Gemeinsames Lernen: Wird Warendorfs Schullandschaft umgebaut?


Es kommt Bewegung in Warendorfs Schullandschaft: Der Schulausschuss beschäftigt sich am Mittwoch mit neuen Schulstrukturen. Foto:
Es kommt Bewegung in Warendorfs Schullandschaft: Der Schulausschuss beschäftigt sich am Mittwoch mit neuen Schulstrukturen. Foto:
(Linda Braunschweig)


Warendorf - Löst sich Warendorf vom bislang dreigliedrigen Schulsystem? Gibt es schon bald eine Verbundschule? Die alarmierend niedrigen Anmeldezahlen an der Hauptschule und die zudem immer weiter sinkenden Schülerzahlen sprechen dafür, Haupt- und Realschule zu einer Schule zu vereinen. Die Entscheidung, ob die Lösung eine Verbund- oder eine Gemeinschaftsschule sein kann, ist noch offen. Wird der Schulausschuss am Mittwoch (13. April) einen ersten Schritt zur Änderung der Schullandschaft tun?

Die Verwaltung hatte im Februar alle Schulleitungen zu einer Bildungskonferenz an einen Tisch eingeladen. Zusätzlich wurde mit Dr. Detlef Garbe ein Experte für den Aufbau von regionalen Bildungslandschaften ins Boot geholt. Aufgabe war es, ein pädagogisch sinnvolles Konzept zu diskutieren.


Allerdings auch vor dem Hintergrund, dass alle Schüler aus Warendorf in ihrem Heimatort beschult werden und dort auch alle Schulabschlüsse bis zum Abitur machen können - ohne pendeln zu müssen. Damit das Ganze keinen falschen Zungenschlag bekommt: Es gibt keine Veranlassung, kurzfristig eine Schule in Frage zu stellen. Auf längere Sicht aber besteht Handlungsbedarf.

Diskutiert wurde in den vergangenen Monaten, ob am bestehenden dreigliedrigen Schulsystem (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) in Warendorf etwas verändert werden kann oder sogar muss. Beleuchtet wurden die Verbundschule, die Gemeinschaftsschule und die große Schwester: Gesamtschule. Drei Mal hat der Arbeitskreis „Schulentwicklung im Bereich der Sekundarstufe I“ seit Februar getagt. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es in dem Gremium eine Tendenz, nicht länger am dreigliedrigen Bildungssystem in Warendorf festzuhalten und sich neuen Schulstrukturen zu öffnen.

Nicht von ungefähr: Durch den drastischen Rückgang der Anmeldezahlen kommt die Hauptschule zunehmend unter Druck. Zwar liegen der Hauptschule „Hinter den drei Brücken“ aktuell noch 34 Anmeldungen vor, so dass zum neuen Schuljahr zwei kleine Eingangsklassen à 17 Schüler gebildet werden können, doch scheint eine Zweizügigkeit auf Dauer nicht gesichert.

Die Zahlen im Schulentwicklungsplan sprechen eine deutliche Sprache. Die Menge der zu verteilenden Schüler bricht im Schuljahr 2019/20 dramatisch ein. Während derzeit noch rund 400 Warendorfer Schüler zu weiterführenden Schulen wechseln, werden es dann nur noch 300 sein. Und die Zahl derjenigen, die dann zu einer Hauptschule im Kreis Warendorf wechseln werden, liegt bei etwa 20 Prozent. Auf die Warendorfer Hauptschule entfallen davon gerade mal zwölf Prozent. Die anderen Schüler pendeln aus Erfahrung zu den Hauptschulen in Ostbevern und Everswinkel. Weitaus stärker ist der Trend in Richtung heimischer Gymnasien (40 Prozent) und Realschulen (40 Prozent).

Aber auch die Städtische Realschule wird mittelfristig Schüler verlieren. Und so ist eine Verbundschule für Warendorf denkbar aber letztlich nicht die Lösung des Problems.

Weitreichendere Folgen hätte ein Schritt in Richtung Gemeinschaftsschule mit Sekundarstufe II. Der wichtigste Unterschied zur vorhanden Schullandschaft: Die Kinder bleiben bis zur 5. und 6. Klasse zusammen, wie in den meisten Ländern der Welt übrigens auch, und erst dann könnten sie differenziert werden in Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten. Während die Stadt bei einer Gesamtschule, als Ersatz für Haupt-, Realschule und Gymnasium, aus eigener Schülerkraft eine Sekundarstufe II darstellen muss, verlangt das eine Gemeinschaftsschule nicht. Die Oberstufe wäre durch eine Kooperation mit den bestehenden Gymnasien gesichert. Und noch einen wichtigen Unterschied gibt es: Während für eine Gesamtschule mindestens 112 Eltern ihre Kinder anmelden müssen, um eine gesicherte Vierzügigkeit zu erreichen, kann eine Gemeinschaftsschule mit schon 69 Schüler (drei Klassen à 23 Schüler) starten.

Am Mittwoch werden Zahlen genannt, pädagogische Einschätzungen zu hören sein und neue Schulstrukturen präsentiert. Dabei blickt Warendorf auch auf die Nachbargemeinden, die an neuen Schulstrukturen „basteln“. Bereits einen Tag nach der Schulausschuss-Sitzung nimmt der Schulträger an Gesprächen in Beckum teil. Aber egal, was die Verwaltung oder die Politik am Ende will - eine Umwandlung steht und fällt mit dem Elternvotum.

VON JOACHIM EDLER, WARENDORF


08 · 04 · 11





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