Afghanistan ist ein gefährliches Land

„Dreimal hatte ich Glück“


Rund 200 Gäste lauschten dem Vortrag von Oberst Bernd Grygiel, der knapp 80 Minuten von seinen Erfahrungen in der afghanischen Hauptstadt Kabul als Leiter der GAFTAG berichtete.Fotos:
Rund 200 Gäste lauschten dem Vortrag von Oberst Bernd Grygiel, der knapp 80 Minuten von seinen Erfahrungen in der afghanischen Hauptstadt Kabul als Leiter der GAFTAG berichtete.Fotos:
(Ohlmeyer)


Warendorf - „Ich bin über jeden Soldaten froh, der zurückkommt und den wir nicht in Afghanistan beerdigen müssen“, machte Oberst Bernd Grygiel am Dienstagabend direkt deutlich: „Es lohnt sich aber für unsere Aufgabe vor Ort zu kämpfen.“

Seit September ist Grygiel Kommandeur der Bundeswehr Sportschule, war vorher 14 Monate Leiter der German Armed Forces Technical Advisory Group (GAFTAG) in Kabul. Nun berichtete er in der Sporthalle A der Sportschule von seinen Erlebnissen im 25 Millionen Einwohner großen und überwiegend gebirgigem Afghanistan.


Die GAFTAG sei 2002 gegründet worden, um eine Fahrschulausbildung von Afghanen zu ermöglichen. „Heute kümmert sie sich um den Aufbau einer Logistik-, Personalwesen- und Finanzierungsschule. Schon jetzt gibt es ein vielfältiges Lehrgangsangebot“, erläuterte Grygiel die Ausgangslage. Eine scheinbar sichere Aufgabe für die 90 Mann starke und europäische Gruppe - scheinbar.

Nur 14 Kilometer hätten die Soldaten zwischen ihrem Camp am Rande von Kabul bis zur Schule im Stadtkern täglich fahren müssen, in seiner 14-monatigen Dienstzeit seien auf dieser Strecke 154 Anschläge durchgeführt worden.

„Dreimal hatte ich Glück. Beim ersten Mal wurde meine Besprechung kurz vorher abgesagt, sodass ich nicht in dem Auto saß, dass explodierte. Ein anderes Mal gingen 100 Kilogramm TNT 200 Meter entfernt hoch, einmal hielt unsere Autokolone dem Kugelhagel stand“, schilderte der Oberst. Zudem könne niemand im chaotischen afghanischen Verkehr bei „Stop and Go“ sicher gehen, dass ihm nicht urplötzlich eine Bombe unter das Auto geschoben werde.

Der Aufbau der Schule sei eine große Aufgabe, die immer noch andauere. Da der erste Standort im Stadtkern nicht erweitert werden konnte, habe er sich zeitgleich um den Bau zweier neuer Schulungszentren gekümmert. „Die zweite Liegenschaft sollte spätestens Anfang 2013 fertig sein. Jedoch verwalten die Amerikaner mittlerweile einen Teil des GAFTAG-Finanzbudgets und verzögern den Bau um mindestens ein Jahr“, sagte Grygiel verärgert.

Dennoch habe er es bis zum Abschluss seiner Einsatzzeit geschafft, zwei neue Gebäude nach deutschen Standards und Schulungszelte zu errichten. Am dritten Standort habe er zumindest den Grundstein legen dürfen.

Besonders hervor hob Oberst Bernd Grygiel die Entwicklung der Lehrgänge. Als er die GAFTAG-Leitung übernommen habe, seien ein Dutzend Lehrgänge angeboten worden - mittlerweile 48. Die Teilnehmerzahlen hätten sich von 1 500 auf knapp 5 750 erhöht.

„Auch wenn noch nicht alles fertig ist, sind wir auf einen guten Weg. Ich glaube aber auch, dass die Afghanen die Schule nach Fertigstellung nicht zu 100 Prozent alleine führen können. Ein kleiner Input von außen ist nötig“, erklärte er in seiner Bilanz. Wichtig sei insbesondere ein starkes Team, um das man sich kümmern müsse, um gemeinsam zu Lernen und Erfahrungen zu sammeln, Spaß zu haben und gesund nach Hause zurückkehren zu können.

Im Anschluss an den Vortrag lud die Bundeswehr Sportschule die rund 200 Gäste, darunter knapp ein Drittel Zivilisten wie Bürgermeister Jochen Walter oder Ehrenbürger Hans-Günther Winkler, zu einem Empfang ein. Dort wurde intensiv mit Grygiel über dessen Erfahrungen in Afghanistan diskutiert. Untermalt wurde der Abend von Bildimpressionen, die der Oberst zum großen Teil selbst gemacht hatte: Vom Hindukusch aus der Luft bis hin zu bewegenden Anschlagsbildern.



08 · 02 · 12





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