Abschiebung droht: 60 Roma in Angst

Roma aus dem Kosovo demonstrierten vor wenigen Wochen gegen die drohende Abschiebung.Foto: bn
Roma aus dem Kosovo demonstrierten vor wenigen Wochen gegen die drohende Abschiebung.Foto: bn


Münster - Vor wenigen Wochen demonstrierten Roma aus dem Kosovo gegen ihre drohende Abschiebung. Jetzt erhielten 60 von etwa 300 geduldeten Roma einen Brief vom Ausländeramt. Da ihre Duldungsfrist ablaufe, müssten sie ausreisen. Sonst drohe im September die Abschiebung. Ausländeramtsleiter Hans-Joachim Schlumm verweist auf Absprachen zwischen der Bundesregierung und dem Staat Kosovo: „Die haben erklärt, dass sie alle Flüchtlinge zurücknehmen.“

Betroffen sind Roma, die nicht lange genug in Deutschland leben, um unter eine Altfallregelung zu geraten. „Unter ihnen herrscht Panik“, berichtet Volker Maria Hügel von der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA), „eine Familie ist schon untergetaucht, wir wissen nicht, ob sie zurückkehrt.“


Hügel glaubt, dass Kosovo-Albaner - die Mehrheitsbevölkerung des Landes - durchaus von der Regierung unterstützt würden. Minderheiten wie Roma oder Serben hätten keine Perspektive: „Sie werden nicht geschützt, Kinder haben Glück, wenn sie zur Schule gehen können.“

Abdullah Sensi lebt seit 1988 in Münster. Der Gebäudereiniger war zehn, als er mit seinen Eltern kam, die einen Autohandel eröffneten: „Die haben kein Geld von der Stadt gekriegt.“ Zwei seiner Brüder sind Deutsche, er hat einen jugoslawischen Pass. Auch er fühlt sich bedroht: „Ich war nie mehr im Kosovo.“ Seine fünf Kinder sprechen deutsch, kennen die Muttersprache ihrer Eltern kaum. Sensi: „Sie fragen, was ist das - Kosovo?“

Für den Vorsitzenden des Ausländerbeirats, Spyros Marinos, ist das letzte politische Wort noch nicht gesprochen: Er will Bundes- und Landespolitiker ansprechen, bereitet eine Resolution an den Rat vor: „Nach meiner Meinung hilft nur eine Amnestie.“

Dabei hat er vor allem die Kinder im Blick: „Die Steuern, die heute möglicherweise in Sozialhilfe für die Eltern verloren gehen, werden die Kinder wieder zurückzahlen.“

In Münster leben zahlreiche Roma, viele allerdings mit Aufenthaltserlaubnis, einige sind in den 70ern als Gastarbeiter angeworben worden. Sie sind nicht betroffen.

Für Amtsleiter Schlumm ist das weitere Vorgehen noch unklar. Es gelte nun, Gründe zu prüfen, die gegen eine Abschiebung sprächen. Schlumm: „Das ist eine Sache, die muss mal politisch gelöst werden.“

VON GÜNTER BENNING, MÜNSTER

07 · 08 · 09



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