Sparliste: Diskussion mit kleinen Spitzen


Sparen ist angesagt. Die Verwaltung sucht den Dialog mit den Bürgern. 60 waren am Montagabend zur Diskussion über die Sparliste im Ratssaal erschienen. Konstruktive oder gar neue Sparvorschläge gab es allerdings nicht. Bürgermeister Jochen Walter, Erster Beigeordneter Dr. Martin Thormann und Baudirektor Oliver Knaup erläuterten die Sparmaßnahmen.Foto:
Sparen ist angesagt. Die Verwaltung sucht den Dialog mit den Bürgern. 60 waren am Montagabend zur Diskussion über die Sparliste im Ratssaal erschienen. Konstruktive oder gar neue Sparvorschläge gab es allerdings nicht. Bürgermeister Jochen Walter, Erster Beigeordneter Dr. Martin Thormann und Baudirektor Oliver Knaup erläuterten die Sparmaßnahmen.Foto:
(Edler)


Warendorf - Die Stadt Warendorf befindet sich in einer schwierigen Finanzlage. Daran ließ Bürgermeister Jochen Walter keinen Zweifel, als er am Montagabend in der Bürgerbeteiligung zur Haushaltskonsolidierung die Sparliste der Verwaltung verteidigte.

Wo kann Warendorf noch sparen? Die Verwaltung sucht den Dialog mit den Bürgern. 60 waren am Montagabend im Ratssaal erschienen. Konstruktive oder gar neue Sparvorschläge gab es allerdings nicht. Auch die Möglichkeit, auf der Homepage der Stadtverwaltung Sparvorschläge einzureichen, sei verhalten angelaufen, sagte Walter.


Statt dessen habe die Sparliste harsche Kritik und heftige Reaktionen in der Bevölkerung ausgelöst. Und so versprach sich Walter am Ende der Bürgerbeteiligung unter dem Motto „Mitdenken, Mithandeln, Mitsparen“ weitere Spar-Impulse.

Es war ein Diskussionsabend mit kleinen Spitzen und einer großen Überraschung. Für letztere sorgte Udo Gohl, Leiter des städtischen Schulamtes, der für die Fortführung der zwei Kindergärten Löwenzahn (Warendorf) und Zwergenland (Einen) in kommunaler Trägerschaft plädierte.

Angesichts der Tatsache, dass von 23 Kindergärten in Warendorf lediglich zwei in kommunaler Trägerschaft sind, empfand Gohl als keine „Luxusveranstaltung“ der Stadt. Wenn man eine Trägervielfalt wolle, so Gohl, sollte die Stadt auch dazu stehen. Auch Kindergärten seien Aufgabe einer Gemeinde. Gohl war der Applaus sicher.

Eine mutige Äußerung, wenn man bedenkt, dass sich gerade die Verwaltungsspitze im Rahmen der Sparmaßnahmen von einer Trägerschaft verabschieden möchte. Hintergrund: Kommunale Träger von Kindertageseinrichtungen müssen 21 Prozent der Betriebskosten selbst tragen. Kirchliche Träger nur zwölf Prozent, freie neun Prozent und Elterninitiativen lediglich vier Prozent. Walter sieht darin eine Diskriminierung eines gemeindlichen Trägers. Dem Bürgermeister wurde vorgeworfen, eine Spardiskussion auf dem Rücken der Kinder auszutragen. Stattdessen sollte die Verwaltung lieber Druck auf Landesebene machen.

Keineswegs kommentarlos nahmen Zuhörer die Sparvorschläge der Verwaltung zur Kenntnis - zum Beispiel in Sachen Personalabbau. Kritik musste sich der Bürgermeister von einer Zuhörerin gefallen lassen. Sie warf ihm vor, sein Dezernat personell aufgestockt zu haben und verlangte eine Erklärung. Walter sprach von einer hausinternen Umbesetzung (die WN berichteten): „Ich habe nicht mehr Personal als früher, sondern nur mehr Arbeit.“ Zusätzliche Personalkosten, so Walter, seien nicht entstanden.

So ganz vermochte die Bürgerin das nicht zu glauben und hakte nach: „Was kostet ein Beschäftigter pro Tag?“ Die Antwort: „Bei 220 Arbeitstagen im Jahr sind das durchschnittlich 55 000 Euro jährlich, umgerechnet circa 250 Euro am Tag.“ Die Stadtverwaltung hat um die 350 Beschäftigte.

Nächster Sparvorschlag: Betriebsausflug. Hier regte die selbe Zuhörerin an, Betriebsausflüge auf einen Samstag oder Sonntag zu legen. Den Zahn konnte Kämmerer Heinz Hanewinkel der „Sparkommissarin“ jedoch schnell ziehen: „Die Beschäftigen bekommen den Tag nicht geschenkt, sondern müssen ihn vorher erarbeiten.“

Personaleinsparung war das Stichwort für Mechthild Wolff. Die Vorsitzende des Heimatvereins warnte davor, die Zukunft Warendorfs zu gefährden. Ihr war wichtig, dass es weiterhin einen Denkmalbeauftragten in der Stadt gibt. „Wir dürfen nicht da sparen, wo die Stadt ihre Zukunft hat“, sprach Wolff die Sanierung der Bürgerhäuser im Ostviertel an. Hintergrund ist der Sparvorschlag der Verwaltung, die bis 2013 aufgrund einer Pensionierung frei werdende Stelle des Denkmalbeauftragten nicht wieder zu besetzen. Dem widersprach Walter: „Diese Aufgabe wird weiter gewährleistet.“ Die Stelle soll allerdings nicht neu ausgeschrieben, sondern innerhalb der Bauverwaltung mit übernommen werden.

Nächstes Stichwort: Einsparungen im Baubetriebshof: Ein Mitarbeiter gab zu bedenken, dass in der städtischen Gärtnerei alle Pflanzen für den Blumenschmuck für das Heimatfest Mariä Himmelfahrt und für das Landgestüt gezogen werden. Ein Aushängeschild für die Stadt werde hier einfach gestrichen. Ganz andere Töne schlug wiederum die Leiterin des Kindergartens Löwenzahn, Cornelia Uhlig, an: „Eine Stadt lebt nicht nur durch Denkmäler und Blumen.“

VON JOACHIM EDLER, WARENDORF


21 · 09 · 10





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