Pfarrversammlung zur Profanierung der Johanneskirche

Verhärtete Fronten bei Gläubigen


Jugendliche aus dem Seelsorgebezirk St. Johannes hatten ein Banner gemalt und vor den Folgen eines Kirchenabrisses gewarnt.Foto:
Jugendliche aus dem Seelsorgebezirk St. Johannes hatten ein Banner gemalt und vor den Folgen eines Kirchenabrisses gewarnt.Foto:
(Greife)


Telgte - Rund ums Rochus-Hospital gab es keinen freien Parkplatz mehr. Über 500 Menschen strömten am Dienstagabend zur Fachklinik vor den Toren der Stadt. Und es war im übertragenen Sinne sogar ein Krankenbesuch. Der „Patient“ heißt Johanneskirche. Für dieses Gebäude schien es seit den Beschlüssen von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat (Profanierung und Abriss) keine Rettung mehr zu geben. Dann hat sich Anfang des Jahres eine Initiative gebildet, die genau dieses doch noch erreichen will.

Die Mobilisierung hat jedenfalls funktioniert. Die Befürworter eines weiteren Fortbestehens der Kirche waren bei der Pfarrversammlung deutlich in der Mehrheit. „Die Wochen der Lähmung sind überwunden“, so Ludwig Rüter zu Beginn. Er forderte namens des Initiativkreises dazu auf, die Beschlüsse zu überdenken. Sparen um jeden Preis sei Ausdruck von Perspektivlosigkeit, so Rüter. Die passe nicht zur frohen Botschaft vom Reich Gottes.


Manfred Dierkes skizzierte vor den Zuhörern noch einmal den zwei Jahre währenden Entscheidungsprozess. An dessen Ende waren die Gemeindegremien mehrheitlich den Vorgaben des Bistums zu Profanierung und Abriss der Kirche gefolgt. Stattdessen sollen der Kindergarten zukunftsfähig gemacht und ein Pfarrheim möglichst neu gebaut werden. Man habe nicht leichtfertig entschieden. „Die Last der Verantwortung war zu spüren“, sagte Dierkes.

Generalvikar Norbert Kleyboldt verteidigte die grundsätzliche Linie des Bistums, Prioritäten zu setzen bei der Frage, wie die Seelsorge der Zukunft aussehe. „Kirche wird wesentlich kleiner werden.“ Dass alles so bleiben müsse, wie es ist, sei deshalb keine Lösung. „Wir leben über unsere Verhältnisse.“ Für das Bistum sei der Kindergartenbereich sehr wichtig. Um da zu investieren, müsse man auf Kirchen verzichten. Man könne nicht stets neue Bausubstanz draufsatteln, ergänzte Domkapitular Hans-Bernd Köppen.

Wieso muss für einen Ausbau des Kindergartens und ein neues Pfarrzentrum die Kirche weichen? Wieso ist eine abgespeckte Planung für eine baulich integrierte Lösung aus Kirche und Pfarrzentrum offenbar nie beim Bistum angekommen? St. Johannes als Jugendkirche nach dem Vorbild von Effata? Einige von vielen, vielen Fragen, die von Anwesenden gestellt wurden und zu denen die Antworten nicht immer zur Zufriedenheit aller ausfielen.

„Wer Zukunft gestalten will, muss eine Abwägung vornehmen“, sagte Propst Erdbürger. Einen Zeitplan für den Bau eines neuen Pfarrzentrums konnte der Generalvikar übrigens nicht nennen. Wenn das Bistum alle Wünsche erfüllen wolle, müsse das Finanzvolumen schon jetzt um 3,5 Millionen Euro erhöht werden. Gestern Abend war davon die Rede, dass das Bistum in Pfarrzentrum und Kindergarten 2,5 Mio. Euro investieren will.

Zwei Wortmeldungen von Frauen, die im Pfarrgemeinderat für bzw. gegen den Abriss gestimmt haben: Ursula Kleikamp nannte einen solchen Schritt ein demotivierendes Signal. Dr. Karin Mehring sagte, wenn alle, die die Unterschriftenaktion des Initiativkreises unterstützen, zu den Gottesdiensten in die Johanneskirche kommen würden, „bräuchten wir nicht hier zu sein“.

Die Pfarrversammlung war bis 23 Uhr noch nicht beendet. Mit dem Meinungsbild, das sich dort ergab, werden sich Gemeindegremien und Bistum in Kürze beschäftigen. Der Generalvikar bot außerdem aus, sich mit dem Initiativkreis noch einmal zu treffen.

VON ROLAND GREIFE, TELGTE


08 · 02 · 12





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