Private Krankenversicherungen überprüfen Arzt-Abrechnungen

Ein Patient - vier Hüftgelenke


Bei Privat-Versicherten können auch Krankenhaus-Ärzte erhöhte Honorare abrechnen. Die Krankenkassen überprüfen aber unplausible und besonders hohe Rechnungen.Foto:
Bei Privat-Versicherten können auch Krankenhaus-Ärzte erhöhte Honorare abrechnen. Die Krankenkassen überprüfen aber unplausible und besonders hohe Rechnungen.Foto:
(Bernd Weißbrod)


Münster - Wer als Privatpatient die Abrechnungen seiner Ärzte sieht, kann schon mal ins Grübeln kommen. Eine schier endlose Folge mit speziellen Nummern steht für die einzelnen Behandlungsschritte und Untersuchungen, die der Arzt berechnet.

Oft schwer nachvollziehbar für den Patienten, aber auch für seine Krankenkasse, die die Kosten trägt. Im Fall der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen einen Chefarzt des Universitätsklinikums hatte ein Patient das Verfahren ins Rollen gebracht.


„Wir ermutigen unsere Versicherten ausdrücklich, sich die Rechnungen genau anzusehen und sich im Zweifel mit uns in Verbindung zu setzen“, sagt Birger Jaspers, Sprecher der privaten Krankenversicherung DKV mit bundesweit über 900 000 Vollversicherten.

Darüber hinaus prüft die Versicherung mit eigenen Medizinern und einer speziellen Abteilung Leistungsmanagement unplausible oder besonders hohe Arztabrechnungen.

Von den rund 200 000 bei der DKV pro Jahr eingereichten Krankenhausrechnungen werden fünf Prozent von der Versicherung mit erhöhtem opersonellen Aufwand geprüft. Es lohnt sich: „25 bis 30 Prozent der Rechnungen sind fehlerhaft“, sagt Jaspers.

Oft verfahren Ärzte, auch niedergelassene, in solchen Fällen nach dem Prinzip der „Einkommensoptimierung“ und nutzen die Möglichkeit, bei Privat-Versicherten die Behandlungen mit einen gehörigen Aufschlag abzurechnen, wenn es sich um gravierendere Fälle handelt. „Oft stellen wir fest, dass dies medizinisch nicht notwendig ist“, so Jaspers.

Die Zahl der Praxen, mit denen sich das Leistungsmanagement der DKV wiederholt beschäftigen muss, sei aber mit rund 500 verschwindend gering. Insgesamt gibt es laut DKV rund 325.000 niedergelassene Ärzte in Deutschland.

Manche stellen sich beim Abrechnungsbetrug sehr dumm an, sagt Jasper und erzählt von einem besonders dreisten Einzelfall: Ein Orthopäde hatte versucht, der DKV gleich vier neue Hüftgelenksimplantate in Rechnung zu stellen - für einen Patienten.

VON KARIN VÖLKER, MÜNSTER


13 · 01 · 12





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