„Nur längeres gemeinsames Lernen entkoppelt Herkunft und Erfolg“


Die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ute Schäfer, plädierte für das Modell der Gemeinschaftsschule
Die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ute Schäfer, plädierte für das Modell der Gemeinschaftsschule
(Foto: Achim Giersberg)


Rheine/Kreis Steinfurt. Einer Frage kam Ute Schäfer selbst zuvor: Die Schulstruktur-Diskussion während ihrer Amtszeit anzupacken, sei sie „nicht mutig genug“ gewesen, gestand die ehemalige Schulministerin der SPD am Donnerstagabend im TaT-Zentrum in Rheine, wo sie mit der stellv. GEW-Landesvorsitzenden Dorothea Schäfer, Genossen und Lehrern über „Beste Bildung für alle“ diskutierte.

Jetzt, so Ute Schäfer, gehe an einer Schulstruktur-Reform jedoch kein Weg mehr vorbei. „Längeres gemeinsames Lernen“ müsse das Ziel sein: „Die Einordnung in Schubladen nach der 4. Klasse verhindert, dass Bildungspotenziale optimiert werden.“ Die Grundschule sei eine innovative Schulform, weil sie individuell mit allen Kindern arbeite. Dieses Modell in die Sekundarstufe I zu transportieren, sei erklärtes Ziel der SPD. Nur wenn es gelinge, längeres gemeinsames Lernen umzusetzen, könne Bildungserfolg und soziale Herkunft entkoppelt werden. Schäfer kritisierte den „verquasten Begabungsbegriff“, der die Unterscheidung in „praktische“ und „theoretische“ Begabung und damit eine Zuordnung zur Hautschule bzw. Gymnasium festschreibe.


Für die SPD sei die Gemeinschaftsschule das vielversprechendste Schulmodell für die Zukunft. Dort könnten Kinder bis zum 6. Schuljahr, eventuell auch bis Klasse 10, gemeinsam lernen; Bildungsgänge nach Klasse 6 abzugliedern, sei möglich, die Kinder blieben aber unter einem Schul-Dach. „Wir kämpfen für mehr kommunale Verantwortung“, forderte Schäfer größeren Einfluss der Schulträger, wie überhaupt mehr „Demokratiekultur“ in der Schule.

Dorothea Schäfer, stellv. GEW-Landesvorsitzende, bekräftigte die Notwendigkeit einer Schulstruktur-Diskussion. Man könne nicht ignorieren, dass 2008 in NRW 40 Hauptschulen geschlossen werden mussten: „Die Zeit ist gekommen, etwas zu verändern.“ Auch sie forderte, die „Separation zehnjähriger Kinder“ endlich zu beenden. Besorgt zeigte sie sich über zweigliedrige Schulstruktur-Modelle wie in Sachsen, bei denen das Gymnasium unangetastet bleibe. Damit werde der Zwang zur Separation verfestigt. Ziel müsse vielmehr „eine Schule für alle Kinder“ sein. Am ehesten komme noch eine Ganztages-Gesamtschule diesem Ideal entgegen.

MdL und SPD-Landrats-Kandidatin Elisabeth Veldhues hatte zuvor in einem Grußwort an den schweren Kampf für eine Gesamtschule in Rheine erinnert und appelliert, auch heute im Kampf um eine schulische Strukturreform nicht nachzulassen. Explizit kritisierte sie die Kreisverwaltung, die in der Diskussion um eine Gemeinschaftsschule Schöppingen/Horstmar hätte „Flagge zeigen“ müssen. Bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer, Lernentwicklungsberichte statt Noten, mehr Schülerbeteiligung und die Abschaffung der Förderschulen waren schließlich Themen der lebhaften Diskussion.

VON ACHIM GIERSBERG, STEINFURT


16 · 01 · 09





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