Münster in der preußischen Epoche


Preußisches Militär vor dem Stadtweinhaus am Prinzipalmarkt.
Preußisches Militär vor dem Stadtweinhaus am Prinzipalmarkt.


Mit dem Tode des letzten Fürstbischofs, des Kölner Kurfürsten Max Franz, im Jahre 1801 - ein Sohn Kaiserin Maria Theresias und Bruder der 1793 hingerichteten Königin Marie Antoinette von Frankreich - war das Schicksal Münsters und des Fürstbistums besiegelt. Im August 1802 rückten preußische Truppen unter dem späteren Feldmarschall Blücher in die Stadt ein und vereinnahmten weite Gebiete rings um Münster für ihren König.

Die neuen „Herren“ wurden frostig empfangen, den Preußen eilte ohnehin kein guter Ruf voraus. Die Bevölkerung fürchtete sich vor hohen Steuern und dem bisher nicht gekannten Militärdienst. Überdies konnte man sich als katholische Stadt kaum mit den protestantischen Preußen anfreunden.


Zur Freude der Münsteraner blieben die Preußen jedoch nicht lange. Nach der vernichtenden Niederlage gegen die französische Armee bei Jena und Auerstedt verließen sie 1806 überstürzt ihre westlichen Territorien. Die zunächst als Befreier begrüßten Franzosen verscherzten sich jedoch alsbald durch hohe Steuern alle Sympathien. Trotz positiver Neuerungen, etwa auf dem Gebiet der bürgerlichen Freiheiten (Code Napoleon), waren die Münsteraner froh, die napoleonische Verwaltung nach der Niederlage des großen Korsen zur Jahreswende 1813/14 wieder los zu sein.

Abermals zogen preußische Truppen in Münster ein und nahmen die Stadt für ihren König in Besitz. Auf dem Wiener Kongress im Jahre 1815 waren die Rheinlande und Westfalen definitiv an Preußen gefallen. Münster, zur Hauptstadt von Westfalen berufen, wurde Sitz höchster Verwaltungsbehörden der neuen Provinz. Daneben beherbergte die Stadt noch die Kommandobehörden eines großen Armeekorps. Münster zählte damals 18 000 Einwohner und war die größte Stadt Westfalens.

Der Stadt und ihrer Bevölkerung, die in fürstbischöflicher Zeit immer in der Angst lebte, von fremden Mächten besetzt zu werden, ging es, so gesehen, gut. Preußens Wacht am Rhein schützte auch Westfalen. Bis 1945 hat kein fremder Soldat westfälischen Boden betreten. Trotzdem blieb das Verhältnis zwischen den preußischen Verwaltungsbeamten und Offizieren auf der einen und den Münsteranern auf der anderen Seite unterkühlt. Die Beziehungen hingen wesentlich davon ab, in welchem Verhältnis der preußische Staat zur katholischen Kirche stand. Als Bismarck zu Beginn der siebziger Jahre die katholische Kirche Preußens fast an den Rand des Abgrunds drängte und auch der münstersche Bischof im Gefängnis saß, hatte das Verhältnis einen Tiefpunkt erreicht. Erst mit dem Ende dieser Auseinandersetzungen und dann verstärkt nach dem Sturz Bismarcks 1890 setzte eine merkliche Verbesserung des Verhältnisses ein.

Zu dieser Zeit trat Münster endgültig aus dem Schatten seiner Vergangenheit. Die Stadt wuchs nun über den Promenadenring hinaus, und es entstanden neue Wohnviertel. 1914 wurden erstmals über 100 000 Einwohner gezählt. Der Ausbau des Schienennetzes von und nach Münster, vor allem aber der Bau des Dortmund-Ems-Kanals, hatten eine erhebliche Ausweitung von Handel und Industrie zur Folge. Zahlreiche ehedem kleinere Firmen expandierten und schufen neue Arbeitsplätze.

Auch im Wissenschaftsbereich spielte die westfälische Metropole nun wieder eine Rolle, 1902 erlangte Münster wieder den Status einer Universitätsstadt. Die 1780 gegründete Hochschule, die bereits 1818 wieder geschlossen und seither lediglich als philosophisch-theologische Akademie weitergeführt wurde, erfuhr eine bedeutende Aufwertung. 1907 erhielt die erste Hochschule der Provinz den Namen des regierenden Kaisers und hieß fortan Westfälische Wilhelms-Universität.

VON BERND HAUNFELDER, MÜNSTER


03 · 01 · 08



MEHR ZUM THEMA




TOP ARTIKEL
Topartikel Icon
AKTUELLE FOTOSTRECKEN
TERMINSUCHE


Zeitraum:
von Kalender

Fehler: Kein kein gültiges Datum !
Format: dd mm yyyy
bis Kalender
Rubrik:


© Ahlener Zeitung - Alle Rechte vorbehalten 2012

Impressum | Datenschutz | AGB | Sitemap
Media-Daten | Netiquette