Trauer gebraucht einen Ort


Findlinge, übereinander gestapelt: Die neue Gedenkstätte für zu früh gestorbene Kinder.
Findlinge, übereinander gestapelt: Die neue Gedenkstätte für zu früh gestorbene Kinder.


Wettringen. Die erste Reaktion im Pfarrgemeinderat war eher Verblüffung, als der Künstler die etwas unkonventionellen Skizzen für die geplante Stätte für Kinder, die nie ein Grab bekommen haben, vorstellte. Gemeint sind zu früh Geborene, bei oder kurz nach der Geburt Verstorbene. Das hatte man so nicht erwartet.

Aber dann erläutert Rainer Kuehn seinen Entwurf: „Auf die Idee brachte mich mein dreijähriger Sohn. Ich beobachtete ihn dabei, wie er mit Bauklötzen einen Turm bauen wollte. Das ging auch eine Weile gut. Aber dann stürzte alles in sich zusammen, und mein Sohn fing an zu weinen. Ebenso geht es uns Erwachsenen: Auch in unserem Leben stürzt so manches wieder in sich zusammen. Ganz besonders spüren das Eltern, die ein Kind verloren haben.“



Die kleinen Steinsäulen sollen irgendwann umfallen.
Die kleinen Steinsäulen sollen irgendwann umfallen.


Die Gedenkstätte liegt im hinteren Teil des Friedhofs, in der Nähe der Kindergräber, zum Friedhofskreuz hin. Zu sehen ist bis jetzt eine größere Säule, aufgeschichtet aus Findlingen. Rainer Kuehn wählte Findlinge, weil sie geformt und geschliffen wurden durch Eis, Druck und Naturgewalten, „so wie es unserem Leben auch ergehen kann,“ meint er. „Wir sind den Kräften oft hilflos ausgeliefert. Aber obwohl die Findlinge gescheuert und gepresst wurden, sind sie nicht untergegangen. Ihre Form ist nun ihre Unverwechselbarkeit.“

Neben der großen Säule, die übrigens durch einen Eisenstab in der Mitte gesichert ist, finden sich kleinere Steinsäulen, die sogar irgendwann einmal umfallen sollen. Geplant ist ein Terrain aus kleinen Findlingssteinen rundherum, sodass Trauernde diese aufschichten, umstoßen und neu formieren können; sie ggf. mit Namen oder Beschriftungen versehen können.

Es wird also eine Trauerstätte, die sich ständig verändert. Diese Idee hat die Gremien der Pfarrgemeinde schließlich überzeugt.

Schon lange war es der Wunsch, dass auch auf dem Wettringer Friedhof eine solche Trauerstätte entstehen sollte. Nicht zuletzt kam dieser Wunsch von betroffenen Eltern selbst. Jetzt wird er umgesetzt. Die Pfarrgemeinde bittet um finanzielle Hilfe bei den Kosten. Hierzu steht das Spendenkonto Nr. 350290300 bei der Volksbank (BLZ: 40164618) bereit. Unter dem Stichwort: Trauerstätte. Außerdem ist die kommende Sonntagskollekte für diesen Zweck bestimmt.



07 · 08 · 09





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