Die Gemeinde Everswinkel liegt im östlichen Münsterland zwischen Münster und Warendorf. Die Geschichte Everswinkels begann mit der Gründung der St.-Magnus-Pfarre im 10. Jahrhundert. Rund um die mit Schutzanlagen versehene Wehrkirche wurden so genannte “Spieker” errichtet.
In Friedenszeiten dienten sie als Getreidespeicher, in Kriegszeiten jedoch suchten die Bauern aus der Umgebung hier Schutz für sich und ihr Vieh. Die ursprüngliche Anlage wurde also zu Recht als Kirchhofsburg bezeichnet. Im Laufe der Zeit wurden die Spieker zu Wohnstätten umgewandelt, und die Siedlung an der Kirche wurde langsam ein richtiges Dorf, in dem sich Tagelöhner, Händler und die ersten Handwerker niederließen.
Alverskirchen entstand ebenfalls durch die Gründung einer Kirche, geweiht der heiligen Agatha, Beschützerin vor Feuersnot. Nach den geschichtlichen Quellen wurde um 1200 unter Bischof Hermann II die Alverskirchener Pfarrkirche errichtet. Ein Mann namens Albin, Alvin, Albrie oder Alvrie hat entweder den Boden für den Kirchbau zur Verfügung gestellt oder die Kirche selbst erbauen lassen - daher der Name Alvinskerken, der später zu Alverskirchen wurde. Um diese Kirche herum siedelten sich Familien an, für eine Dorfgründung war damit der Grundstein gelegt.
Im 18. Jahrhundert arbeiteten die Dorfbewohner von Everswinkel und Alverskirchen als Händler, Kaufleute, Tagelöhner und Handwerker. Nebenbei betrieben sie alle Landwirtschaft, denn nur vom Gewerbe konnten sie sich und ihre Familien nicht ernähren. Für die Bewohner von Everswinkel wurde das Weberhandwerk zur wichtigsten Erwerbsquelle. So gab es 1825 unter 149 Handwerkern im Dorf allein 89 Weber. Aber das Glück der Leineweber währte nicht lang. Mit dem Aufkommen der maschinellen Textilfertigung ab 1830 war ihr Schicksal besiegelt, und 1882 gab es in Everswinkel keinen einzigen Weber mehr. Zur Ansiedlung von Textilfabriken wie anderenorts kam es nicht, da die neue Eisenbahn in der Ferne vorbeifuhr. Es war keine Seltenheit, dass ein Gastwirt gleichzeitig auch Landwirt, Bäcker und Kolonialwarenhändler war.
Für die Mehrzahl der Bauern wandte sich zur gleichen Zeit das Blatt zum Besseren. Bauernbefreiung und “Ablösung” hatten den Weg frei gemacht für eine rentable Landwirtschaft auf großen, zusammenhängenden Flächen. Zunehmend setzten sich auch moderne Anbaumethoden wie die Fruchtwechselwirtschaft durch. Die Industrialisierung, die die Weber ruinierte, wurde für die Bauern zum Segen. Denn das nahe gelegene Ruhrgebiet wuchs und wurde zum Hauptabsatzmarkt für Everswinkeler und Alverskirchener Fleisch und Getreide.Anders als in Everswinkel hatte sich in Alverskirchen keine so starke Konzentration auf einen Erwerbszweig herausgebildet. Als es mit der Hausweberei zu Ende ging, war Alverskirchen davon bei weitem nicht so stark betroffen wie Everswinkel. Zwar konnten die Bauern in beiden Orten den größeren politischen Einfluss geltend machen, die Verarmung der Dorfbevölkerung war jedoch in Everswinkel ungleich größer. Von sozialen Spannungen zwischen Innen- und Außengemeinde, wie sie deshalb in Everswinkel auftraten, ist in Alverskirchen kaum etwas bekannt.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Reichtum ausschließlich bei den Bauern. Die gewerbetreibenden Dorfbewohner und auch die wenigen mittleren Betriebe waren ganz auf den Bedarf der Landwirtschaft ausgerichtet. Eine Veränderung trat erst nach dem 2. Weltkrieg ein, als viele Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurückkehrten und sich in Alverskirchen und Everswinkel ansiedelten. Der allgemeine Wirtschaftsaufschwung, die zunehmende Motorisierung und der wachsende Wohlstand taten ihr Übriges, um die beiden kleinen Orte zu aufstrebenden ländlichen Wohngemeinden zu machen.
Everswinkel heute
Nach über 150 Jahre währender Trennung wurden Everswinkel und Alverskirchen im Rahmen der kommunalen Neuordnung 1975 zur neuen Gemeinde Everswinkel zusammengeschlossen und die blieb - ein Verdienst intensiver Bemühungen - eigenständig, so dass eigenverantwortliche Kommunalpolitik betrieben werden kann. Alverskirchen gehörte zuvor zum Amt Wolbeck.
Die Gemeinde Everswinkel mit dem Eber als Wappentier ist heute ein lebendiges Grundzentrum für fast 10.000 Einwohner inmitten der münsterländischen Parklandschaft und weist eine gute Infrastruktur auf. Dazu gehören auch zahlreiche Freizeitstätten wie das über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Vitus-Bad, der Golfclub Brückhausen in Alverskirchen und das Everswinkeler Mitmach-Museum „Up´n Hoff“, das die landwirtschaftliche Vergangenheit mit zahlreichen historischen Fahrzeugen, Maschinen, Geräten und Ausstellungstücken nicht nur beleuchtet, sondern mit Aktionsangeboten auch landwirtschaftliche Produktionsprozesse längst vergangener Zeiten erlebbar werden lässt. Neben zwei Grundschulen und der 2009 gegründeten Verbundschule mit Haupt- und Realschule unter einem Dach ist Everswinkel seit einigen Jahren auch Standort der Freien Waldorfschule mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft. Neben den beiden großen Sportvereinen SC DJK Everswinkel und der DJK Rot-Weiß Alverskirchen und den Schützenvereinen beider Ortsteile prägen zahlreiche weitere Vereine das Gemeindeleben. Für ein abwechslungsreiches Kulturangebot sorgt vor allem der 1996 gegründete Kulturkreis Everswinkel.
Die Gemeinde zeichnet sich aus durch ein besonders wirtschaftsfreundliches Klima und umfasst mehrere Gewerbegebiete. Das Vitus-Dorf ist Verwaltungs-Standort der Deutschen Milchkontor Gmbh - einem Zusammenschluss der früheren Humana Milchunion und der Nordmilch - und damit größtes Molkerei-Unternehmen Deutschlands, und beheimatet viele namhafte Firmen wie Nebelung, Ahmerkamp, BSW-Anlagenbau und Präzi Flachstahl AG. Dazu kommen viele weitere mittelständische Unternehmen.