Konzept für Sozialkaufhaus steht

Freuen sich über den Erfolg des kleinen „Ladens 5“ und möchten, dadurch angespornt, schon bald das erste Sozialkaufhaus in Kinderhaus zu eröffnen (v.l.): Claudia Fürst (zuständig für Konzeptentwicklung), Anneli Timmerkamp (ehrenamtliche Sozialbüro-Mitarbeiterin) und Prof. Dr. Ursula Tölle (Vorsitzende des Caritasvorstands der Gemeinde St. Josef). Foto:
Freuen sich über den Erfolg des kleinen „Ladens 5“ und möchten, dadurch angespornt, schon bald das erste Sozialkaufhaus in Kinderhaus zu eröffnen (v.l.): Claudia Fürst (zuständig für Konzeptentwicklung), Anneli Timmerkamp (ehrenamtliche Sozialbüro-Mitarbeiterin) und Prof. Dr. Ursula Tölle (Vorsitzende des Caritasvorstands der Gemeinde St. Josef). Foto:
(bon)


Münster-Kinderhaus - Bekommt Kinderhaus bereits im Sommer ein „soziales Kaufhaus“? „Unser Wunsch ist es, noch vor den Sommerferien anfangen zu können“, sagt Prof. Dr. Ursula Tölle, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Kinderhauser Arbeitslosen-Initiative (KAI) und des Sozialbüros.

Dass im Stadtteil großer Bedarf besteht, zeigen zwei aus dem Beratungsalltag des Sozialbüros hervorgegangene Projekte: der kleine „Laden 5“, in dem für wenig Geld gespendete Haushaltswaren erhältlich sind, und die von der KAB St. Josef betreute, aber derzeit quartierlose Möbelbörse.


„Bereits vor einem Jahr hat der Caritasvorstand, das oberste Gremium für die caritativen Dienste in der Gemeinde St. Josef, beschlossen, Gelder für die Entwicklung eines Sozialkaufhaus-Projektes einzusetzen“, erklärt Ursula Tölle, die auch Vorsitzende des Vorstands ist. Das Konzept sehe nunmehr vor, den „Laden 5“ und die Möbelbörse räumlich zusammenzuführen. „Eine verbindliche Vereinbarung wurde zwischen dem Caritasvorstand und der KAB Anfang dieses Jahres getroffen“, so Tölle gegenüber unserer Zeitung. Denkbar sei zudem eine Kooperation mit der privat initiierten Tauschbörse im Begegnungszentrum Sprickmannstraße.

Doch zuvor bedarf es neuer Räumlichkeiten. Denn der „Laden 5“ im Bewohnertreff an der Josef-Beckmann-Straße 7 sei aufgrund der großen Nachfrage viel zu klein geworden, erläutert die ehrenamtliche Sozialbüro-Mitarbeiterin Anneli Timmerkamp, die vor eineinhalb Jahren zusammen mit Annegret Schwertheim den Laden mit aufgebaut hat. Da der Bewohnertreff ebenso für Familienfeiern oder Sprachkurse genutzt werde, müssten zudem die Waren immer nach den Verkaufsdonnerstagen in Schränke verstaut werden. Auch mangle es an Lagerfläche. „Dank der großzügigen Unterstützung durch die Wohn- und Stadtbau, die uns die jetzigen Räume mietfrei mitbenutzen lässt, ist es uns allerdings erst ermöglicht geworden, die Laden-Idee erfolgreich umzusetzen“, fügt Ursula Tölle hinzu.

Gesucht werde nun eine mindestens 150 Quadratmeter große Immobilie im Erdgeschoss mit zwei, drei Räumen für den Verkauf, genügend Lagerfläche und ausgestattet mit sanitären Anlagen und einer Küche. Aufgrund der geringen Einnahmen sollte die Miete niedrig sein, zumal sie über Spendengelder mitfinanziert werden müsste. Erste Gespräche mit potenziellen Vermietern haben laut Ursula Tölle bereits stattgefunden. Weitere Angebote seien dessen ungeachtet willkommen.

Federführend bei der Entwicklung des Kaufhaus-Konzepts ist Claudia Fürst. Die hauptamtliche Sozialpädagogin bei der KAI erhofft sich von dem neuen Ladenlokal, noch mehr Menschen mit kargem Einkommen ansprechen zu können. „Aber das Kaufhaus soll ebenso zum Treffpunkt für andere Stadtteilbewohner werden.“

Festgehalten werde an dem Prinzip, auch künftig die Waren nicht zu verschenken. Ursula Tölle nennt dafür den Grund: „Wenn der Kunde etwas kauft oder eine andere Gegenleistung anbieten kann, fühlt er sich nicht als Bittsteller. Das hat die Erfahrung in anderen sozialen Kaufhäusern gezeigt und wird aus Fachkreisen bestätigt.“

Voraussichtlich werde das künftige Ladenlokal aber nur eine weitere, wenngleich „solide Zwischenlösung“ sein, räumt Ursula Tölle ein.

Denn die evangelische Emmaus-Kirchengemeinde und das Diakonische Werk dächten ebenfalls über ein Sozialkaufhaus in Kinderhaus nach. Die dortigen Überlegungen seien verknüpft mit der Zen­trumserweiterung. Die Emmausgemeinde habe bereits signalisiert, Zinserlöse aus einem damit verbundenen Grundstücksverkauf in ein solches Warenhaus-Projekt fließen zu lassen. „Vielleicht ergibt sich im Jahr 2013 oder 2014 daraus eine große Lösung - ein von mehreren Einrichtungen getragenes, richtig tolles Sozialkaufhaus“, so Tölle.

Dass die Stadt Münster mit zu den Kooperationspartnern gehören könnte, schließt Claudia Fürst nicht aus. Gespräche mit der Stadt und dem Diakonischen Werk seien bereits geführt worden.

» Wer weitere Fragen zum Sozialkaufhaus-Projekt der Gemeinde St. Josef hat und es mit Spenden oder durch ehrenamtliche Mithilfe unterstützen möchte, kann sich an Claudia Fürst, Telefon 2 80 78 95, wenden.

VON JÜRGEN BONSIEPEN, MÜNSTER

20 · 03 · 10



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