Keiner wusste so richtig, wie sich die Tiere in einem riesigen Rudel verhalten würden. Es lag eine gewisse Anspannung in der Luft, als am Samstag 412 Hunde aus zehn Meuten auf dem Feld nahe dem Campingplatz „Sonnenwiese“ zusammengeführt wurden. Zwar büxten zunächst welche aus, doch die Reiter reagierten souverän und fingen das Rudel nach kurzer Zeit wieder ein.
Schließlich klappte alles perfekt: Nach den Ehrenrunden auf dem „Paradeplatz“ - derweil wurde die künstliche Fährte gelegt - stürmten die 412 Hunde unter großem Gebelle und die 120 Pferdestärken los. Viereinhalb Kilometer immer der Nase nach. „Ich bin unwahrscheinlich glücklich“, erklärte Willy Rehr, Master der „Warendorfer Meute“, nach der Veranstaltung. Zusammen mit seinem Schleppjagdverein hatte er dieses Ereignis zum 30-jährigen Bestehen der Meute auf die Beine gestellt.
Wahrlich eindrucksvoll war das Spektakel. Das ließen sich auch 200 Zuschauer nicht entgehen. Sie wurden Zeuge der weltgrößten Schleppjagd. Einer Schleppjagd, die es sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft hat. „So was hatte es bisher noch nicht gegeben und wird wahrscheinlich einmalig bleiben“, meint der Vorsitzende der Deutschen Schleppjagdvereinigung, Stefan Entel. In einer Schleuse wurden die Jagdhunde unter zweifacher notarieller Aufsicht gezählt.
Vor dem Start wurde jede Meute vorgestellt und führte eine Schauschleppe vor. Zehn der 24 Meuten in Deutschland nahmen teil. Die weiteste Anreise hatte der Schleppjagdverein aus Bayern.
Ein „Gänsehautgefühl“ beschrieb die Zuschauerin Susanne Wianka. Zusammen mit ihrem Mann verfolgte sie das tierische Treiben vor den Toren der Emsstadt. Die Zuschauer schätzten die Verbindung von Tier, Mensch und Natur. „Die Idee mit dem Weltrekord gefällt uns.“ Beide sind sich hinsichtlich der Organisation einig: „Das war eine Meisterleistung.“
Seit Oktober letzten Jahres liefen die Vorbereitungen. Die Route musste ausgesucht, die Bedingungen für den Eintrag ins Guinnessbuch mussten geklärt und sich um die Unterbringung der Reiter, Hunde und Pferde gekümmert werden. Froh war die „Warendorfer Meute“ auch über das große Verständnis von Nachbarn und Jagdpächtern.
Doch wie kommt man überhaupt darauf, solch einen Weltrekord aufstellen zu wollen? Ganz einfach: durch Zufall. Willy Rehr bekam das Guinnessbuch geschenkt und dachte sich spontan: „Das könnten wir doch auch mal machen.“ Die Idee war geboren.
Der Weltrekord und das 30-jährige Bestehen der „Warendorfer Meute“ wurden am Samstagabend beim „Großen Meuteball“ im Bürgerhaus gebührend gefeiert. Unterhalten wurden die Gäste von den Auftritten der 1. Telgter Stadtgarde, dem Männergesangverein Lyra und dem Fanfarenzug Vadrup. Für die Tanzmusik zu späterer Stunde sorgte das Martin-Knäpper-Trio.