„Man muss für seine Träume auch was tun“


Detlef D! Soost gibt am Samstag einen HipHop-Workshop in der Stadthalle Rheine. Im Interview mit der MV erzählt er aus seinem Leben und der Welt des Show-Biz.
Detlef D! Soost gibt am Samstag einen HipHop-Workshop in der Stadthalle Rheine. Im Interview mit der MV erzählt er aus seinem Leben und der Welt des Show-Biz.


Rheine. Niemand war so häufig als Coach und Trainer bei einer Casting-Show dabei wie er: Detlef D! Soost oder einfach nur D!. Er ist der Entdecker der „No Angels“ und von „Monrose“ und aktuell trainiert er bei Popstars - Just 4 Girls die Bewerberinnen der Endrunde. Am Samstag, 25. Oktober, kommt D! nach Rheine in die Kopernikus-Sporthalle, um dort zwei Choreographien mit HipHop-Fans zu trainieren (MV berichtete). Im Interview mit MV-Mitarbeiterin Vanessa Siegbert plaudert Soost ein wenig aus dem seinem Leben und der glitzernden Welt des Show-Business.

Wieso haben Sie sich entschieden Tänzer zu werden? Und besonders ab wann war dieser Wunsch da?


Ich habe in der damaligen DDR die Video-Premiere von Michael Jackson Thriller nachts im „westfernsehen“ gesehen. Die Magie, die Stärke, die Leidenschaft hat mich fasziniert. Das war für mich, der vorher ja Fußball gespielt hat, eine neue Dimension. Das wollte ich auch können. Dann habe ich angefangen zu tanzen.

Sie sind bereits seit vielen Jahren im Geschäft. Haben Sie da nicht manchmal Lust, etwas völlig anderes, neues zu tun?

Ich bin in der wirklich priviligierten Lage, mit dem was mir wirklich Spaß macht, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es gibt trotzdem auch immer neue Herausforderungen und Ziele. Ich durfte im vergangenen Jahr mit Leander Haussmann an seinem neuen Film „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, der gerade im Kino lief, arbeiten und eine große Choreographie-Szene inszenieren. Dann die Arbeit an unserem TV-Projekt CARTOON NETWORK DANCE CLUB (immer Sonnabends um 8.00 Uhr morgens auf Kabel 1). Das ist das erste Mal, das es einen Tanz-Kurs für Kids gibt, in dem reale Charaktere mit Comic-Figuren zusammen tanzen. Und die Show wird jetzt schon in acht Ländern außerhalb von Deutschland ausgestrahlt - und sie wurde von meiner eigenen Produktionsfirma mitproduziert.

In der Sendung „Popstars“ verteilen Sie viel Kritik, sind sie auch privat jemand, der sofort sagt, was er denkt?

Früher war ich ja noch viel impulsiver. Ich bin doch schon viel ruhiger geworden und überlege mehr, welches Wort welche Gegenreaktion auslösen könnte. Aber ja, ich versuche immer klare Aussagen zu treffen.

Sie arbeiten mit vielen jungen, hübschen Frauen zusammen. Wird Ihre Frau nicht eifersüchtig, wenn sie ihnen den „Move“ beibringen?

Nein. Ich kann Arbeit und Privatleben schon gut trennen.Die „No Angels“ starteten vor einiger Zeit ihr Comeback. Was ist aus den anderen Bands der Popstars-Show geworden?

Monrose sind sehr präsent und auch sehr erfolgreich. Giovanni von Bro’sis hat gerade einen Top 10-Hit in den Charts. Oft wird ja fälschlichweise gesagt, Casting-Bands sind nicht langfristig erfolgreich. Das ist in Relation zum Gesamt-Markt falsch. Insgesamt ist die Halbwertzeit von Pop-Bands kürzer als früher.

Wie wichtig ist es, Gefühle in den Tanz hineinzubringen?

Sehr wichtig. Tanzen ist pure Leidenschaft. Die Sprache mit dem ganzen Körper.

Lebe dein Leben - das ist doch Ihr Motto. Sollen Jugendlichen alles aus sich herausholen, um ihren Traum zu leben? Und welche Träume haben Sie, die darauf warten, noch erfüllt zu werden?

Das Problem vieler Jugendlichen ist es, das Stadium des Träumens nicht zu verlassen. Ich stehe mit vielen jungen Menschen im Dialog. Manche kommen auf mich zu, erzählen mit strahlenden Augen, dass sie Schauspieler werden möchten. Auf meine Frage, wann sie mit Schauspielunterricht begonnen haben, kommt dann oft ein Achselzucken. Es reicht nicht zu träumen, sondern man muss sie auch umsetzen. Das ist der wichtigste Schritt. Klar habe ich Ziele und Visionen. Ich möchte z.B. eine große Dance-Show auf die Bühne bringen.

Wie kommt es zu Ihren ständigen Stimmungsschwankungen bei Popstars? Erst sind Sie der Feldwebel in der Jury, doch wenn jemand ausscheiden muss, kommen ihnen die Tränen. Ist es wichtig, seine Gefühle auch vor anderen Menschen zu zeigen?

Stimmungsschwankungen sind doch sehr menschlich. „Popstars“ ist TV. Das sind Zusammenschnitte von Zeiträumen, die sich über mehrere Stunden erstrecken. Grundsätzlich empfinde ich Offenheit als gut, dazu gehört es auch, seine Gefühle ehrlich zeigen zu können.

Sie sind mittlerweile ein alter Hase im Tanzgeschäft. Es gibt viele junge Kollegen, die gleichzeitig auch eine gewisse Konkurrenz darstellen. Wie schaffen Sie es immer wieder, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und im Mittelpunkt eines jeden Workshops und Tanzshow zu stehen?

Ich lasse mich natürlich auch von Kollegen inspirieren und reise auch oft in andere Dance-Metropolen wie Los Angeles oder New York, um dort mit befreundeten Choreographen wie Nick Wilson oder David Moore gemeinsam zu arbeiten. Und ich halte Augen und Ohren offen. Kürzlich hatte ich z.B. einen gemeinsamen Workshop mit dem französischen Tektonik-Papst Treaxy. Aus solchen Begegnungen kann ich viel schöpfen. Ich fördere ja auch viel „Konkurrenz“ im eigenen Haus. Viele Talente wie z.B. Rafael Antonio, Julie Denise oder auch unser erste VIVA Dance-Star Kenny haben jetzt schon eine große Fernseh-Präsenz. Das ist doch für die Bewegung „HipHop“ eher gut und förderlich.

Wie wichtige ist Tanzen für Sie? Gab es schon Momente, wo Sie alles hinwerfen wollten, weil die Kraft nicht mehr gereicht hat? Denn der Weg zum Erfolg war sicherlich oft auch steinig.

Tanzen ist sicherlich eine meiner wichtigsten Ausdrucksformen. Aber sehr wichtig ist für mich auch, meine Lebens-Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben und sie dadurch zu motivieren. Ich denke, jeder hat im Leben Momente, wo es einem mal zu viel wird - dann hält man inne, aber man schmeißt nicht alles hin.

VON VANESSA SIEGBERT


23 · 10 · 08





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