Münster - Beamter und Künstler - Friedrich Peschlack hat diesen scheinbaren Widerspruch in seinem Leben mit Gelassenheit und Fröhlichkeit genommen. Bekannt wurde der gebürtige Lothringer durch seine Rötel-Zeichnungen von im Zweiten Weltkrieg zerstörten baulichen Schönheiten Münsters. Doch seine Künstlerseele schuf weit mehr. Das zeigt jetzt eine Retrospektive des Stadtheimatbundes in der Torhaus-Galerie. Morgen wäre Friedrich Waldemar Kurt Peschlack einhundert Jahre alt geworden.
Der am 3. Dezember 2005 in Münster im Alter von 93 Jahren gestorbene Münsteraner war eine Frühbegabung. Prof. Gustav Friedrich Hartlaub (1884-1963) wurde auf den Knaben aufmerksam und stellte Peschlacks expressionistische Linol- und Messerschnitte Anfang der 30er Jahre sogar in den USA aus. Das Porträt des münsterischen Schriftstellers Eli Marcus (1854-1935) von 1925, das sich im Besitz des Stadtmuseums befindet, ist auch im Torhaus zu sehen und zeigt die Virtuosität des damals 13-Jährigen.
Peschlack wollte Kunst in Düsseldorf bei Prof. Heinrich Campendonk (1889-1957) studieren; doch der wurde als „entartet“ von den Nationalsozialisten entlassen, wie Ruth Betz seinerzeit in ihrem Nachruf erläuterte. Peschlack erlernte einen Brotberuf und ging zur Post, machte hier Karriere, blieb aber seiner Leidenschaft treu.
Als „malender Historiker“, wie er sich selber scherzhaft nannte, hielt Peschlack meist mit Rötel Münsters alte Schönheit fest. Die Retrospektive im Torhaus zeigt einige Motive wie die Torhäuser vom Mauritztor oder die Alte Antoniuskirche an der Weseler Straße in Pluggendorf oder den Kotten an der Himmelreichallee, das Domizil des Malers Carl Busch. Diese Zeichnungen dokumentieren, wie ländlich es in Münster damals aussah.
Das der junge Künstler Peschlack durchaus auf der Höhe seiner Zeit gewesen ist, zeigen frühe Arbeiten aus den 30ern im Stil der Neuen Sachlichkeit - Hinterhof-Landschaften aus Münster. Hinzu kommen burleske Szenen, karikatureske Skizzen - Bilder von unverkennbarer Leichtigkeit, die fast nichts von jener bedrückenden Zeit widerspiegeln, dafür aber das unbekümmerte Gemüt eines begnadet fröhlichen Menschen.