Von der Stadtgründung bis
zum Ausgang des Mittelalters


Darstellung des hl. Liudger
Darstellung des hl. Liudger


Die Anfänge Münsters reichen bis in die Zeit Karls des Großen zurück. Liudger, ein friesischer Missionar, hatte von ihm den Auftrag zur Christianisierung jenes Gebietes erhalten, das wir heute Münsterland nennen. Mit Errichtung eines Klosters, eines „Monasteriums“ - wovon sich später der Name Münster ableitete -, legte Liudger im Jahre 793 den Grundstein zur Stadt.

Die nach der Weihe des Missionars zum Bischof im Jahre 805 zur Stadt erhobene und inzwischen befestigte Domburg zog bald Handel und Gewerbe an. Ab 950 ließen sich vor ihren Toren Kaufleute nieder, und im Gefolge der regelmäßigen Zusammenkünfte, der Synoden, des Bistumsklerus wurden erste Märkte abgehalten. Der am Schnittpunkt alter Handelsstraßen gelegene Bischofssitz entwickelte sich rasch zum geistigen, politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt in der Region zwischen Lippe und Teutoburger Wald.


Aufgrund ihrer herausgehobenen Stellung im nordwestdeutschen Raum gerieten die Bischöfe von Mimigernaford, wie die Ansiedlung damals noch hieß, beinahe zwangsläufig in den Strudel der großen Politik. So wurden sie, die ja neben der geistlichen auch weltliche Macht besaßen, in den Streit zwischen Kaiser und Papst in der Frage der Besetzung der Bischofsämter (Investiturstreit) hineingezogen. Auf der Seite des Kaisers stehend, wurde die Stadt während der Belagerung durch den Sachsenherzog Lothar von Supplinburg im Jahre 1121 nahezu vollständig zerstört. Die nachfolgende Zeit stand ganz im Zeichen des Wiederaufbaus von Dom und Marktsiedlung. Vor den Toren der Domburg bildeten sich jetzt allmählich auch jene Straßenzüge heraus, die noch heute das Bild der Altstadt prägen.

Das wirtschaftliche Leben in der Stadt erreichte eine erste Blüte. Die Kaufmannschaft strebte bald nach Selbstverwaltung und versuchte, Einfluss auf die bischöfliche Stadtherrschaft und das Stadtgericht zu erlangen. Dieses Ansinnen sollte in den beiden folgenden Jahrhunderten zwangsläufig zu tief greifenden Auseinandersetzungen zwischen Bischöfen und Bürgern führen. Vorerst aber profitierten die Nachfolger Liudgers vom politischen Wandel nach dem Sturz Heinrichs des Löwen im Jahre 1180 und der Zerschlagung des Herzogtums Sachsen. Sie stiegen zu „Fürstbischöfen“ auf, also zu Landesherren, und waren fortan nur dem Kaiser gegenüber verantwortlich. Mit der Verselbstständigung des Fürstbistums verschoben sich zugleich die Machtverhältnisse in Münster, und zwar zugunsten der Kaufmannschaft. Seit 1278 waren die Fürstbischöfe praktisch nur noch Gäste in Münster, denn die Stadt hatte sich von ihnen ihre Wehr- und Markthoheit verbriefen lassen. Die Fürstbischöfe residierten seither an verschiedenen Orten des Bistums, darunter vor allem in Ahaus.

Seinen wirtschaftlichen Aufstieg im 11. und 12. Jahrhundert verdankte Münster in erster Linie dem allgemeinen Bevölkerungswachstum und der günstigen Lage an den großen Handelswegen. Als im Jahre 1195 in London das erste deutsche Handelskontor, der Stalhof, eröffnet wurde, gingen dort auch bald münsterische Kaufleute ihren Geschäften nach. Der Fernhandel der westfälischen Metropole, die im Verband der Hanse eine führende Stellung einnahm, reichte im 13. Jahrhundert bis weit in den Ostseeraum hinein.

Obwohl die Stadt im 12. und 13. Jahrhundert durch Fehden, Seuchen (Pest von 1350) und besonders durch Brände, so im Jahre 1383, in Mitleidenschaft gezogen wurde, entwickelten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse stetig. Mitte des 14. Jahrhunderts traten erstmals die Gilden in Erscheinung, ein Zusammenschluss von Angehörigen eines Gewerbes. Im politischen Leben der Stadt sollten diese, deren Zahl auf 17 anstieg, bald eine bedeutsame Rolle einnehmen.

VON BERND HAUNFELDER, MÜNSTER


03 · 01 · 08



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