Morde skurril wie Skulpturen


Krimiautor vor Krimi-Blume: Christoph Güsken präsentiert seinen neuestes Werk „Dr. Jekyll und Mr Voss“ vor Marko Lehankas „Blume für Münster“.
Krimiautor vor Krimi-Blume: Christoph Güsken präsentiert seinen neuestes Werk „Dr. Jekyll und Mr Voss“ vor Marko Lehankas „Blume für Münster“.
(Foto: -jun-)


Münster im Papst-Fieber. Von wegen Weltjugendtag in Köln. In Christoph Güskens neuem Kriminalroman „Dr. Jekyll und Mr Voss“ treffen sich die „Katholischen Radfahrer“ in Münster zum Papst-Empfang. Der hält nicht auf dem Rhein, sondern auf dem Dortmund-Ems-Kanal Einzug in die Stadt und rollt freundlich winkend mit dem Papamobil über den Prinzipalmarkt Richtung Überwasserkirche. Dort soll der Heilige Vater eine wertvolle Statue einweihen, die Kardinal von Galen auf dem Fahrrad zeigt . . .

Güskens ständig abgebrannte Privatermittler Henk Voss verdient sich in dem katholischen Treiben mit einer mobilen Würstchenbude sein Geld. Während er Bratwürste mit ausgefallenen Namen wie „Blut und Wunden“ und „Benedetto-Burger“ verkauft, trifft er einen alten Klassenkameraden. Der leidet an akuter Gefühllosigkeit. Die rätselhafte Krankheit lässt den Knaben regelmäßig von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde werden, ohne sich daran erinnern zu können. Detektiv Voss stimmt schweren Herzens zu, den Aufpasser zu mimen und bereut dies schnell. Denn inmitten der Festlichkeiten geschieht ein Mord. Und sein Schutzbefohlener ist der Hauptverdächtige. Aber nicht nur sein alter Schulkumpel bereitet Voss Kopfzerbrechen. Der Terrorist „Jan van Leezen“ und die Kunstdiebe-Gruppe „Die Bundeskanzler“ treiben ebenfalls ihr Unwesen in der Domstadt.


In seinem neuesten Krimi mischt Güsken seine skurrilen Einfälle auf die für ihn typisch ironische Weise. Trotz Ich-Erzählers bleibt er distanziert und nimmt Münster und die Eigenarten seiner Bewohner aufs Korn.

So auch die „Skulptur-Projekte“. Für seine Kriminalgeschichte entwickelte der in Münster lebende Autor quasi nebenbei eine eigene Skulpturen-Ausstellung. Neben der radelnden Kardinals-Statue stolpert der Leser über die morbide Installation „Lebendiges Mittelalter“ an der Lambertikirche: Drei Leichen in Büßergewändern liegen in den Käfigen am Kirchturm. Auch Münsters Aasee bleibt nicht verschont. Unter mysteriösen Umständen sinkt das Wassertaxi „Professor Landois“, dessen Bug von da an aus dem Wasser ragt und so zum Unterwasserbus wird.

Vier Monate schrieb Güsken an seinem fünften Münsterkrimi. „Dr. Jekyll und Mr Voss“ ist der neunte Kittel-und-Voss-Krimi. Das von ihm erfundene Detektiv-Duo Bernie Kittel und Henk Voss zog mit ihm von Köln nach Münster. Nach Kittels Ausstieg aus der Detektivbranche ermittelt Voss nun allein in der Westfalenmetropole.

„Über das Angebot, eines meiner Bücher zu verfilmen, würde ich mich natürlich auch sehr freuen“, gesteht Christoph Güsken, gibt aber zu bedenken, dass es schwierig sei, den Wortwitz seiner Bücher mit der Kamera einzufangen. Neben dem Schreiben von Büchern beschäftigt sich der studierte Theologe mit dem Verfassen von Hörspielen. Am 16. und 23. September strahlt WDR 5 jeweils um 17.05 Uhr die zweiteilige Hörspielserie „Der Untergang des Hauses K.“ nach dem gleichnamigen Kriminalroman des Autors aus.

VON JULIA NEUBARTH


31 · 07 · 07




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