Jeden Morgen Angst vor der Abschiebung


Das sind Drita und Ramadan Jasaraj mit zweien ihrer sechs Kinder, Kemal (11) (l.) und Vikreta (9). Die ganze Familie muss die Abschiebung in den Kosovo fürchten.Foto:
Das sind Drita und Ramadan Jasaraj mit zweien ihrer sechs Kinder, Kemal (11) (l.) und Vikreta (9). Die ganze Familie muss die Abschiebung in den Kosovo fürchten.Foto:
(kv)


Münster - Edison Jasaraj ist 14 und geht in die achte Klasse der Hauptschule Hiltrup. Nach dem Abschluss möchte er Automechaniker werden, oder Immobilienhändler - eigentlich. Seitdem seine Familie am 10. August von der Ausländerbehörde der Stadt Post bekam, wacht Edison jeden Morgen mit Angst auf. Seit dem 15. September müssen die Jasarajs, Vater, Mutter, sechs Kinder zwischen 14 und zwei Jahren und eine herzkranke Großmutter täglich mit ihrer Abschiebung in den Kosovo rechnen.

Die Roma-Familie gehört zu den 302 Flüchtlingen, die nach den geltenden Bestimmungen auf Betreiben des Landes NRW nun ausreisen sollen. Der Förderverein „Alte Post - Berg Fidel“ sammelt Unterschriften gegen die drohende Abschiebung, die Klassenkameraden der beiden Töchter Vikreta (9) und Mirbana (6) in der Grundschule Berg Fidel haben schon „Petitionen“ an die Stadt verfasst.


Vater Ramadan und Mutter Drita flohen 1999 mit damals drei Kindern und der Großmutter vor dem Bürgerkrieg nach Münster. Seit zehn Jahren leben sie nun an der Trauttmansdorffstraße, drei weitere Kinder wurden hier geboren. Die Eltern arbeiten bei einer Reinigungsfirma. „Wir bekommen keine Unterstützung, verdienen alles selbst“. sagt Ramadan Jasaraj.

Im Kosovo betrieb er eine Autoreparaturwerkstatt, lebte mit seiner Familie in einem hübschen Haus, erzählt er und zeigt Fotos herum. Beides wurde im Krieg zerstört.

Eigentlich könnte seine Familie in Münster dauernd geduldet werden. Wäre da nicht der Ladendiebstahl, bei dem Drita Jasaraj vor Jahren in einem Spielzeuggeschäft erwischt wurde. „Deshalb“, sagen Manfred Pollert, ehemaliger Leiter der Grundschule Berg Fidel, und Karl-Heinz Winter, Vorsitzender des Fördervereins, solle die ganze Familie nun in ein Sammellager im Kosovo abgeschoben werden. Ein Anwalt ist eingeschaltet, bisher aber gelte der Bescheid der Stadt. Am Mittwoch wird der Rat einstimmig eine Resolution beschließen, die NRW-Innenminister Wolf bittet, die Abschiebung zumindest aufzuschieben. Spyros Marinos, Vorsitzender Ausländerbeirats: „Mehr als ein Appell ist das aber nicht.“

VON KARIN VÖLKER, MÜNSTER


29 · 09 · 09





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