Gemeindewerke erweitern durch Photovoltaik-Anlage ihr Portfolio

Stromproduktion macht Schule


Auf dem Dach des neuen Verbundschul-Gebäudes ist eine Photovoltaik-Anlage installiert worden - dadurch wird die Gemeinde zum Stromproduzenten. Fotomontage:
Auf dem Dach des neuen Verbundschul-Gebäudes ist eine Photovoltaik-Anlage installiert worden - dadurch wird die Gemeinde zum Stromproduzenten. Fotomontage:
(Meyer)


Everswinkel - In der Vitus-Gemeinde ist ein neuer Stromanbieter am Markt. Und der setzt ausschließlich auf regenerative Energien. Die Gemeindewerke Everswinkel GmbH fügt ihrem bisherigen Portfolio aus Gas- und Wasserversorgung die Sparte Strom hinzu. Das klingt nach einem großen unternehmerischen Sprung - ist es aber nicht. Denn das, was der frisch gebackene Energieanbieter im Gepäck hat, ist überschaubar: eine neue Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Verbundschul-Neubaus.

Natürlich war das Dach des neuen Realschultraktes prädestiniert für eine solche Nutzung. Dass für diese Energiegewinnungsanlage eigens der Gesellschaftsvertrag geändert und ein Eintrag ins Handelsregister vollzogen wird, mag zunächst etwas überzogen klingen. „Da wir mit der Anlage Strom erzeugen, müssen wir rein rechtlich gesehen die Stromsparte mit in den Gesellschaftsvertrag hinein nehmen“, erläutert GWE-Geschäftsführer Thomas Spieß. Unter diesem Dach wird auch das vorhandene Blockheizkraftwerk geführt.


So nachvollziehbar dieser formale Schritt ist, so wurde er dennoch im Hauptausschuss munter diskutiert. Die Grünen stießen sich daran. „Wir lehnen das als nicht zielführend und auch nicht zukunftsfähig ab“, sagte Grünen-Sprecher Frank Winkler und betonte, „alternative Energien gehören in die Hand des Bürgers. Bislang gibt es nur die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Verbundschule, aber ich denke, es geht noch weiter.“ Die Gründung einer Genossenschaft sei der bessere Weg, meinte Winkler, der kritisch bewertete, dass 45 Prozent des Erlöses an die RWE abflössen. Zur Erklärung: Die RWE sind mit einer 45-prozentigen Einlage am 1,03 Millionen Euro umfassenden Stammkapital der GWE-Gesellschaft beteiligt.

Während SPD-Fraktionsführer Wolfram Kötting Winkler aufzeigte, dass ohne diesen Schritt der steuerliche Querverbund verloren gehe, zeigte sich CDU-Fraktionschef Bernd Schulze Zurmussen ungehalten über den vermeintlich amateurhaften Vorstoß der Grünen: „Das ist ein völliger Quatsch, den ich mir wieder anhören muss.“ Es gehe um einen sechsstelligen Betrag für die Gemeinde, „und es geht nicht darum, ein Atomkraftwerk aufzunehmen, sondern um eine Photovoltaik-Anlage.“ Spieß hatte die Ausgangslage hinsichtlich der neuen Stromsparte dann auf den Punkt gebracht: „Wir müssen das machen, sonst können wir die Photovoltaik-Anlage wieder vom Dach nehmen, weil wir nämlich mit Strom handeln.“ Bürgermeister Ludger Banken ergänzte zudem, „wir werden uns mit dieser Anlage nicht dumm und dusselig verdienen“.

Ob es bei dieser einen Photovoltaik-Anlage bleibt? „Sicherlich sind regenerative Energien immer ein Aspekt, an dem wir dran bleiben“, aber aktuell gibt es laut Spieß keine weiteren Projekte. Rund 70 000 Euro haben die Gemeindewerke in die Anlage investiert, die in der Spitzenleistung etwa 30 Kilowatt Strom erzeugen kann, der dann ins Netz eingespeist wird. Wie sich die ganze Sache rechnet, muss abgewartet werden. „Das hängt vom Wetter ab. Ich kann erst nach einem Jahr sagen, was die Anlage für uns gebracht hat“, erläutert Spieß. Bis eine Wirtschaftlichkeit erreicht sei, dauere es seine Zeit. „Für den Bürger ändert sich dadurch nichts.“

VON KLAUS MEYER, WARENDORF


01 · 02 · 12





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