Weltkriege, NS-Zeit, Zerstörung


Triumphaler Einzug Kaiser Wilhelms II. 1907 in Münster.
Triumphaler Einzug Kaiser Wilhelms II. 1907 in Münster.


Die für die Stadt positive Entwicklung wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh gestoppt. Nach der Niederlage trafen die politischen und wirtschaftlichen Folgen die Bevölkerung hart. In den schwierigen Jahre von 1920 bis 1933 stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt weitgehend. Und trotzdem hatte Münster Glück, als 1929 die Weltwirtschaftskrise ausbrach.

Von deren Folgen wurde die Bevölkerung zwar erheblich in Mitleidenschaft gezogen, jedoch nicht in einem solchen Ausmaß wie in reinen Industriestädten. Aufgrund des hohen Anteils von Angestellten und Beamten, die nicht entlassen wurden und über ein zwar eingeschränktes, aber regelmäßiges Einkommen verfügten, kam die Stadt verhältnismäßig glimpflich davon.


Trotzdem zeichneten sich auch hier schon die Schattenrisse des politischen Umbruchs ab. Obwohl die Hitler-Partei bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im politischen Leben Münsters keine Rolle spielte, gewann sie danach mehr und mehr an Boden. Ihr Stimmenanteil lag hier jedoch stets weit unter dem Reichsdurchschnitt. In der Stadt wählten die meisten Einwohner nach wie vor die katholische Zentrumspartei, deren prominentestes Mitglied, der aus Münster stammende Heinrich Brüning, von 1930 bis 1932 Reichskanzler war.

Nach der sogenannten Machtergreifung Hitlers setzten sich in Münster dessen Parteigenossen an den Schaltstellen der Macht rasch durch. Im Gefüge der NSDAP nahm die „Hauptstadt des Gaues Westfalen-Nord“ eine zentrale Stellung ein. Wenn es nach den Plänen der neuen Machthaber gegangen wäre, hätte das Stadtbild Münsters bald andere Formen angenommen. Die von Hitler persönlich gebilligten Pläne zum Ausbau der „Gauhauptstadt“ wurden indes nur in Ansätzen verwirklicht.

In der Zeit des sogenannten Dritten Reiches machte Münster indes auf ganz andere Art Schlagzeilen. Der 1933 zum Bischof von Münster ernannte Clemens August Graf von Galen bekannte sich öffentlich zu seiner Ablehnung des Nationalsozialismus. Wiederholt prangerte er Weltanschauung und die Menschenverachtung des Hitler-Staates an. Besonderes Gewicht erlangten seine 1941 gehaltenen Predigten gegen die Euthanasie und den Terror der Geheimen Staatspolizei gegen Ordensleute. An den mutigen und populären Bischof wagten sich aber selbst die Nationalsozialisten nicht heran. Galen wurde Anfang 1946, nicht zuletzt aufgrund seiner damaligen aufrechten Haltung, ins Kardinalskollegium berufen. Am 22. März desselben Jahres starb er kurz nach seiner Rückkehr aus Rom an einer verschleppten Krankheit.

Als 1940 die ersten Bomben auf Münster fielen, war die Bevölkerung darauf überhaupt nicht vorbereitet. Von den damals rund 140.000 Einwohnern konnten lediglich etwa 6000 in Luftschutzbunkern Unterschlupf finden. Dabei hätten die Behörden ahnen müssen, dass die strategisch wichtigen Bahnlinien nach Emden und nach Hamburg sowie der Dortmund-Ems-Kanal das Ziel alliierter Zerstörung sein würden.


Der zerstörte Erbdrostenhof im Sommer 1945.
Der zerstörte Erbdrostenhof im Sommer 1945.


Insgesamt wurden 102 Angriffe auf Münster geflogen. Trauriger Höhepunkt des Bombenkrieges war der Tagesangriff vom 10. Oktober 1943, der erste auf eine deutsche Großstadt. Im Vertrauen auf die Einsatzbereitschaft der eigenen Luftabwehr hatte sich kaum jemand ein solch gewagtes Unternehmen der Amerikaner und Engländer vorstellen können. 670 Menschen verloren dabei ihr Leben, weite Teile der Innenstadt wurden zerstört. Der letzte große Angriff ereignete sich am 25. März 1945. Münster erhielt seinen Gnadenstoß. Am 3. April rückten amerikanische und britische Truppen in die Stadt ein. In ihren Mauern lebten nur noch wenige Menschen. Geschätzte Trümmermenge: zweieinhalb Millionen Kubikmeter.

VON BERND HAUNFELDER, MÜNSTER


03 · 01 · 08



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