Georgien schenkt verschwenderisch viel Zeit

Karl Wolff.
Karl Wolff.


Münster - „Georgien ist ein Land, in das man sich nur verlieben kann“, begann der Schriftsteller und Sprachwissenschaftler Karl Wolff am Mittwoch in der Stadtbücherei die Lesung seines Buches „Von Tiflis nach Tbilissi. Reise zum Ursprung einer Sehnsucht“. Dem Bergland im Süden Europas, das zwischen Türkei und Russland liegt und ans Schwarze Meer grenzt, widmete der Münsteraner 2007 das Kostbarste, was laut Wolffs Buch ein Mensch hat - die Zeit. „Lass dir die Zeit nicht stehlen, such dich in Georgien, wo es außer Dornen auch Rosen gibt, Orangen, Limonen und Feigen, Brot und Wein für den Gast und Zeit, und Zeit, verschwenderisch viel Zeit, denn nur das Beste ist wert zur Verschwendung,“ - schreibt Wolff in seinem Buch, das jetzt im Pop-Verlag erschienen ist.

Im Dezember 2006 bekam der in Schlesien geborene Germanist als erster Europäer ein Schriftsteller-Stipendium des georgischen Staates und durfte drei Monate mit seiner Frau in diesem Land verbringen. „Ich schrieb das Buch in neun Monaten, das war mein Dank an das wunderbare Land und die georgischen Leute dafür, dass ich sie kennen und lieben lernen durfte.“


Er bereiste die sonnigen Städte und Dörfer, ging zu den Wochenmärkten, stöberte in Bibliotheken und traf sich mit einfachen Leuten auf der Straße. In seiner „Reise zum Ursprung...“ bringt der Philologe ein Kaleidoskop der Eindrücke, Erfahrungen und Begegnungen aufs Papier.

83 Kapitel seines Buches sind kleine Erzählungen zu verschiedenen Themen in vielen Genres. Meisterlich schwingt Karl Wolff von den ernsten Essays über den Osetien-Krieg und mahnende Passagen über die eigene Gefühlswelt hin zu leichter Kost - spöttischen Gedichten über die Politik und Beschreibung der weltberühmten georgischen Küche. So ist die charismatische „Ode an eine Götter Speise“ - dem georgischen Brot „Chatschapuri“ gewidmet.

Der 65-jährige Wortkünstler ist auch Entertainer. Er liest wie ein Schauspieler, wird leiser und lauter, spricht melodisch in allen Oktaven, steht auf, singt, gestikuliert. Zwischen den Zeilen sind die allgegenwärtigen Werte des Schriftstellers, sein Glaube an Frieden, Familie und Liebe zu spüren.

Wolffs umfassendes Wissen lässt der Lehrer am städtischen Gymnasium in Ahlen wie nebenbei einfließen, ohne damit zu blenden. Er begeistert mit historischen Passagen, literarischen Ausflüge und politischen Informationen. Dass Karl Wolffs Buch die Herzen der Georgier berührt, bestätigt ihr zahlreiches Erscheinung zur Buchpräsentation und der Applaus im Stehen, den sie dem Autor am Ende der Lesung schenkten. Das Buch sei wirklich etwas Besonderes, ein Beweis, wie sehr sein Autor Georgien verstehe, sagte ein georgischer Zuhörer.


05 · 03 · 09



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