Mit sechs Mitarbeitern fing alles an

Sind seit 40 Jahren dabei: Eleonor Lawrenz, Gerhard Glanerschulte, Franz-Josef Lehmkühler, Georg Kuhn und Hedwig Adamek (v.r.). Werkstatt-Leiter Hubert Alteepping (ganz links) überreichte ihnen Blumen und Urkunden. Es fehlen Helmut Greitenewert, Heinz Schulte und Barbara Konziolka. Fotos: Braunschweig
Sind seit 40 Jahren dabei: Eleonor Lawrenz, Gerhard Glanerschulte, Franz-Josef Lehmkühler, Georg Kuhn und Hedwig Adamek (v.r.). Werkstatt-Leiter Hubert Alteepping (ganz links) überreichte ihnen Blumen und Urkunden. Es fehlen Helmut Greitenewert, Heinz Schulte und Barbara Konziolka. Fotos: Braunschweig


Ochtrup. Sechs Mitarbeiter waren es damals, im Gründungsjahr 1969, heute beschäftigen die Caritas-Werkstätten Langenhorst 800 Menschen mit Behinderung und 170 Angestellte in der Betreuung und Verwaltung. 40 Jahre Engagement für Behinderte – das war für Geschäftsführung, Betreuer, Nachbarn, Auftraggeber und Gäste aus der Politik gestern Nachmittag ein Grund zum Feiern. Im Hauptwerk an der Waldstraße gab es bei einem Festakt jede Menge Lob für die Arbeit der Werkstätten.

„Das war 1969 ein Experiment und es ist gelungen“, machte Aufsichtsratsvorsitzender Franz Leusbrock den Anfang. Er erinnerte an das Motto der Werkstätten: Zuerst der Mensch, dann die Produktion. „Das macht uns erfolgreich“, war sich Leusbrock sicher. Wie produktiv die Werkstätten „trotzdem“ sind, zeigt die Palette der Tätigkeiten: Die Mitarbeiter an den Standorten in Ochtrup, Langenhorst und Steinfurt sind in den Bereichen Metall-, Textil- und Holzverarbeitung tätig, sie verpacken, montieren, kochen und gärtnern. „Dass das so ist, dazu tragen sie maßgeblich bei“, sprach Geschäftsführer Rolf Schürmann in seinem Rückblick die Auftraggeber an. Auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise bat er: „Fordern Sie uns ruhig.“



Feierten zusammen mit zahlreichen Gästen das 40-jährige Bestehen: Aufsichtsratsvorsitzender Franz Leusbrock, Geschäftsführer Rolf Schürmann, Pastor Josef Wichmann und Werkstatt-Leiter Hubert Alteepping.
Feierten zusammen mit zahlreichen Gästen das 40-jährige Bestehen: Aufsichtsratsvorsitzender Franz Leusbrock, Geschäftsführer Rolf Schürmann, Pastor Josef Wichmann und Werkstatt-Leiter Hubert Alteepping.


Schürmann zeichnete die Entwicklung der Werkstätten bis zu ihrer jetzigen Größe nach. Als die erste Werkstatt 1969 in die ehemalige Gehörlosenschule in Langenhorst einzog, habe die Bevölkerung gegenüber den Menschen mit Behinderung bereits sehr viel Feingefühl bewiesen. Zunächst leitete Anselm Beck die Einrichtung, bis 1974 Günther Born sein Amt übernahm und es bis 1996 weiterführte. „Das war Pionierarbeit“, zollte Schürmann den Vorgängern Respekt. 1975 schenkte die Stadt Ochtrup der Einrichtung das Grundstück an der Waldstraße, weitere Vergrößerungen des Betriebes folgten. „Die Werkstätten haben sich bewährt, an der Notwendigkeit wurde bald nicht mehr gezweifelt“, sagte Schürmann.

Dass das heute mehr denn je der Fall ist, machte Michael Wedershoven vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Träger von 61 Werkstätten in der Region, deutlich. „Die Arbeitswelt ist härter, die Anforderungen sind größer geworden. Früher gab es noch einfache Jobs, die heute längst weggefallen sind.“ Die Zahlen der Werkstatt-Mitarbeiter in Westfalen-Lippe stiegen jährlich um 1000 an. Dennoch riet er, Behinderten auch andere Wege zu öffnen, zu versuchen, sie in den normalen Arbeitsmarkt zu integrieren. „Der Weg muss nicht automatisch von der Förderschule in die Werkstatt führen.“

Hubert Alteepping, Leiter der Werkstätten, sprach im Bezug auf die Produktivität des Unternehmens von einer „emotionalen Wertschöpfung“. Er betonte: „Hier ist es normal, verschieden zu sein.“ Dass das stimmt, soll auch der heutige Tag zeigen: Dann feiern die Beschäftigten das 40-jährige Bestehen ihrer Werkstatt – auf ihre ganz eigene Art.


07 · 05 · 09



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