Das Team der Elterninitiative (Rita Voß, Heike Brebaum, Denise Krokowski und Karin Schulze-Bilk) hält an seiner Vollkasko-Mentalität fest. (Fotos: Alpmann)
Wettringen. Wenn es um die Sicherheit von Kindern geht, ist Vollkasko-Mentalität gefragt - kein Zweifel. Da ziehen Eltern, Schulleiter, Polizei und auch der Bürgermeister an einem Strang.
Deswegen steht der Busverkehr für die Grundschüler aus Rothenberge und Bilk jetzt in der Diskussion (die MV berichtete). Am Donnerstagabend lud die Elterninitiative „Mehr Sicherheit für unsere Kinder im Schulbusverkehr“ zu einer Informationsveranstaltung im Saal Hagenhoff ein, um die verschiedenen Standpunkte in der Debatte um einen zusätzlichen dritten Bus zu verdeutlichen.
Bei einem Aufprall mit 50 Kilometer pro Stunde wird das Aufprallgewicht der Insassen eines Busses 50-mal so groß. Ein Kind, das 30 Kilogramm wiegt, hätte damit eine Aufprallwucht von 1,5 Tonnen. „Wer bei einem solchen Aufprall steht, kann sich unmöglich an einem Haltegriff festhalten - Haltegriffe ersetzen keine Sicherheitsgurte“, argumentierte Jochen Gentzsch, freiberuflicher Referent über Ladesicherung, der Eltern, Politiker und Polizei am Donnerstag mit Fallbeispielen und Fakten über die Gefahren in Schulbussen aufklärte.
Bürgermeister Rauen: „Nicht zu einseitig sehen.“
Der pensionierte Polizeihauptkommissar und Leiter eines Kreisverkehrdienstes befasst sich schon seit 37 Jahren mit dem Problem. „Seit den 90er Jahren gibt es in Reisebussen eine Anschnallpflicht - und damit auch gleich weniger Verletzte“, zeigte er auf. Ein dritter Bus soll also nur eine Übergangslösung sein. Jochen Gentzsch geht es darum, dass die Politiker Anträge stellen, damit in den nächsten Jahren die Bestimmungen aufgehoben werden und für den Schultransport nur noch Busse mit Rückhalteeinrichtungen eingesetzt werden. „Bis dahin soll es die Pflicht der Schulträger sein, Sitzplatzgarantien in Beförderungsverträgen festzulegen“, forderte der ehemalige Polizeihauptkommissar.
Erfolg hatte er mit seinem Konzept bisher in Oelde. Dort hat unter einem Mehrkostenaufwand von 270 000 Euro nun jedes Kind einen Sitzplatzanspruch. „Die Zeiten haben sich eben geändert“, war sich das Team der Elterninitiative - bestehend aus Rita Voß, Heike Brebaum, Denise Krokowski und Karin Schulze-Bilk - einig. Früher habe es auch noch keine Anschnallpflicht in Autos gegeben, meinten sie. „Wenn heute ein Kind ohne Gurt im Auto erwischt wird, gibt es eine satte Strafe. Bei 126 Kindern ohne Gurt im Schulbus passiert nichts“, bedauerten sie.
Für eine Sitzplatzgarantie: Jochen Gentzsch.
Bei so vielen Emotionen, guten Ideen und richtigen Ansätzen ist es gar nicht so leicht, Distanz zu bewahren. „Wir sollten die Sache nicht zu einseitig sehen“, bat Bürgermeister Engelbert Rauen um Verständnis, der bei allen Planungen schon immer eine besondere Rücksicht auf den Schulbusverkehr genommen hat. In Wettringen haben alle Bushaltestellen Häuschen, beim Ausbau der Wirtschaftswege werden Schulbuswege berücksichtigt und in der Schule gibt es Verkehrsunterricht.
„Bisher gibt die Gemeinde Wettringen im Jahr 70 000 Euro für den Schulbusverkehr aus“, zeigte Engelbert Rauen auf. Ein dritter Bus würde über 40 000 Euro mehr kosten. „Dafür sehe ich hier einfach keine Notwendigkeit“, sagte Engelbert Rauen. Und der Bürgermeister ist der Sache schon genau auf den Grund gegangen: Er selbst hat zwei Fahrten mit dem Bus gemacht. Einmal standen zehn, beim zweiten Mal zwölf Kinder. Zur Vergewisserung hat er auch den Hausmeister der Grundschule, Heinz Rehers, und einen Polizisten vom Ort, Günter Oynhausen, in die Busse geschickt. Sie haben die gleichen Erfahrungen gemacht. „Da sieht es in anderen Gemeinden noch ganz anders aus“, wusste Rauen. Hinzu kommt, dass die Kinder fünf bis sieben Minuten stehen müssen. „Das ist vertretbar“, meinte er.
Auch das Busunternehmen „Schäpers“ hat der Bürgermeister noch einmal genau unter die Lupe genommen. „Die Firma legt einen sehr großen Wert auf Sicherheit“, wusste er. Verantwortungsvolle Busfahrer, die die Kinder persönlich kennen und keine reparaturbedürftigen Busse. „Wir reagieren immer sofort, wenn etwas nicht stimmt“, versprach Fahrdienstleiterin Evelyn Jochum.
Und trotzdem: Bürgermeister Engelbert Rauen kann die Bedenken der Eltern ja auch verstehen. Von nun an werden, wenn möglich, die Busse mit den meisten Sitzplätzen eingesetzt. Das hat er mit der Firma Schäpers ausgemacht.
Eine weitere Möglichkeit sei, dass ein Bus zweimal fährt und einige Kinder damit früher an den Haltestellen stehen müssten. Der Bürgerbus könnte aktiviert oder Privatwagen eingesetzt werden. Da ist der Einsatz der Eltern gefragt. „Das sehen wir erst einmal nicht ein, unser Antrag auf einen dritten Bus bleibt bestehen“, hielten die Eltern am Ende der Veranstaltung an ihrem Vorschlag fest.