Jedes Jahr 235 000 neue Leprafälle in Brasilien


Dr. Ralf Klötzer (l.) berichtete am Weltlepratag in Kinderhaus über seine Reise zu einem Leprosenkongress in Brasilien. Foto:
Dr. Ralf Klötzer (l.) berichtete am Weltlepratag in Kinderhaus über seine Reise zu einem Leprosenkongress in Brasilien. Foto:
(mfe)


Münster-Kinderhaus - Von seiner Reise zu einem Leprosenkongress in Brasilien berichtete der Vorsitzende der Gesellschaft für Leprakunde (GfL), Dr. Ralf Klötzer, am Weltlepratag. Zwei Wochen besuchte er das Land in Südamerika, in dem laut Klötzer die Krankheit noch lange nicht ausgerottet ist.

„235 000 neue Fälle werden jedes Jahr registriert, dazu kommt eine hohe Dunkelziffer.“ Leprahilfe in Brasilien bedeute nicht nur das Behandeln der Krankheit, sondern auch Jugend- und Bildungsarbeit, um die Lepra und ihre Folgen bekannt zu machen, berichtete der Vereinsvorsitzende in den Räumen des Lepramuseums.


Klötzer wurde bei seiner Reise von Manfred Göbel begleitet, der seit über 30 Jahren in der Leprahilfe in Brasilien arbeitet. Mit ihm habe er verschiedene Städte bereist und sich einen Eindruck von dem Leben der Menschen und auch der Lepra machen können.

Viele Schicksale habe er kennengelernt. „Dabei wurde bei mir als Historiker auch das Interesse für die medizinische Seite der Lepra geweckt“, berichtete der Vereinsvorsitzende. Auf der anderen Seite habe er mit einem Vortrag über die Geschichte der Lepra in Europa bei den Medizinern ein neues Verständnis für die Krankheit erzielen können. „Schließlich ist Lepra in Mitteleuropa seit 350 Jahren verschwunden.“

Auch wenn Lepra heute theoretisch heilbar sei und in Brasilien Medikamente kostenlos verteilt würden, sei die Krankheit nie ganz in den Griff zu bekommen. Das liege zum einen an der tückisch langen Inkubationszeit von mehreren Jahren. Zum anderen daran, dass einige Menschen das Bakterium in sich trügen, ohne dass die Krankheit je ausbreche. Zudem gebe es gelegentlich Resistenzen des Erregers gegen Antibiotika.

Klötzer erzählte, dass er die Menschen bewundere, die sich für die Kranken einsetzten, in einem Land, in dem das Leben sehr gefährlich sei: „Wer dort eine Pistole besitzt, benutzt sie auch.“

Von seiner Reise hat Klötzer viele eindrucksvolle Bilder mitgebracht und in der Klapper, der Zeitschrift der GfL, einen Reisebericht veröffentlicht.

Die Fotos und seinen ausführlichen Bericht hat Klötzer zu einer Ausstellung zusammengefasst, die im Lepramuseum zu sehen ist.

VON MARION FENNER, MÜNSTER


30 · 01 · 12





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