Trost für die Trauernden


Die Solisten Stefan Adam und Heike Hallaschka bekamen großen Applaus.Foto:
Die Solisten Stefan Adam und Heike Hallaschka bekamen großen Applaus.Foto:
(esch)


Münster - Brahms´ „Deutsches Requiem“ ist ein Dauerbrenner der Kirchenmusik. Auch die Studentenkantorei an der Evangelischen Universitätskirche unter Leitung von Prof. Ellen Beinert wollte hier nichts anbrennen lassen und widmete sich in diesem Wintersemester der vom Komponisten der Überlieferung nach als „authentisch heidnisch, aber auch authentisch menschlich“ bezeichneten Zusammenstellung von Bibelpassagen, die vorrangig der Tröstung der Trauernden gewidmet ist.

„Selig sind die, die da Leid tragen“ lautet die erste Botschaft, die Brahms im Text untergebracht hat. Schwer schreitet der einleitende Satz in Beinerts Interpretation dahin. Es folgt der manchmal scherzhaft als „Mensa-Marsch“ bezeichnete Abschnitt „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ - das G und das R muss man sich hier mitunter dazudenken, um nicht einen neuen Text zu hören. Die Fortissimi kommen stark und beeindruckend - die rhythmisch anspruchsvoll gesetzten Worte „Schmerz und Seufzen wird weg müssen“ bereiten kleinere Schwierigkeiten. Auch im folgenden Satz haben Dirigentin und Chor mitunter verschiedene Tempovorstellungen. Das kann jedoch nicht davon ablenken, dass diese Aufführung von großem Engagement und viel Sangesfreude gekennzeichnet ist. Die große Stärke des Chors sind die vielen frischen, jungen Stimmen, die etwa der Alteinsatz „Herr, du bist würdig“ sehr braucht.


Bariton Stefan Adam setzt mit seiner kraftvollen, aber sensiblen Interpretation die Glanzpunkte des Abends, wenn er mit den Soli „Herr, lehre doch mich“ und „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis“ beim Zuhörer Gänsehaut erzeugt. Die von Brahms angelegte Spannung kommt bei seiner Interpretation voll zum Zuge.

Sopranistin Heike Hallaschka leuchtet klar vernehmlich über dem Orchester, in dem die Bläser vereinzelt unerwartete eigene Wege zu gehen scheinen. Im Ganzen kann die „Orchesterakademie an der Universitätskirche“ ein weiteres Mal überzeugen. Das ebenso beliebte wie anspruchsvolle „Deutsche Requiem“ begeisterte in dieser Interpretation die Zuhörer, die lange stehend applaudierten.



29 · 01 · 12





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