Münster - Süß sehen sie aus, die „Kumquats“-Puppen. Mit einem breiten Lachen begrüßen sie Passanten, die an ihrem Verkaufsstand auf dem Weihnachtsmarkt im Rathaus-Innenhof vorbeischlendern. Kaum jemand dürfte ahnen, dass die „Kumquats“ seit Jahren Sektenexperten beschäftigen: „Der Besitzer der Herstellerfirma ist ein Scientologe“, so Sabine Riede, Leiterin von Sekten-Info NRW, einer Beratungsstelle des Landes. Brigitte Hahn, Sektenbeauftragte des Bistums Münster, zitiert zudem „rechtlich wasserdichte Informationen“, wonach sich 2006 nicht nur Bodriks Name auf einer Scientology-Spenderliste befand, sondern auch der seines Kommanditisten.
Die in der Nähe von Stuttgart ansässige Ludwig Bodrik KG weist diese Vorwürfe zurück. Man sei „weder rechtlich noch organisatorisch an die Scientology-Kirche gebunden oder in irgendeiner Form für sie tätig“. Prozente aus dem Verkauf würden „an keine anderen Organisationen“ abgeführt. Wer anders lautende „Falschaussagen“ weiterverbreite, müsse mit rechtlichen Schritten rechnen.
Soll dieser Stand künftig auf dem Weihnachtsmarkt bleiben?
Der Besitzer der Herstellerfirma jener "Kumquats", die auch auf dem Weihnachtsmarkt angeboten werden, soll zu Scientology gehören. Hat dieser Stand dann künftig noch eine Daseinsberechtigung?
Sabine Riede lässt sich davon nicht abschrecken - die Hinweise, dass Bodrik Scientologe sei, seien „eindeutig“. So sei sein Unternehmen bis vor einigen Jahren in der „WISE-Liste“ mit Scientology-treuen Unternehmen aufgeführt worden. Brigitte Hahn verweist zudem auf Dokumente, wonach Ludwig Bodrik „erhebliche Beträge“ an die Sekte gespendet habe. „Ich wundere mich, dass ein solches Unternehmen am Weihnachtsmarkt teilnehmen darf.“
„Die Kriterien für die Zulassung sind erfüllt worden“, so Birgit Koch, Marketingleiterin der Halle Münsterland, die den Markt im Rathausinnenhof organisiert. Den nun bekannt gewordenen Hinweisen „werden wir nachgehen“.
Zum Boykott des Puppenstandes wollen die Sektenexperten nicht aufrufen. „Wir können und wollen den Verkauf nicht verbieten lassen“, so Sabine Riede. „Aber die Kunden sollten sich zumindest die Frage stellen, ob sie Scientology mit dem Kauf einer Puppe unterstützen wollen.“