Soldaten widersprechen Minister

Ein Transporthubschrauber aus Rheine fliegt über einem Dorf in Afghanistan: Verteidigungsminister Guttenberg will zusätzliche Helikopter an den Hindukusch schicken, die Soldaten wehren sich. Foto:
Ein Transporthubschrauber aus Rheine fliegt über einem Dorf in Afghanistan: Verteidigungsminister Guttenberg will zusätzliche Helikopter an den Hindukusch schicken, die Soldaten wehren sich. Foto:
(Sven Rapreger)


Rheine/Laupheim - In den deutschen CH-53-Transporthubschrauber-Regimentern Rheine und Laupheim rumort es. Mit Unverständnis reagieren insbesondere die Piloten und Bordbesatzungen auf die Ankündigung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die Isaf-Truppe in Afghanistan mit zusätzlichen CH-53-Transporthubschraubern auszustatten.

Der Grund: „Die personellen Reserven sind erschöpft. Wir werden schon die acht Maschinen, die derzeit im Isaf-Einsatz sind, unter der derzeitigen Auftragsanforderung im kommenden Jahr nicht mehr leisten können“, warnt Oberstleutnant Reinhard Schlepphorst, Bundesvorsitzender der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr (IGTH).


Guttenberg hatten in einem Zeitungsinterview angekündigt, 2010 weitere modernisierte Helikopter des Typs CH- 53 für die Isaf-Truppe abzustellen. Die Einsatzführer der deutschen Schutztruppe werden das Angebot gerne annehmen. Seit Jahren stellen sie in internen Berichten regelmäßig heraus, dass den deutschen Soldaten am Hindukusch Hubschrauber fehlen.

In den beiden mittleren Transporthubschrauber-Regimentern in Rheine und Laupheim (Baden-Württemberg) dagegen stehen die Personalplaner damit vor einer schwierigen Aufgabe. „Die Belastungsgrenze der für den Auslandseinsatz ausgebildeten CH-53-Besatzungen ist erreicht“, sagt Schlepphorst. „Offensichtlich hat niemand den Minister darüber informiert, dass Hubschrauber auch Besatzungen brauchen, die sie fliegen.“

„Wir prüfen noch, ob das personell geht“, reagierte der Sprecher der Division Luftbewegliche Operationen (DLO) in Veitshöchheim auf die Ankündigung des Ministers.

Seit Jahren lastet auf den Schultern der Heeresflieger der Flugbetrieb im Auslands-Einsatz. Kurdistan, Irak, Kosovo, Kongo oder Pakistan - die Anforderungen im Einsatzgebiet erfüllt meistens nur der CH53-Hubschrauber.

Seit sieben Jahren unterstützen die Heeresflieger die Isaf-Truppe in Afghanistan. Immer häufiger und in immer kürzeren Abständen müssen Piloten und Bordpersonal in den „kriegsähnlichen“ Einsatz.

Vier Monate Isaf-Verwendung in zwei Jahren lautete einst die Regel. Tatsächlich haben viele Luftfahrzeugführer die vorgesehene „Stehzeit“ im Einsatzland längst überschritten. Das Risiko am Hindukusch ist hoch: „Mittlerweile werden die Hubschrauber ja auch beschossen“, sagt Schlepphorst.

Nach der Rückkehr aus dem Isaf-Einsatz bleibe den Bordcrews kaum Zeit, zu verschnaufen. „Regeneration ist nahezu unmöglich“, weiß der ITGH-Bundesvorsitzende, der selbst Angehöriger des mittleren Transporthubschrauber-Regimentes 15 „Münsterland“ in Rheine-Bentlage ist. Bei den Soldaten zeigten sich verstärkt psycho-vegetative Belastungsstörungen. „Abwanderungsgedanken werden immer häufiger geäußert Kündigungen hat es bereits gegeben“, sagt Schlepphorst.

„Wie eine Demütigung“ hätte es zudem auf viele Luftfahrzeugführer des Heeres gewirkt, dass ihnen eine längst überfällige Anpassung der Besoldung verwehrt wurde.

Unterdessen bestätigen die DLO in Veitshöchheim und der Sprecher Heer im Bundesverteidigungsministerium, dass Entlastungsoptionen für die CH 53-Crews „geprüft werden“. Der neue Hubschrauber NH 90 sei allerdings keine Wahl, weil „die Industrie da bummelt“. Aus dem aktuellen Hubschrauberbestand bietet sich dann nur noch die betagte Bell UH 1D an, die für den Einsatz fit gemacht werden müsste. Man stehe allerdings auch „mit der Industrie in Kontakt, um weitere Optionen zu erschließen“, heißt es im Verteidigungsministerium.


09 · 11 · 09


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