Die Hausarbeit des Studententrios zur Wünschelrute: „Heilung oder Hoax?“


Ob eine Wünschelrute funktioniert oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Erwartungsgemäß.
Ob eine Wünschelrute funktioniert oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Erwartungsgemäß.


Wettringen. „Ich weiß auch nicht wie es funktioniert, aber es funktioniert!“, sagt Jürgen Tenhündfeld während er mit zwei Leichtmetallstäben in der Hand durch den Raum der Familie Goldmann (Name von der Redaktion geändert) schreitet. Sie kreuzen sich: „Hier ist Strahlung!“ So oder so ähnlich hat der 77-Jährige Wünschelrutengänger schon knapp 5500 mal nach Wasseradern oder Erdstrahlungen gesucht. Jeder Rutengang ist handschriftlich in kleinen Büchern notiert.

Auch die Wettringer Familie steht in diesem Buch. Vor ein paar Jahren war Tenhündfeld zum ersten Mal dort. Damals litt der Bruder von Michaela Goldmann an Krebs. „Er hat zu der Zeit noch mitten auf einer Wasserader geschlafen.“ An genau der selben Stelle hat auch ihre Mutter gelegen. Sie starb in den 90er Jahren an Krebs. Für Familie Goldmann war das ein eindeutiges Zeichen. Beide schliefen an der selben Stelle, beide hatten Krebs.


„560 mal Krebs!“, sagt Tenhündfeld und wirkt dabei, als warte er auf Applaus, denn all diese Fälle hat er laut eigener Aussage in den letzten 20 Jahren nachgewiesen. Erdstrahlung sei der Auslöser gewesen. Jedesmal. „Es gibt keinen Krebs ohne Strahlung“, das sei bewiesen. Allerdings wirken knapp 10 Prozent Krebserkrankte unter seinen Kunden schon fast wenig, denn statistisch erkrankt jeder dritte Europäer im Laufe seines Lebens an Krebs.

Ganz anderer Überzeugung ist Dr. Rainer Wolf, Experte für Psychophysiologie und Mitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Er setzt auf bereits bewiesene Fakten - und die sehen anders aus, denn „es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Existenz von Wasseradern oder Erdstrahlung“.

In Deutschland zum Beispiel gibt es Flächengrundwasser. Jeder, der schon einmal eine Baugrube ausgehoben hat, weiß, dass er dort keine Wasseradern findet. Auch wenn in manchen Esoterikbüchern einiges über Erdstrahlung steht, Wolf hat auch dafür einen Denkanstoß: „Natürlich gibt es viel zwischen Himmel und Erde, was noch nicht in den wissenschaftlichen Lehrbüchern steht. Aber es gibt auch vieles, das in Büchern steht und das es zwischen Himmel und Erde nicht gibt.“
Jürgen Tenhündfeld ist da anderer Meinung: „Die Nachweise gibt es, die werden nur vor der Öffentlichkeit zurückgehalten.“ Er könnte den Menschen mit seiner Rute einfacher helfen als ein teurer Arzt, der „nur Geld verdienen will“. Als Konkurrent zu den Medizinern sieht er sich aber nicht - im Gegenteil. Man solle zusammenarbeiten, so Tenhündfelds Credo. Ein Abzocker sei er dabei übrigens nicht. Er nimmt kein Geld. Aber über ein paar Euro für die Benzinkosten freut er sich. Teurer wird es nur, wenn er Strahlen findet. Und auch dann ist der Kauf des kleinen Metallkästchens, das die Strahlen fernhalten soll, freiwillig.So harmlos wie Tenhündfeld sind aber nicht alle Rutengänger. Johannes Wyes zum Beispiel nimmt 250 Euro für die Suche nach Wasseradern. Pro Zimmer, versteht sich. Bei der Suche selbst verstrickt er sich oft in Widersprüche. Generell ist Wyes wohl eher ein guter Hobby-Psychologe als ein Heiler. Ist er bei einem Kunden redet der selbst ernannte „Geopathologe“ ständig: „Gesundheit sollte Ihnen doch wichtig sein - Sie leben sehr gefährlich - Sie werden bald eine Besserung spüren.“ Geld her und weg. Danke.

Tenhündfeld dagegen ist anders. Durch einen Bekannten ist er vor 20 Jahren auf das Rutengehen aufmerksam geworden. „Wir hatten damals einen Wünschelrutengänger bei uns zuhause. Ich bin dann auch mal mit der Rute durch das Haus gelaufen - und es hat geklappt.“ Er glaubt fest an seine Fähigkeiten - und will nur helfen.
Inzwischen wird der Rentner sogar von Ärzten empfohlen. Seine Beratung, das Bett umzustellen, hat schon manchem Patienten geholfen. So auch Herbert Goldmann, er hatte vor Tenhündfelds Besuch starken Bluthochdruck und fühlte sich ausgebrannt. „Kurz nachdem der Rutengänger da war ging es mir besser“, sagt Goldmann und wirkt immer noch zufrieden.

Auch wenn die wissenschaftlichen Beweise für die Erdstrahlung fehlen; Diplom-Psychologe Steffen-Peter Ballstaedt hat für diese „Wunderheilung“ eine plausible Erklärung: „Die menschliche Psyche hat da einen hohen Stellenwert. Stichwort Placebo-Effekt. Wenn man fest davon überzeugt ist, das es einem besser gehen wird, passiert dies auch. Egal ob es einen „Wirkstoff“ gibt oder nicht.“
Aber egal woran es am Endeffekt liegt. Herbert Goldmann geht es gut - und das ist das Wichtigste.“

Hinweis: Den Namen der Wettringer Familie hat die MV-Redaktion auf ihren Wunsch hin geändert.

VON BENJAMIN GUST, SIMON SCHLENKE UND OLIVER KÖRTING


30 · 05 · 09



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