Wettringen. Apfel, Kirsche, Birne - Obstbäume sind in vielen Gärten zu finden. Sie sollen leckere Früchte liefern, schön aussehen und irgendwann auch Schatten spenden. Doch wie erreicht man das? Gartenbautechniker Hubert Mersch gab am Mittwochnachmittag eine ganze Reihe von Tipps für den richtigen Obstbaumschnitt und erwähnte die großen Fehler, die häufig gemacht werden. Der Obst- und Gartenbauverein hatte den Experten zum Kursus im und am Heimathaus eingeladen. Auch dank des Aktionsnachmittages war die Zahl der Zuhörer stattlich.
Nach einer kurzen Begrüßung des OGV-Vorsitzenden Helmut Flüthmann legte Mersch, der auch Geschäftsführer des NRW-Landesverbandes der Gartenbauvereine ist, los. „Das Ziel, nämlich viel Obstertrag, und auch dessen Qualität, lässt sich durch den Schnitt beeinflussen“, begann er. Am Anfang, bei jungen Bäumen, kommen daher Pflanz- und Erziehungsschnitt zur Anwendung. „Damit greifen wir in die Bildung der Krone ein.“ Außerdem werde der Grundstock für die Ertragsphase gelegt, die nach fünf bis sechs Jahren startet.
Wichtig in der ersten Phase ist das Erzeugen von Verzweigungen. Hier gilt: Wird ein Trieb bis zum Astring zurückgeschnitten (kein Stummel), sage man damit dem Baum, dass er hier keine neuen Triebe bilden soll. Ein häufiger Fehler: „Wenn man lichten will, darf man Äste nicht kürzen, sondern muss sie wegschneiden. Durch Rückschnitt lässt sich kein Baum kleinhalten.“ Die übrigen Äste, die sich verzweigen sollen, werden maximal um zwei Drittel gekürzt. An diesen Stellen erhält man zwei bis drei neue Äste.
Nach etwa sechs Jahren kommt der Baum in die Ertragsphase: Er weist eine entwickelte Krone auf, bildet vermehrt Fruchtholz. „Ist die Krone dicht, zählt nur das Weg- und nicht das Zurückschneiden“, mahnte Mersch. Das Auslichten sei regelmäßig, aber maßvoll zu erledigen. Sind Wundflächen größer als ein Zwei-Euro-Stück, sollte man sie mit einem speziellen Mittel behandeln.
„Beim Schneiden von Obstgehölzen muss man sich immer die Reaktion auf den Eingriff vor Augen halten“, heißt es in den Tipps. Das Gleichgewicht zwischen Wachsen und Fruchten müsse stimmen. „Ein altes Sprichwort sagt: Der Baum ist gut beschnitten, wenn man einen Hut hindurch werfen kann“, sagte Mersch. Entscheidend, gerade wegen der aktuell tiefen Temperaturen, ist immer die Wetterlage beim Schnitt. „Nur bis minus fünf Grad“, sagte Mersch zur Grenze. Denn gefrorenes Holz lässt sich schlecht schneiden, und die Wundfläche kann in den kalten Nächten kaum verheilen.
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