Fastenbrechen und Ramadan:
Respekt und Verständnis fördern


Bunte Warendorfer Mischung: Die muslimischen Gemeinden und der Arbeitskreis „WiR“ (Warendorfs internationale Runde) luden zum öffentlichen Fastenbrechen auf den Marktplatz ein. Gut 300 Gäste folgten der Einladung.Foto:
Bunte Warendorfer Mischung: Die muslimischen Gemeinden und der Arbeitskreis „WiR“ (Warendorfs internationale Runde) luden zum öffentlichen Fastenbrechen auf den Marktplatz ein. Gut 300 Gäste folgten der Einladung.Foto:
(Lowinski)


Warendorf - Alle reden von Thilo Sarrazin: Doch dass ein Thema wie die Integration ausländischer Bürger in den Alltag einer Stadt nicht nur politischer Streitfall, sondern tatsächlich praktiziertes Miteinander sein kann, bewiesen gestern die beiden muslimischen Gemeinden aus Warendorf und Freckenhorst - und ihre vielen Gäste.

Zum zweiten Mal luden die Gemeinden mit dem Arbeitskreis WiR (Warendorfs internationale Runde) zu einem öffentlichen Fastenbrechen auf dem Warendorfer Marktplatz ein. Ein Angebot zum offenen Dialog, das bereits 2009 ein großer Erfolg war: Statt der erwarteten 180 Gäste kamen 300. Und auch diesmal waren das Interesse und der Andrang groß. Was auch für das extra aufgebaute Zelt galt. Wieder fanden die rund 300 Gäste einen Platz - Platz zum Essen, zum Reden, zum Feiern.


Das Fastenbrechen ist der abendliche Abschluss des Tages im muslimischen Fastenmonat Ramadan. Nach dem Untergang des Sonne dürfen gläubige Muslime bis zum Sonnenaufgang am nächsten Tag essen und trinken. Mit dem letzten Schluck Wasser beginnt dann wieder die tägliche Zeit des Fastens, bei der auch keine Flüssigkeit aufgenommen werden darf.

Das Fastenbrechen als öffentliche Veranstaltung auf dem Markt setzt gerade in Zeiten der Auseinandersetzung mit den umstrittenen Thesen des Bundesbankers Sarrazin ein klares Zeichen für ein offenes Miteinander. Ein Miteinander, bei dem beide Seiten sich bewegen müssen, wie auch Emre Yildiz, der Vorsitzende des AK WiR bereits in der Begrüßung deutlich machte: „Integration ist keine Einbahnstraße.“

Bürgermeister Jochen Walter freute sich über die vielen Teilnehmer: „Teilnehmen heißt Anteil nehmen. Aus der Teilnahme erwächst der Respekt - und das ist die Voraussetzung für Verständnis und Solidarität.“

Beim Fastenbrechen auf dem Markt ging es also nicht in erster Linie um das Essen: Es war ein Fest mit durchaus unterhaltsamem Charakter. Flötenmusik von Mutlu Yilmazer mit seiner Ney - einem Jahrhunderte alten Instrument, ein Video mit Bürgerkommentaren zum Ramadan, die Präsentation islamischer Kalligraphie, Gedichte - das alles gehörte dazu.

Bis dann die Dunkelheit kam - das war kurz nach 20 Uhr - und mit einem Tischgebet die Mahlzeit begann.

Der religiöse Zusammenhang fand natürlich ebenfalls seinen angemessenen Platz. Schließlich ist der Ramadan, der am Mittwoch endet und dem sich dann vier Feiertage anschließen, eines der höchsten islamischen Feste. Und da gehören das Tischgebet und ein Abendgebet nach dem Essen einfach dazu.

VON CHRISTOPH LOWINSKI, WARENDORF


07 · 09 · 10





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