Lützow-Kaserne

Was wird aus dem Militär-Museum?


Oberstleutnant Dr. Heiner Bröckermann ist Chef der „Militärgeschichtlichen Sammlung“ in der Lützow-Kaserne, einer detaillierten Ausstellung zu Münsters militärischer Vergangenheit.Foto:
Oberstleutnant Dr. Heiner Bröckermann ist Chef der „Militärgeschichtlichen Sammlung“ in der Lützow-Kaserne, einer detaillierten Ausstellung zu Münsters militärischer Vergangenheit.Foto:
(spe)


Münster-Handorf - Zivilisten haben keinen Zutritt. Das ist schade, denn die Handorfer Lützow-Kaserne ist eine faszinierende Stadt in der Stadt. Seit feststeht, dass die Unteroffiziersschule des Heeres in zwei, drei Jahren Münster verlässt, schießen die Spekulationen ins Kraut, was dereinst aus dem riesigen Gelände werden könnte - obwohl die Bundeswehr unablässig betont, dass sie am Standort Handorf festhalten möchte.

Wer sich allerdings wirklich Sorgen macht, ist Oberstleutnant Dr. Heiner Bröckermann. Denn der stellvertretende Lehrgruppenkommandeur ist zugleich „Beauftragter Tradition“ - und das bezieht sich nicht nur auf den Standort Handorf, sondern gleich auf die gesamte Militärgeschichte Münsters. Die ist bei ihm, dem promovierten Historiker und Universitätsdozenten, in besten Händen. Bröckermann verwaltet in einem früheren Speisesaal die „Militärgeschichtliche Sammlung“. Und was daraus mal wird, steht in den Sternen: „Die muss irgendwo untergestellt werden.“


Es ist ein kleines Museum: Der Saal hat die Größe einer Turnhalle, und er ist randvoll mit Exponaten. In einigen Vitrinen sind Uniformen, Orden, Waffen und Erinnerungsstücke aufbewahrt, an den Wänden hängen Fahnen und Karten. Die meisten Ausstellungsstücke allerdings sind Texte und Fotos. „Flachware“, sagt der Oberstleutnant lächelnd, und er räumt ein, dass man so etwas heutzutage eigentlich anders konzipieren müsste. Doch an der Qualität und Aussagekraft der Sammlung bestehe kein Zweifel: „Münster ist eine der größten und ältesten Garnisonen.“ Die militärische Tradition sei im Stadtbild immer noch gut erkennbar: Am besten an der Promenade, die schließlich Teil einer stattlichen Festungsanlage war.

Die Sammlung zur Militärgeschichte Münsters vom 30-jährigen Krieg bis in die Gegenwart wurde anlässlich des Stadtjubiläums 1993 angelegt und damals im Rathaus öffentlich gezeigt. Hauptmann a.D. Siegfried Kottmann und Oberstleutnant a.D. Michael Schadewitz haben sie zusammengestellt. Seitdem ist sie in der Lützow-Kaserne untergebracht.

Heute scheint sie ein bisschen in die Jahre gekommen zu sein. Immerhin hält Dr. Bröckermann seinen militärhistorischen Unterricht hier ab: 15 oder 20 junge Unteroffiziersanwärter und -anwärterinnen sitzen dabei sehr stilvoll im Halbkreis zwischen den Exponaten. Eigentlich, meint Dr. Bröckermann, gehöre die Sammlung ins Stadtmuseum - aber dort stehe die Militärgeschichte nicht sehr im Fokus.

Die Schautafeln sind Eigentum der Unteroffiziersschule, die anderen Exponate stammen als Leihgaben aus Privatbesitz. Manches ist darunter, was auf den ersten Blick nur amüsant wirkt, zum Beispiel ein paar stattliche Zinnsoldaten hinter Glas. Sie tragen blau-gelbe Uniformen - sind das etwa Schweden? Mitnichten: Das sind Truppen des Fürstbischofs von anno 1720. Münster hatte mal eine eigene Armee...

VON LUKAS SPECKMANN, MÜNSTER


31 · 01 · 12





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