Die Kugeln sollen rollen


Die Kinderhauser Boule-Gruppe schätzt den Standort ihrer selbst gebauten Bahnen am Bürgerhaus. Dort kann sie sich unterstellen, dort gibt es WCs. Gespielt wird rund ums Jahr - egal, ob Sommer oder Winter.Foto:
Die Kinderhauser Boule-Gruppe schätzt den Standort ihrer selbst gebauten Bahnen am Bürgerhaus. Dort kann sie sich unterstellen, dort gibt es WCs. Gespielt wird rund ums Jahr - egal, ob Sommer oder Winter.Foto:
(kaj)


Münster-Kinderhaus - Ob Sommer, ob Winter - die Kinderhauser Boule-Gruppe ist immer an Ball. Einzige Ausnahme: Schnee. Dann rollt die Kugel nicht. Deshalb war die Gruppe entsetzt, als sie in den WN las, dass die SPD-Fraktion den Antrag stellt, hinter dem Wuddi im Bürgerhaus einen Vier-Gruppen-Kita zu bauen.

Die Boule-Gruppe gibt es seit 1999. Sie etablierte sich damals schnell innerhalb der Kinderhauser Zwar-Gruppe (Zwischen Arbeit und Ruhestand), der ersten in Münster. Inzwischen gibt es stadtweit fünf Zwar-Gruppen.


Antonia Pickhardt hatte damals schon Boule-Kugeln aus Holland mitgebracht, die Zuhause im Schrank lagen und auf ihren Einsatz warteten: „Ich wusste, ich würde das irgendwann spielen.“ So kam es. Der Zuspruch sei so groß gewesen, dass die Boule-Freunde schon nach drei Jahren eine zweite Bahn gebaut hätten.

Die Boule-Gruppe ist wetterfest, wie der ganzjährige Einsatz zeigt. Nass regnen lässt sich aber niemand. „Kommt ein Schauer, stellen wir uns am Bürgerhaus unter“, erzählt Antonia Pickhardt. Außerdem gibt es dort WCs. „Manchmal haben wir auch Kinderbesuch.“ Alles Aspekte, die die Gruppe schätzt und deshalb ihre Bahnen nicht verlassen möchte.

In der Nähe des Bürgerhauses und auf zwei Bahnen wollen die Boule-Freunde auf jeden Fall bleiben. Eine neue Bahn, irgendwo am Kinderhauser Rand ohne Infrastruktur, helfe nicht. „Eigentlich wäre es sogar schön, wenn es eine Unterstellmöglichkeit für Besen und Harke gäbe, in der man auch die schweren Kugeln lagern könnte“, sagt Antonia Pickhardt.

Die Boule-Gruppe möchte keinen Generationen-Konflikt, sondern lediglich ihre Interessen als ältere, engagierte Bürger vertreten. „Es kann nicht sein, dass man unsere Gruppe einfach übergeht“, heißt es deshalb auch in einem Brief an Oberbürgermeister Markus Lewe.

Der Zusammenhalt ist groß: „Wir hatten noch nie Krach in den 13 Jahren“, erzählt Pickhardt. Es gibt kleine Rituale: Frühling und Winter werden mit Kaffee und Kuchen begrüßt. Und Bruno Beyersdorff kommt sogar jeden Montag jedes Mal aus Mecklenbeck zum Boulen nach Kinderhaus.

VON KATRIN JÜNEMANN, MÜNSTER


01 · 02 · 12





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