Ahlen - „Wehret den Anfängen!“ hatte die 97-jährige Marga Spiegel am 8. Oktober im Anschluss an die Premiere von „Unter Bauern“ mit fester Stimme den mehr als 700 Besuchern in der Stadthalle zugerufen. Diesen Appell zur Zivilcourage, gerichtet vor allem an die heutige Jugend, bekräftigte am Montagabend mit seinen Worten auch der Regisseur des Films, Ludi Boeken. Er war eigens aus Paris erneut nach Ahlen gekommen, um auf der Kundgebung zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938 in der Klosterstraße zu reden. Bürgermeister Benedikt Ruhmöller und Ruth Frankenthal, Sprecherin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit aus Münster, legten im Beisein des Holländers, dessen eigene Eltern den Holocaust überlebten, am „Fingerzeig der Geschichte“ einen Kranz nieder.
Dieses Mahnmal erinnert seit 1985 an die 98 von den Nazis ermordeten Ahlener Juden. Jenen, denen zu verdanken ist, dass die Namen von Marga, „Menne“ und Karin Spiegel nicht auf dem Sockel stehen, den westfälischen Bauern, die die Familie auf ihren Höfen vor den braunen Häschern versteckten, habe Ludi Boeken nun „ein filmisches Denkmal gesetzt“, stellte Benedikt Ruhmöller fest. „Kein Ahlener“, so der Bürgermeister, „kommt ungerührt aus diesem Film, der uns auch noch in Jahrzehnten wertvolle Dienste in der Erinnerungsarbeit leisten wird.“