Westerkappeln - Seit rund eineinhalb Jahren läuft der Umbau der Realschule. Klar, dass sich in dieser Zeit viel entwickelt hat. Unser Redaktionsmitglied Björn Meyer hat sich daher am Montagmorgen mit Schulleiter Ralf Kutschwalski getroffen und über Störungen des Unterrichts, demolierte Betonbänke und moderne Bildung gesprochen.
Herr Kutschwalski, haben Sie sich schon einmal in Ihrer eigenen Schule verlaufen?
Kutschwalski
(lacht): Nein, ich kenne mich ja hier aus. Aber ich gebe zu, jemand der hier das letzte Mal vielleicht vor einem Jahr war, der findet sich nicht mehr zurecht. Immerhin ist die Verwaltung jetzt ein Stockwerk höher. Uns blieb auch gar nichts anderes übrig. Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Aufenthaltsbereiche für den Ganztag im Erdgeschoss sind. Natürlich auch die Mensa. Daher musste die Verwaltung nach oben.
Wie weit ist denn der Umbau, immerhin sehen einige Bereiche noch relativ unfertig aus?
Kutschwalski: Wir werden zum neuen Schuljahr fertig sein, optimistisch gedacht vielleicht schon bis Ostern. Momentan werden die letzten Klassenräume fertiggestellt. Dann kommen Mensa und Aula dran.
Haben die Arbeiten den Unterricht beeinflusst?
Kutschwalski: Natürlich waren die Arbeiten das eine oder andere Mal nicht zu überhören. Insgesamt haben wir aber gute Absprachen mit den Handwerkern treffen können - gerade, wenn Klassenarbeiten geschrieben wurden. Und natürlich haben wir auch einfach damit leben gelernt. So langsam sieht man ja wofür. Das Konzept ist absolut stimmig. Ein großes Glück ist es, dass die Klassenräume nach unseren Vorstellungen renoviert wurden. Da gab es am Anfang in den Gesprächen Schwierigkeiten.
Auf welchem Stand sind die Klassenräume denn?
Kutschwalski: Jeder Raum verfügt über einen Beamer, eine Lautsprecheranlage und Internet. Wir haben damit alle Möglichkeiten der modernen Präsentation. Das ist wirklich sehr positiv. Erst jetzt erkennen wir, unter welchen Bedingungen wir vorher gearbeitet haben.
Das Innere der Schule ist nur ein Aspekt. Auf Antrag der CDU-Fraktion besichtigt der Gemeinderat heute den Schulhof. Was wünscht sich denn der Schulleiter demnächst auf seinem Hof zu sehen?
Kutschwalski: Ich denke, wir brauchen drei Bereiche. Einen zum Austoben für die jüngeren Schüler. Dann einen Bereich für kleine Ballspiele. Zudem genügend Sitzgelegenheiten für die älteren Schüler, die eine ruhige Pause verbringen wollen.Das hört sich jetzt nicht nach hohen Forderungen an...
Kutschwalski: Ja, ich glaube auch, dass es möglich ist, mit einfachen Mitteln einen attraktiven Schulhof hinzubekommen. Wichtig ist, dass wir - gerade im Zuge des Ganztags - genügend Bewegungsmöglichkeiten für die Jüngeren haben. Derzeit bieten wir in der einstündigen Mittagspause Aktivitäten in der Sporthalle an. Wir wollen das auch erhalten, aber mit Schwerpunkten - Volleyball oder Handball vielleicht. Wer dann toben möchte, der kann das auf dem Schulhof machen. Ich stelle mir da zum Beispiel Klettergerüste vor.
In diesem Zusammenhang gibt es eine Diskussion um ein Sicherheitskonzept.
Kutschwalski: Richtig. Und die Sorge um die Dinge, die wir hier aufstellen wollen, ist absolut begründet. Bislang war es so, dass alles was aufgestellt wurde, nach wenigen Wochen kaputt oder besprayt war. Selbst von uns eigens gegossene Betonwannen für Sitzbänke wurden zerstört. Verstehen Sie, ich finde es in Ordnung, wenn der Schulhof öffentlich zugänglich ist, aber einige Dinge müssen offenbar geschützt werden.
Sie haben sich vor einigen Monaten in einer Ratssitzung für die Lösung der Einzäunung ausgesprochen und sind damit nicht nur auf Gegenliebe getroffen.
Kutschwalski: Das hat mich zugegebenermaßen irritiert. An anderen Stellen scheinen Zäune sehr wohl in Ordnung zu sein. Aber das ist auch keine Debatte um Schule und Zaun. Mit einem klugen Konzept ist es vielleicht dennoch möglich, einen Teilbereich der Öffentlichkeit zu entziehen. Der Schulträger muss da Ansätze finden. Vielleicht auch, dass konsequent jeder gesprayte Schriftzug sofort entfernt wird.
Beim Blick über den Tellerrand ist vor allem die Gesamtschule derzeit ein Thema. Was halten Sie von dieser Schulform?
Kutschwalski: Oft sind es finanzielle Gründe, die an den jeweiligen Standorten den Ausschlag für die Gesamtschulen geben. Das halte ich prinzipiell für fragwürdig. Dennoch sehe ich natürlich, dass die Gesamtschule lange alle Möglichkeiten für die Schüler offen hält. Das ist ein klarer Vorteil.
Und wo liegt der Nachteil?
Kutschwalski: Einen Nachteil gibt es nicht. Aber auch wir haben hier in Westerkappeln und Lotte eine Schulform, die ebenfalls funktioniert. Die Gymnasien sind erreichbar. Die Zusammenarbeit zwischen der Haupt- und der Realschule funktioniert sehr gut. Die Schülerzahlen sind relativ stabil. Das bleiben sie auch, zumindest wenn die Eltern den Empfehlungen aus der Grundschule folgen.Wie verlässlich sind diese Empfehlungen denn?
Kutschwalski: Glücklicherweise ist es so, dass die Entwicklung junger Menschen nicht absolut vorhersehbar verläuft. Aber im Großen und Ganzen stimmen die Empfehlungen schon. Hinzu kommt aber, dass manches einfach eine Persönlichkeitsfrage ist. Manch ein Schüler blüht eher auf, wenn er in der Spitzengruppe seiner Klasse ist, für andere ist das weniger interessant.
Wird die Gesamtschule in Ibbenbüren zur Konkurrenz werden?
Kutschwalski: Natürlich kann das sein, aber wie gesagt, das System hier funktioniert. Durch die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftshauptschule haben wir ähnliche Möglichkeiten wie eine Gesamtschule - nur örtlich getrennt. Das bringt Westerkappeln Zeit. Zeit zu überlegen, was man machen möchte. Ich denke, das Schlimmste wäre es, dass Thema politisch zu zerreden. Da müssen Fachleute ran. Das in Auftrag gegebene Gutachten ist daher sicher der richtige Weg.