Warendorf - Ein Sophiensaal, in dem mehr Stühle standen als gewöhnlich - und fast jeder war besetzt. Ein volles Haus also am Sonntag beim Galeriekonzert. Warum ist das eigentlich nicht immer so? Schließlich ist die Musik, die vorn auf dem Podium geboten wird, jedes Mal wert, dass man sich mit ihr auseinandersetzt. Ob man sie innig liebt wie die „Klassiker“ - oder sich vorsichtig annähert an Töne eher unkonventioneller Art. Wobei sich beides durchaus überschneiden kann, wie jetzt zu erfahren war anlässlich des Geburtstagsprogramms mit dem Nomos-Quartett. Große Musik für ein großes Jubiläum: die hochkarätige Konzertreihe ist stolze dreißig Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch.
Dass das Galeriekonzert-Team seinem treuen Publikum vor allem erlesene Kammermusik der letzten drei Jahrhunderte kredenzt, ist ein erprobtes und erfolgreiches Rezept. Das will aber nicht heißen, es ginge nur um „Schönklang“. Oder um Musik, bei dem der Fuß gemächlich im Takt mitwippt. Der käme bei Mozarts „Dissonantenquartett“ ohnehin in Schwierigkeiten, jedenfalls zu Beginn, wenn der Meister seine Töne kreuz und quer hin und her schiebt - Vorspiel zu einer Klangexplosion, die mit enormer musikalischer Tiefe aufwartet und einen unglaublichen Reichtum an Gedanken offenbart.