Als Maler durch die Welt geradelt


1954 malte Hendel seine „Deutsche Auferstehung“.Foto:
1954 malte Hendel seine „Deutsche Auferstehung“.Foto:
(Matthias Zölle)


Münster - Josef Hendel? Wer ist das? „Ein umtriebiger Mensch und genialer Maler, der seinen Lebensabend im Münsterland verbracht hat“, weiß Dr. Ute Ewering, münsterische Kunsthistorikerin und Hendel-Forscherin: „Seine Bilder sind etwas ganz Besonderes, weil hinter jedem einzelnen eine ganz besondere Bedeutung steht - sei es eine historische, politische oder technische.“ Zu Lebzeiten hielt Hendel sich eher im Hintergrund, umso bedeutender wird er heute. Seine Werke werden ab morgen im Foyer der Bezirksregierung ausgestellt.

Hendel wurde 1897 in Rosbach (Böhmen) geboren. Sein Leben fällt in eine Zeit, in der sich zwei vernichtende Kriege ereigneten. Eine Zeit, in der soziale, politische und künstlerische Veränderungen stattfanden, die nicht nur auf den Menschen Josef Hendel, sondern auch auf sein künstlerisches Werk großen Einfluss nahmen. Blutjung wurde er schon als Soldat zum Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach Kriegsende nahm er gegen den Willen seiner Familie 1923 ein Kunststudium in München an der Hans-Hofmann-Schule auf. Die Familie brach daraufhin alle verwandtschaftlichen Beziehungen zu ihm ab und schloss ihn sogar vom Erbe aus.


Doch Josef Hendel verfolgte unbeirrbar seinen künstlerischen Weg weiter. Bereits 1924 waren seine Exponate neben Werken von Moholy-Nagy in der Galerie von Hans Goltz zu sehen, dem Pionier der modernen Kunst. Seine Holzschnitte machten Ende der 20er Jahre Schlagzeilen.

Auch am Zweiten Weltkrieg musste er teilnehmen; dadurch konnte er sein Studium erst 1943 abschließen. In der Nachkriegszeit verdiente sich der Künstler seinen Lebensunterhalt mit Arbeiten für Tageszeitungen und Zeitschriften. Der Protestant heiratete seine große Liebe, die Werkkünstlerin Maria Speckamp, und konvertierte zur katholischen Konfession.

Mittellos, doch voller Neugier radelten die beiden mit dem Fahrrad durch die Welt - in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Portugal und England. Auf diesen Reisen entstand eine Vielzahl seiner Werke. 1983 zog das Ehepaar nach Neuenkirchen (Kreis Steinfurt), wo sie ihren Lebensabend verbrachten.

Hendel war ein origineller und vielseitiger Zeichner und Maler. Seine Kunstwerke zeigen einen eigenwilligen Stil, der die verschiedenen künstlerischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts beinhaltet. Auch innerhalb einer Gattung, wie den Federzeichnungen, existieren beträchtliche Unterschiede, die auf sein Leben und seine Entwicklung zurückgehen.

1991, kurz vor Hendels Tod, hat die Gemeinde Neuenkirchen bei Rheine das umfangreiche Gesamtwerk des Malers gekauft: über 1500 Exponate, die hauptsächlich aus Federzeichnungen bestehen. Hinzu kommen weitere zahlreiche Holzschnitte, Radierungen, Aquarelle und Ölgemälde. Der Querschnitt dieser Sammlung, der im Foyer der Bezirksregierung ausgestellt wird, steht unter dem Thema „schwarz auf weiß“. Im Fokus stehen die Federzeichnungen aus dem mystischen Werk von Josef Hendel.

VON STEFAN KÖSTERS, NEUENKIRCHEN


30 · 01 · 12




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