert: „Die Tiere müssen robust und nicht zu teuer sein und auch schon mal eine Woche ohne Futter auskommen können.“ Giftige oder gefährliche Tiere sind ebenfalls tabu. Die Pfeilgiftfrösche im Foyer der Schule, beruhigt Weinert, seien ungiftig, weil ihnen das Futter ihrer südamerikanischen Heimat fehle.

Die 30 Vivarienexperten erörterten gestern Fragen zur Frosch- und Futtertierzucht und machten auf Einladung des Allwetterzoos zwei Spezialführungen mit. Biologielehrer Marc Gerhard vom Gymnasium Oberursel war ganz begeistert von dem Treffen in Wolbeck: „Hier tankt man unter Gleichgesinnten neue Motivation und bekommt neue Anregungen.“

VON BETTINA GOCZOL, HILTRUP

11 · 09 · 09



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