„Keiner Partei verpflichtet“

Bürgermeister Jochen Walter, hier mit Ehefrau Brigitte, will mit Augenmaß, Konsequenz und Weitblick die volle Wahlzeit bis 2015 amtieren.
Bürgermeister Jochen Walter, hier mit Ehefrau Brigitte, will mit Augenmaß, Konsequenz und Weitblick die volle Wahlzeit bis 2015 amtieren.


Warendorf - Jochen Walter will es noch mal wissen. Einen Tag nach der Bürgermeisterwahl, am 30. August, wird er 63. Die Wiederwahl könnte zum schönsten Geburtstagsgeschenk werden. Mit dem Motto „Warendorf bewegen“ war Walter 2004 zum ersten Mal als parteiloser Bürgermeister in Warendorf angetreten. Sein klarer Sieg hatte für eine Überraschung gesorgt. Walters Slogan fünf Jahre später: „Kurs halten“.

Vieles sei in den vergangenen fünf Jahren zum Wohle der Stadt bewegt worden, sagt Walter selbstbewusst im WN-Gespräch. Und vieles müsse fortgesetzt werden. Mit Augenmaß, Konsequenz und Weitblick will Walter die volle Wahlzeit bis 2015 amtieren. Sein Wunsch: „Ich möchte Bürgermeister aller Warendorfer sein. Als unabhängiger Bürgermeister bin ich nur den Bürgern verpflichtet, nicht einer Partei oder Fraktion.“


Für die Stadtverwaltung sei die Wahl eines parteilosen Bürgermeisters ein „Befreiungsschlag“ gewesen. „Verkrustete Strukturen“ seien aufgebrochen worden. Geht es nach Walter, bleibt die Verwaltung auch weiterhin frei von politischen Vorgaben. Daran werde sich auch nichts ändern, betonte er, wenn die CDU wieder die 50-Prozent-Hürde knackt und die absolute Mehrheit im Rat der Stadt erringt. Er werde dann keine „Marionette der CDU“ sein. Für Transparenz zu sorgen sei in einer solchen Konstellation eine besondere Herausforderung. „Ich werde meine Arbeit konsequent fortsetzen.“

Und dazu zählt Walter den weiteren Schuldenabbau. Projekte mal eben so in den Stiel stoßen, sei schon längst nicht mehr drin. Sparen, sparen und nochmals sparen sei die Marschrichtung für die Zukunft. So rechnet Walter bereits 2010 mit einem Einbruch bei der Einkommenssteuer um 20 Prozent. Weitere schwierige Haushaltsjahre würden folgen. „Das zu sagen ist wenig populär - aber ehrlich.“

Den Erfolg, die städtischen Finanzen in den Griff bekommen und Warendorf aus dem Haushaltssicherungskonzept geführt zu haben, heftet sich Walter nicht allein an die Brust. „Das war die Handschrift des gesamten Rates.“ Ein Novum, und darauf ist er stolz, sei die einstimmige Verabschiedung des Haushaltes in den vergangenen fünf Jahren gewesen - nur in einem Fall mit einer Gegenstimme (FWG).

Wenn Walter die vergangenen fünf Jahre zurückblickt, sei viel erreicht worden: Freibad-Sanierung, Franziskanerkloster, Jugendzentrum, Stadtbücherei. Das Schulangebot sei revolutioniert und der offene Ganztag nahezu an allen Schulen eingeführt worden. Und es gibt eine Mensa (Bistro 32). Nicht populär, aber richtig, sei die Schließung der Von-Ketteler-Hauptschule gewesen. Jetzt stelle sich die Frage: Was wird aus der Hauptschule in Freckenhorst? Stichtag sei 2010, sagte Walter. Sollten die Anmeldezahlen dann keine Zweizügigkeit, also deutlich über 30 Anmeldungen, ausweisen, müssten Alternativen gesucht werden. Denn eine Einzügkeit werde nach 2010 vom Gesetzgeber nicht mehr geduldet. Der Bürgermeister könne sich vorstellen, dass Freckenhorst dann zum Teilstandort der Hauptschule „Hinter den drei Brücken“ wird. Er könne sich aber auch eine neue Schulform vorstellen und blickt dabei zur Gesamtschule nach Ahlen, die aus allen Nähten platzt. Eine Gesamtschule für Warendorf im Verbund mit Ahlen und am Standort Freckenhorst sei ein Gedankenspiel, sagte Walter. Allerhöchste Priorität habe für ihn, dass es in Freckenhorst auch künftig ein weiterführendes Schulangebot geben wird. Gerade mal knapp über 20 Schüler werden nach den Sommerferien zur Hauptschule in Freckenhorst wechseln.

Walter sagt offenen, was er von seinen Wahlversprechen 2004 nicht verwirklichen konnte: Die Gründung eines Jugendparlament und die Einführung eines Bürgerhaushalts. „Wir hatten angesichts der Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmangements keine ausreichenden Ressourcen mehr.“ Betroffen habe ihn gemacht, dass viele Menschen immer nur dann Kritik üben und sich politisch einbringen, wenn sie unmittelbar persönlich betroffen sind. „Deshalb resigniere ich aber nicht.“

Auch nach fünf Jahren im Amt hat der Bürgermeister noch Träume. Erstens, dass Warendorf noch stärker eine Stadt für junge Familien wird. Und zweitens: „Es wäre toll, wenn sich ein Mäzen findet, der auf der Emsinsel ein Kunstmuseum errichtet, das Warendorf eine überregionale Ausstrahlung verschafft.“

VON JOACHIM EDLER, WARENDORF

14 · 08 · 09


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