Die Eltern der Viertklässler hatten viele Fragen auf dem Herzen und waren dankbar für die ausführlichen Antworten.Fotos: (Lieber)
Sassenberg - „Die Eltern sollten sich mal auf was Neues einlassen und nicht so viel Angst haben“, sagte eine Mutter am Ende der rund zweistündigen Informationsveranstaltung zum Thema Sekundarschule. Und damit fasste sie den Abend gut zusammen, denn trotz noch vorhandener Skepsis bei einigen Eltern, war in der Aula der Hauptschule ein gewisser Stimmungswandel spürbar. Und daran hatten nicht zuletzt Hauptschulleiter Reinhold Bussieweke als Beauftragter der Bezirksregierung und Sylke Reimann-Perez, Leiterin der Profilschule in Ascheberg, großen Anteil.
Der Abend gestaltete sich schon beinahe wie der Unterricht in einer Sekundarschule, denn Bussieweke machte gleich deutlich, dass er keinen „Frontalunterricht“ machen, sondern mit den Eltern in den Dialog treten möchte. Er schickte aber noch voraus, dass er nicht erst seit zwölf Monaten mit dem Thema beschäftigt sei. „Die Schulentwicklung steht schon seit Jahren in meinem Fokus, aber wir hatten bisher nicht die Möglichkeiten.“
„Wie sieht der Unterricht aus?“, wollte eine Mutter wissen. „Wir führen in ein Thema ein, mit Frontalunterricht, aber dann wird differenziert. Es gibt hohes und niedriges Niveau, und die Kinder suchen sich die Aufgaben aus. Das klappt sehr gut“, antwortete Sylke Reimann-Perez. Es werde weiterhin im Klassenverband unterrichtet, aber eben mit Binnen-Differenzierung. Die dritte und vierte Unterrichtsstunde seien dann die so genannten „Segel-Stunden“, eine Abkürzung für selbst gesteuertes Lernen. „Das Entscheidende ist, dass durch diese Arbeitsform eine absolute Disziplin in der Klasse herrscht“, sagte Bussieweke, der dies bei seiner Hospitanz in der Vorwoche in Ascheberg selbst erlebt hatte. „Ich bin begeistert, dass nach nur fünf Monaten die unterschiedlichen Lernstände schon so klar zu erkennen waren.“
„Das eigenständige und eigenverantwortliche Lernen ist für uns ganz wichtig. Die Kinder haben einen Plan und wissen, was Grund- und was erhöhtes Niveau sind“, versicherte Reimann-Perez. Auch Klassenarbeiten spiegelten beide Niveaus wider, und die Durchlässigkeit sei gegeben. „Die Schüler probieren sich an E-Aufgaben aus.“ „Werden Schwächere gepuscht?“, fragte ein Vater. „Auf jeden Fall, denn sie sehen, was die anderen schaffen. Einmal pro Woche gibt es zudem für jedes Kind eine zehnminütige Lernberatung“, berichtete Reimann-Perez. „Werden Kinder ausgelacht, die es nicht schaffen?“, sorgte sich eine Mutter. „Auf keinen Fall, denn wir haben Regeln“, beruhigte die Ascheberger Schulleiterin. Bussieweke ergänzte: „Ich habe erst nach zweieinhalb Stunden gefragt, in was für einer Klasse ich bin. Es war eine integrative, und ich habe es nicht bemerkt.“„Müssen wir uns von unserem Schubladendenken verabschieden?“, lautete eine weitere Frage. Genau das bestätigte Sylke Reimann-Perez. „Auch in der Klasse sieht es anders aus“, sagte Bussieweke. „Der Lehrer sitzt mitten im Raum, und es gibt eine Lobkultur, das ist fantastisch und strahlt auf die Schüler aus.“
Das Lehrerkollegium in Ascheberg hat eine Altersspanne von 30 bis 62 Jahre. „Wir haben ein wunderbares Kollegium, alle tragen das Konzept mit.“ Das sei aber auch die Grundvoraussetzung. „Wir hatten bislang keine Abmeldungen, alle Kinder und Eltern sind zufrieden“, versicherte Sylke Reimann-Perez. Welche Lehrer in Sassenberg kommen könnten, ist schon fast entschieden. „Das Kollegium muss sich aus den unterschiedlichen Schulformen zusammensetzen. Auch Lehrer aus der Realschule haben sich gemeldet. Die Namen sind der Schulaufsichtsbehörde bekannt. Ich habe überhaupt keine Angst, die richtigen Kollegen zu finden“, zeigte sich Bussieweke optimistisch. Natürlich müssten die Lehrer noch fortgebildet werden und ihr Lehrverhalten überdenken.
Sollte die Sekundarschule nicht zustande kommen, können die Schüler auf der Haupt- und Realschule angemeldet werden. „Die Eltern entscheiden mit ihrem Anmeldeverhalten“, sagte Bürgermeister Josef Uphoff. Rein rechtlich ist die Sekundarschule jetzt von der Bezirksregierung genehmigt worden. Ein Verschieben des Starts ins nächste Jahr sei dagegen gefährlich und verwies auf das Beispiel Freckenhorst. „Es führt zur Flucht in die Nachbarstädte.“ Sind Schüler einmal weg, dann folgen in den nächsten Jahren auch andere. „Wir sitzen in einer furchtbaren Zeitfalle“, gab Uphoff zu, aber „wir haben Sie auch nicht zwangsverpflichtet. Es liegt letztlich an Ihnen“.
„Ich habe gemerkt, dass dieser Abend wichtig war und stehe jederzeit für Fragen zur Verfügung“, beendete Bussieweke die Informationsveranstaltung.