Uni-Wissenschaftler untersuchen Islam in Deutschland


Minarette gesellen sich in Deutschland zu Kirchtürmen. Welche Gruppierungen in Deutschland die Muslime vertreten, erforschen Wissenschaftler der Uni Münster.Foto:
Minarette gesellen sich in Deutschland zu Kirchtürmen. Welche Gruppierungen in Deutschland die Muslime vertreten, erforschen Wissenschaftler der Uni Münster.Foto:
(dpa)


Münster - Religion und Politik - das Verhältnis, vor allem Spannungsverhältnis wird an keinem Thema so intensiv diskutiert wie bei der Frage, wie sich der Islam als Religion in die Gesellschaft und das politische System in Deutschland integrieren lässt. Konkreter Aufhänger für die Debatte ist in Münster die Frage der Besetzung des Lehrstuhls für islamische Religionspädagogik. Mit dem 38-jährigen Mouhanad Khorchide liegt nach inoffiziellen Quellen seit Längerem ein Personalvorschlag der Universität im Ministerium vor, dem islamische Verbände nun zustimmen sollen.

Die Politikwissenschaftler Prof. Klaus Schubert und Hendrik Meyer vom Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität untersuchen seit einigen Monaten die muslimischen Gruppierun­gen und Strömungen in Deutschland. Die von der großen Koalition gegründete Deutsche Islamkonferenz und die Bildung des Koordinierungsrates der Muslime in Deutschland betrachten die Wissenschaftler sehr wohl als qualitative Veränderung der Integrationspolitik. Die Frage, die sich für sie anschließt, lautet aber: Wie weit sind solche Institutionen überhaupt geeignet, verbindliche Verabredungen mit der Politik und deutschen Verwaltungsorganisationen zu treffen?


Schubert und Meyer untersuchen die islamischen Verbände in Deutschland - und bei der Suche nach Veröffentlichungen sind sie bisher auf eine noch größere Vielfalt an Strömungen und Gruppierungen getroffen, als sie schon vorher ahnten. Für Donnerstag und Freitag (11./12. Februar) haben sie Experten zu einer Arbeitstagung eingeladen, um die Bestandsaufnahme zu vervollständigen.

Das grundsätzliche Problem, etwa bei der Verabredung von Inhalten für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen, ist bekannt. Während sich christliche Kirchen und auch die Juden in Deutschland von zentralen Institutionen repräsentieren lassen, die für den Staat Verhandlungspartner sind, gibt es dergleichen im Islam nicht. Muslime sind nicht formal Mitglied in ihrer Glaubensgemeinschaft.

Zwar haben sich im Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland, der derzeit in NRW als Verhandlungspartner des Staates auftritt, die vier von ihrem Selbstverständnis her wichtigsten islamischen Verbände zusam­mengeschlossen. Doch wie viele der Muslime in Deutschland sich von diesen vier Verbänden - dem Islamrat, Ditib, dem Zentralrat der Muslime und dem Verband islamischer Kulturzentren - tatsächlich repräsentiert sehen, sei unklar, sagt Hendrik Meyer. Die Schätzungen schwankten zwischen 15 und 80 Prozent.

Die Frage, ob eine politische Steuerung der Integration in der Interessenvielfalt überhaupt möglich sei, müsse durchaus gestellt werden, so Meyer. Doch vorerst geht es den Wissenschaftlern um das Sammeln empirischer Daten, um überhaupt ein objektives Bild vom Islam in Deutschland zu bekommen. Welche Gruppen sind wo aktiv? Wie viele Muslime fühlen sich überhaupt mit ihnen verbunden? Und: Wie schnell ändern sich solche Strukturen?

Hendrik Meyer: „Viele Jahre lang hat sich niemand mit diesen Thema beschäftigt. Jetzt ist der Aufklärungsbedarf enorm.“

VON KARIN VÖLKER, MÜNSTER


08 · 02 · 10



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