Berührungsängste abbauen

Türkisch-deutsche Vorlese-Nachmittage in der Stadtbücherei sind Teil des Projekts „Gleichschritt“ in Oelde.
Türkisch-deutsche Vorlese-Nachmittage in der Stadtbücherei sind Teil des Projekts „Gleichschritt“ in Oelde.
(Foto: Hartmann)


Oelde. „Türkische Kinder und Jugendliche sind bei der Bildung benachteiligt“, kritisiert Canan Gelincik, Leiter des Projekts „Gleichschritt“. „Nur wenige türkische Jugendliche besuchen die Realschule oder das Gymnasium“, betont er. Eine Situation, die der Stadt Oelde nicht verborgen geblieben ist und im Juni 2005 zur Gründung des Integrationsprojekts „Gleichschritt“ führte.

Es verfolgt das Ziel, die Bildungschancen für Kinder aus türkischen Familien zu verbessern. Es handelt sich dabei, um ein Angebot, das neben dem Bildungssystem (schwerpunktmäßig auf türkische Kinder im Vorschul- und Grundschulalter ausgerichtet) das Jugendamt miteinbezieht.


Wichtig sei, mit einer großen Sensibilität an die Kinder und ihre Eltern heranzutreten, erklärt Hendrik van der Veen, vom Jugendamt in Oelde. Dafür wird die soziale Infrastruktur der Stadt genutzt, so dass das Projekt auch von der DRK Stiftung Oelde, vom Landfrauenverband Lette, der Grünen Jugend, Ditib (Türkisch-Islamische Gemeinde zu Oelde), dem Verein zur Förderung der Integration und Bildung in Oelde (VFIB) sowie von Privatpersonen unterstützt wird. Weitere Projektpartner sind der Landschaftsverband (LWL), das Institut für Counseling in Bochum und das Heilpädagogische Kinderheim Hamm.

Besonderes Ziel des Projekts war es von Beginn an, Berührungsängste abzubauen. „Hier arbeiten nicht nur Deutsche, sondern auch Türken, das heißt die türkischen Kinder und ihre Familien finden Ansprechpartner aus dem gleichen Kulturkreis“, betont Gelincik. Das sei wichtig, da die türkischen Eltern so schneller Vertrauen fassen und Hilfsangebote nutzen würden, ergänzt van der Veen. „Ich habe es schon oft erlebt, dass sich türkische Eltern angegriffen fühlen, wenn zum Beispiel ein Lehrer die schulischen Leistungen ihrer Kinder kritisieren“, erzählt Projektmitarbeiter Muzaffer Ibik. Hier können die Ansprechpartner des Integrationsprojekts neutral vermitteln.

Offiziell ist das Projekt Gleichschritt Ende 2008 ausgelaufen, doch die Beratung im schulischen Bereich (Beratung über Fördermöglichkeiten durch die Eltern, Aufklärung über Bildungseinrichtungen), die Sprachförderung, die Vernetzung von Migranten und Deutschen, die Schulungen für ehrenamtliche Helfer (Integrationslotsen und Jugendleiter) und erzieherische Hilfen finden weiter statt.


21 · 02 · 09



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